Was verbirgt sich hinter QRP?

QRP ist in erster Linie eine Abkürzung aus der Telegrafie bei kommerziellen Funkdiensten. Sie besagt "Verminderen Sie die Sendeleistung!" oder als Frage formuliert "Soll ich die Sendeleistung vermindern?". Von den Funkamateuren wird der Begriff QRP verwendet, um damit auf die Besonderheit ihres Funkbetriebs hinzuweisen. Es ist der Sendebetrieb mit kleiner Leistung.
 
Die Frage nach der Ausgangsleistung bei QRP scheint eine schwierige Frage zu sein. Wenn Sie diese Frage einem OM oder einer YL mit einer 1-kW-Station stellen, so wird er oder sie Ihnen (bestimmt) antworten, dass 100 W schon QRP sind. Das habe ich selbst schon erlebt. Fragen Sie jedoch den Besitzer einer der vielen 100-W-Geräte, so wird er Ihnen vielleicht antworten, dass so etwa 10 W garantiert QRP sind. Alles was weniger Leistung hat, ist für sie zum Funken unbrauchbar. Man kann es höchstens noch als Messsender benutzen. Um Licht ins Dunkel zu bringen und Streitereien zu vermeiden, haben sich die Clubs und QRP-Verbände auf die folgenden Ausgangsleistungen geeinigt: 5 W Output bei CW, 10 W PEP Output bei Sprechfunk. Diese Werte sind aber keine unteren Grenzen. Es geht auch mit noch weniger Leistung. Leistungen bis 1 W bezeichnet man dann als QRPP. Es gibt nicht wenige Stationen, die sich dieser Leistungsstufe verschrieben haben.
Vielleicht eine kleine Anmerkung nebenbei. Die eher "schumrigen" Glühlampen eines Fahrrades nimmt eine Leistung von etwa 2 bis 3 W auf. Mit etwa dieser Leistung können Sie auch rund um die Welt funken.
 
Es gibt viele Gründe, warum jemand QRP macht. Vielleicht mal ein paar Beispiele:

Viele Funkamateure wohnen in Städten, in denen sie keine großen Antennen aufbauen können. Sie gehen daher ihrem Hobby in der freien Natur nach. Da eine QRP-Station in den allermeisten Fällen recht klein ist, passt diese Station nebst einem Akkumulator und etwas Zubehör spielend in einen Rucksack.
Es können aber auch Störungen durch die eigene QRO-Station in der näheren Umgebung auftreten. Um diese Störungen zu beseitigen, hilft es schon manchmal, wenn Sie die Leistung reduzieren.
Nicht zuletzt spielt aber auch die Kostenfrage eine wichtige Rolle. Ein normaler 100-W-Transceiver kostet weit mehr als eine QRP-Station. So war es mir selbst auch nicht möglich, gleich nach der Prüfung viele Geldscheine für eine 100-W-Station auf den Tisch zu legen. Meine erste Station war daher eine QRP-Station. Und ich bin bei QRP geblieben, da ich sah, dass diese Leistung ausreichte.
Aber es gibt nicht nur negative Gründe. So können Sie auch im Urlaub mit einer QRP-Station QRV werden, ohne eine halbe LKW-Ladung an Equipment mitzunehmen. Bei meinen bisherigen Reisen als Funkamateur passte ein kleiner Transceiver und etwas Draht immer mit ins Gepäck. Ein Mast in Form eines Fiberglas-Teleskop-Mastes für eine Vertical können Sie in fast allen Fällen problemlos auch bei Flügen (als Angelrute getarnt) mitnehmen.
Auch die Neugier kann jemanden dazu treiben. Viele Funkamateure drehen während eines QSOs schon einmal die Leistung herunter, um einfach zu sehen, mit welcher Leistung es noch geht. Da kommen erstaunliche Werte zu Stande. Manchmal bleiben diese Funkamateure dann bei der eingestellten Leistungsstufe. Dies ist der erfreulichste Weg.
Oder der Zufall hat seine Hand im Spiel. Nach dem Abstimmen der Antenne haben Sie vergessen, den Leistungsregler am Transceiver wieder nach oben zu drehen. Erst nach dem anschließenden QSO bemerken Sie, dass der Regler immer noch auf 5 W steht.

Es ist möglich, mit QRP jeden Punkt der Erde zu erreichen. Glauben Sie es ruhig! Ich selbst habe von DL aus auf 15 m schon mit 5 W und einer Antenne auf dem Balkon Pile-ups in ZL "geknackt". Das sind 18000 km! Viel weiter geht es auch nicht (hi). Es erfordert zwar eine etwas andere Betriebsweise und einige technische Anforderungen an die verwendete Station, aber Sie kommen fast immer zum Ziel. Das dies aber kein Einzelfall war, der auf besonders gute Ausbreitungsbedingungen zurückzuführen ist, beweist das bisher von mir erreichte DXCC-Ergebnis.
 
Jeder kann QRP-Betrieb machen. Viele Funkamateure scheuen sich, einen eigenen Transceiver aufzubauen. Aber keine Angst. Es gibt auch fertig aufgebaute QRP-Geräte und -Bausätze dafür. In den meisten Fällen reicht das Wissen, das Sie für die Amateurfunkprüfung erworben haben, für den Aufbau aus. Falls Sie sich noch etwas Zusatzwissen aus QRP-Baubüchern, Fachzeitschriften oder von Freunden im Club holen, kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

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