Unterwegs auf Wasserwellen
und Funkwellen

16. - 22. Juli 2011
 
Ende Juli - Sommerzeit in Deutschland. Daher mietete ich mir für zwei Wochen bei Nord­licht ein Einer-Wanderkajak. Meine Tour begann und endete in Fürstenberg/Havel. Doch es ist auch möglich, sich zwischen zwei Kanustationen von Nordlicht zu bewegen oder das Boot von einem beliebigen Punkt wieder abholen zu lassen. Sie verleihen Einer- und Zweier-Wanderkajaks und Zweier- bis Zehner-Canadier. Da dürfte für jeden Interessierten die passende Größe dabei sein. Außerdem bieten sie auch geführte Erlebnisfahrten für gro­ße und kleine Leute an.
 
Mit an Bord meines Kajaks waren neben einem kleinen Zelt, einem Schlafsack und solchen Sachen auch ein Elecraft K1, eine MP-1 und diverses Zubehör, denn ich hatte sowohl auf den Seen und Flüssen als auch von Land aus Funkbetrieb vorgesehen.
 
Auf dem Weg
 
Sonnenuntergang am Wurlsee Als Umkehrpunkt für die geplante Tour hatte ich mir das nordwestlich von Fürstenberg/Havel gelegene Seengebiet um Feldberg ausgesucht. Die ersten Abschnitte westlich über die Havel und den Stolpsee bis nach Himmelpfort sowie weiter über die Woblitz und den Lychensee nach Lychen waren bei strahlendem Sonnenschein und mäßigen Winden schnell und gut absolviert. Nur auf dem Lychensee trieb mich der auffri­schende Wind einmal vom See ins Schilf.
Kleiner Hinweis: Die Strecke von Fürstenberg bis Lychen gehört zum Netz der Bundeswasserstraßen. Daher ist dort mit größeren und kleineren Motorboo­ten zu rechnen. Dass heißt, man sollte sich als Paddler außerhalb der Fahrrinne und auf Seen lieber mehr zum Ufer hin aufhalten.
 
Lychen vom Wurlsee aus gesehen Der letzten Punkt, den die Motorboote noch erreichen können und befahren dürfen, ist der Stadtsee von Lychen. Dahinter wird es wesentlich ruhiger. Um die kleine Stadt Lychen herum liegt regelrecht ein Kreuz von Seen, die miteinander verbunden oder durch Umtragen gut erreichbar sind. Draisine Im Südwesten befinden sich der Lychensee und der Stadtsee, im Nordwesten der Nes­selgrund und der Wurlsee mit den beiden Campingplätzen, im Südosten der Zenssee und der Platkowsee sowie im Nordosten der Oberpfuhl­see. Lychen bie­tet sich somit als Ausgangspunkt für kleinere Touren geradezu an.
Wer mal aus dem Boot raus will, der kann sich auch mit einer Drai­sine auf der stillgelegten, eingleisigen Bahnstrecke zwischen Für­stenberg via Lychen nach Templin bewegen - Teilstrecken sollen dabei aber auch möglich sein, genauso wie Zwischenstopps.
 
Solarboot Auf dem Nesselgrund und dem Wurlsee konnte ich manchmal Solarboote entdecken. Da beide Seen durch die flache Stadt­brücke nicht von Booten über 1 m Höhe erreicht werden kön­nen, mussten sie irgendwo in der Nähe ihren Liegeplatz haben. Fündig wurde ich am Nesselgrund nahe dem Fürstenberger Tor bei Solarboote Lychen, wo man sich diese Boote ausleihen kann. Das hatte ich jedoch nicht vor. Mich interessierte aber im Hinblick auf die Versorgung einer Funkstation, wie die Strom­versorgung realisiert ist. So sah ich mir die Dinger einmal ge­nauer ansah.
Solarzellen des Solarboots Die ungefähr 4 x 2 m großen Boote besitzen eine Motorleistung von 550 W (0,75 PS). Die als Verdeck angeordneten Solarzellen liefern 210 W Spitze und puffern einen Akkumulator mit 12 V/400 Ah, der aus 4 einzelnen Bleigel-Akkumulatoren mit je 6 V/200 Ah besteht. Auch wenn keine Sonne scheint, soll für 6 bis 8 Stunden noch ein Vor­wärtskommen möglich sein. Auf dem Wasser bewegt man sich mit bis zu ungefähr 5 km/h (rund 2,7 kn). Dafür müsste man sich als Paddler schon ordentlich ins Zeug legen. Die Geschwindigkeit lässt sich über den Drehgriff an der Ruderpinne steuern. Verblüfft hat mich die Ein­bautechnik der Solarzellen in einer durchsichtigen Kunststoffplatte. Ergibt sich durch diese Bauweise nicht ein geringerer Wirkungsgrad, als wenn die Sonne die Zellen direkt bescheinen würde? Der Hersteller dieser auch ohne Führerschein fahrbaren Sportboote mit der Bezeichnung Solarkatamarane SOL 10 ist die Kopf Solarschiff GmbH.
Wer es zwar alternativ, aber rustikaler mag, der kann sich in Lychen am Oberpfuhlsee ein Floß mieten und wie Tom Sawyer die Seen der Umgebung entdecken.
 
Küstrinchener Bach Vom Oberpfuhlsee aus gelangt man in den Küstrinchener Bach, der zwar flach ist, aber eine flotte Strömung besitzt. Doch Vor­sicht: In manchen Wasserwanderkarten ist nicht vermerkt, dass der Bach nicht bei niedrigen Wasserständen (< 30 cm) und ge­nerell nicht vollständig flussaufwärts befahren werden darf. Da­rüber hinaus ist das Anlanden im Naturschutzgebiet untersagt. Ob überhaupt ein Befahren möglich ist, lässt sich über das so­genannte Pegeltelefon (039888) 64542 erfragen oder auf der speziell dafür eingerichteten Webseite des Dorfes Küstrinchen ersehen (beides interessant, wenn man flussaufwärts will). Wer vom Großen Küstrin­chensee kommt und bachabwärts fahren möchte, dem gibt außerdem eine Rot-Grün-Ampel hinter dem oberen Wehr in Küstrinchen (Einsatzstelle der Boote) darüber Auskunft.
Floßgasse im Küstrinchener Bach Zwischen dem unteren Wehr (Floßschleuse IV) nahe Fegefeuer und dem Bachanfang in Küstrinchen sowie umgekehrt lässt sich telefo­nisch über (039888) 2577 ein Pony-Shuttle für Boote und Besatzung bei Alex Liptey, Küstrinchen, Hof 4, organisieren. Es gibt auch einen als solchen ausgewiesenen und mit einem grünem Punkt markierten Transportweg für Boote, der mehr oder weniger neben dem Bach ent­langführt. Doch dieser Weg ist einerseits nur ein an manchen Stellen holpriger Waldweg und andererseits gut 4 km lang.
Aber egal in welcher Richtung und auf welchem Weg man reist: Beim Fischer am oberen Ende des Bachs in Küstrinchen gibt es als Imbiss frisch geräucherten Fisch (Forelle, Aal und anderen), den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.
 
Wasserwander-Atlas Mecklenburg-Vorpommern Beispielseite mit absichtlich verringerter Auflösung Sehr gutes Kartenmaterial für Wasserwanderer in der Region (und weiter bis zur Ostsee) beinhaltet meines Erachtens der "Wasserwander-Atlas Mecklenburg-Vor­pommern". Der Atlas mit 64 detaillierten Karten ist für 16,95 € unter der ISBN 978-3-85026-282-8 im gut sor­tierten Buchhandel sofort erhältlich oder zumindest dort bestellbar. Er ist als Ringbuch mit wetterfesten (nicht wasserfesten) Seiten ausgeführt. Dem Buch liegt eine CD-ROM mit allen Karten bei, sodass man sich gegebe­nenfalls im Vorfeld der Reise einzelne Karten eventuell sogar vergrößert ausdrucken und wasserfest einschwei­ßen (laminieren) lassen kann. Auf den einzelnen Seiten im Format 15 x 23,5 cm sind ne­ben den Öffnungszeiten der Schleusen und Brücken auch Hinweise zu den Besonderheiten der Gewässer sowie Tipps für Sehenswürdigkeiten an Land aufgeführt.
Wer hingegen beabsichtigt, die südlicher gelegene Region Berlin/Brandenburg mit einem Boot zu erkunden, dem sei der "Wasserwander-Atlas Berlin und Brandenburg" wärmstens empfohlen. Der identisch ausgestattete und auch mit einer CD-ROM ausgelieferte Atlas besitzt sogar 75 Karten und ist unter der ISBN 978-3-85026-283-5 für ebenfalls 16,95 € erhältlich.
 
Zurück auf Start
 
Platkowsee im Regen Am 22. Juli habe ich die eigentlich bis zum 31. Juli geplante Ak­tivität vorzeitig beendet. An den ersten Tagen spielte das Wetter noch halbwegs mit. Nur die Windböen machten mir auf dem Wasser zu schaffen. Lediglich morgens und abends ließ der Wind etwas nach. Doch schon einen Tag vor dem Abbruch war aufgrund des stärker gewordenen Winds aus Sicherheits­gründen ein Befahren der Seen mit dem kleinen Kajak nicht mehr möglich. Der Dauerregen trat auch nicht gerade zur Er­bauung bei. Trotzdem gab es noch einige Mutige (in Canadiern), die sichtlich abgekämpft abends das Ufer erreichten.
Frosch im Regen Der Regen wurde in der Nacht nochmals heftiger und der Wind verstärkte sich auf 4 bis 5 Bft (30 km/h), in Böen 7 Bft (55 km/h). Die Wettervorhersage in der am Tag zuvor in einer Gast­stätte durchgeblätterten Zeitung hatte also Recht behalten. Demnach wäre aber auch für die nächsten Tage keine Besse­rung in Sicht gewesen. Daher baute ich das Zelt ab und zog das beladene Kajak auf dem mitgeführten kleinen Transportwä­gelchen 14 km auf der Straße von Lychen zur Nordlicht-Kanu­station in Fürstenberg zurück. Die Sicherheit und letztendlich die Gesundheit hatten Vorrang vor dem unbedingten Erreichen des anvisierten Ziels.
 
Funkaktivität
 
Funkkoffer Die gesamte Funkstation passte in einen kleinen Koffer, der im was­serdichten Teil des Kajaks verstaut war. Doch abends war ich so ab­gekämpft, dass an den vorgesehenen Funkbetrieb nicht zu denken war. Da baute ich nur noch das Zelt auf und kroch hinein. Ansonsten wäre ich bestimmt mitten im ersten QSO eingeschlafen. In den letzten Tagen rätselte ich außerdem herum, ob ich nun weggespült oder mit samt dem Zelt davon geweht werden würde. Und der anvisierte Be­trieb auf den Seen war aufgrund der geschilderten Windbedingungen nicht möglich.
Klemme An Land sollte als Antenne die MP-1 auf ei­nem Standfuß zum Einsatz kommen, wäh­rend auf dem Wasser die Montage der MP-1 mit einer von Peter, DL2FI, ausgeliehenen Klemme vorgesehen war. Die Klemme hat er sich vor Jahren einmal vom Flohmarkt in Dayton/Ohio mitge­bracht. So etwas scheint dort als Antennenklemme für die Au­ßenspiegel an Trucks populär zu sein. Hier in Deutschland be­richtete mir jemand, dem ich die Klemme zeigte, dass es Ähn­liches für Angler gibt. Da muss ich doch demnächst mal wieder beim Angelshop in der Nähe vorbeisehen, denn so eine Klemme lässt sich schnell an nahe­zu allen Gegenständen befestigen.
Als Stromversorgung war ein Akkupack aus LiIon-Zellen mit im Koffer, dessen Ausgangs­spannung sich unter anderem auf 12 V einstellen lässt. Es ermöglicht die Speicherung ei­ner Energie von 45 Wh (rund 3,5 Ah bei 12 V), was bei Verwendung des Elecraft K1 Funk­betrieb über mehrere Tage ermöglicht hätte.

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