Anleitung − Spulenwickeln leicht gemacht

Neosid Besonders die etwas filigran wirkenden Spulenexemplare, wie etwa die von Neosid gefertigten Filter, halten den einen oder anderen immer noch vom Selbstbau seiner Funkstation ab. Das muss nicht sein, denn es gibt einen einfachen Trick, um auch ohne große Maschinen sehr dünnen Kupferlackdraht mit nur 0,1 mm Durchmesser akkurat auf den Wickelkörper zu bekommen.
 
Vorbereitung des Drahts
 
Neosid Bei mir wurden alle Drahtenden vorher verzinnt. Auch beim 0,1-mm-Draht vertraute ich nicht auf die thermische Trägheit und ersparte mir so vielleicht unnötigen Ärger mit schlechten Lötstellen auf Grund noch vorhandener Lackschicht/Isolation. Zum Verzinnen selbst nutze ich die schon mehrmals beschriebene "Blob"-Methode. Bei ihr wird das zu verzinnende Drahtende vom Ende her in eine dickere Zinnperle auf der Spitze des erhitzen Lötkolbens gesteckt und unter wechselseitigem Hineinschieben und wieder Herausziehen rundherum sauber verzinnt. Sollte sich etwas verbrannte Lackschicht auf dem Draht abgesetzt haben, so ist sie spätestens nach dem ersten Durchziehen zwischen zwei Finger verschwunden.
 
Die Herstellung des Anfangs und des Endes jeder Wicklung ist auch sehr einfach. Dafür wird das verzinnte Drahtende einfach straff um den eckigen Spulenfuß gewickelt und so festgelegt.
 
Wie bekomme ich Windung an Windung?
 
Neosid Nachdem der Anfang festlegt wurde, beschwere ich das freie Drahtende mit einer Wäscheklammer. Es geht aber auch jeder andere, halbwegs schwere Gegenstand − nur der Draht darf nicht reißen. Den Spulenkörper hielt ich anfangs mit Daumen und Zeigefinger beider Hände waagerecht vor mich und ließ das beschwerte Drahtende frei herunter hängen. In der Zwischenzeit habe ich entdeckt, dass das Halten des Spulenkörpers mit einem Zahnstocher noch einfacher geht. Er passt in den Körper, wodurch sich dieser bequem mit zwei Fingern drehen lässt. Durch Drehen des Spulenkernes in dieser Lage ist es nun einfach möglich, die Windungen möglichst dicht nebeneinander aufzuwickeln.
 
Ich habe es auch probiert, den Spulenkörper nur mit einer Hand festzuhalten und den Draht mit der anderen um den Spulenkörper zu wickeln. Die Wicklungen wurden jedoch nicht so fest und die Windungen waren schwerer aufzubringen.
 
Neosid Durch den sanften Zug der Wäscheklammer entsteht eine feste Wicklung. Und vor allem können Sie direkt auf die Spule sehen und so Wickelfehler schnell erkennen. Sollte trotzdem einmal zwischen den Windungen eine Lücke entstanden sein, so kann sie mit einem Fingernagel durch das Zusammenschieben der Wicklung beseitigt werden. Das Ende wird dann wieder, wie schon oben kurz erläutert, straff um den Spulenanschluss gewickelt und festgelötet.
 
QRPeter, DL2FI, macht in das frei herunterhängende Drahtende eine kleine Schlaufe und hängt dort den ohnehin beim Basteln erforderlichen Seitenschneider ein. Der übt etwas mehr Zug auf den Draht aus als die doch recht leichte Wäscheklammer.
 
Wie realisiere ich eine Anzapfung?
 
Das Verdrillen und Verzinnen des dünnen Drahtes war mir zu mühselig. Außerdem müssten dann zwei Drähte um den Anschlussstift gewickelt werden. Daher nahm ich vom Verdrillen Abstand und verzinnte nur 5 mm des Drahtes an der richtigen Stelle (vorher probeweise mal zum Stift führen). Das verzinnte Stück wird wie gewohnt zwei- bis dreimal um den Stift gewickelt und ohne Abtrennen/Durchtrennen des Drahtes durch die Rille im Spulenkörper wieder zum Wickelraum geführt. Danach kann die zweite Wicklung aufgebracht werden.
 
Neosid Die Länge des umwickelten Anschlussstiftes unterscheidet sich dadurch nicht von der der Außenstifte und der Spulenkörper kann ohne zusätzlich entstandenen Abstand eingelötet werden. Und haben Sie keine Angst, das der nur mit drei Windungen um den Stift gewickelte Draht abrutscht. Die Anschlüsse sind extra aufgeraut, sodass Sie die Drähte erst am Ende festlöten müssen. Dafür ist sie vorsichtig mit den Anschlüssen nach oben in einen Schraubstock oder eine andere Klemmvorrichtung einzuspannen und die Anschlüsse mit den nun schon verzinnten Drahtenden darum kurz mit dem heißen Lötkolben und etwas Lötzinn daran anzutippen. Doch bitte nicht längere Zeit an den Anschlüssen "herumlöten". Ansonsten werden die Stifte so heiß, dass sie im Plastiksockel der Spule verrutschen oder gar herausfallen.
 
Theoretisch müsste man sich das Verzinnen der Drahtenden vor dem Festwickeln auf den Stiften auch sparen können. Der aufgebrachte Lack ist eigentlich so dünn, dass er fast sofort verbrennt und die Lötzeit damit nicht unwesentlich verlängern dürfte. Doch ich bin da vorsichtiger und verzinne die Enden vorher.

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