Jersey - Englische Sprache
und Französisches Flair

10. - 17. Juni 2017
 
Satellitenbild der Kanalinseln Jersey ist eine der Kanalinseln, einer Inselgruppe im südwestlichen Teil des Ärmelkanals nahe Frankreich. Geologisch gehören alle Kanalinseln zu einem Massiv, das mindestens 400 Millionen Jahre alt ist. Erst nach der letzten Eiszeit vor etwa 6000 Jahren wurden sie zu Inseln. Allen Inseln gemeinsam ist ihr vom Golfstrom beeinflusstes Klima. Die Kanalinseln sind als Kronbesitz des Vereinigten Königreichs. Das Bild rechts ist der Ausschnitt aus einem Satellitenbild der NASA/Goddard Space Flight Center (Quelle: Wikipedia).
 
Flagge von Jersey Die Kanalinseln sind in in die Vogteien (Bailiwicks) Jersey und Guernsey unterteilt. Zu Jersey gehören neben Jersey die unbewohnten Inseln und Felsengruppen Les Dirouilles, Ecréhous, Minquiers und Pierres de Lecq. Zu Guernsey gehören neben Guernsey noch Alderney, Sark, Herm, Brecqhou und Jethou sowie die unbewohnten Inseln und Felsengruppen Burhou, Lihou und Casquets. Auf allen Kanalinseln zusammen leben ungefähr 166000 Menschen, auf Jersey etwa 100000.
 
Impressionen
 
Ich besuchte 3 der Kanalinseln während einer von Rotel Tours organisierten Reise. Als Unterkunft diente das The Mayfair Hotel in Saint Helier. Saint Helier ist eine von 12 Gemeinden auf Jersey. Es ist mit rund 33000 Einwohnern die größte Stadt und Hauptstadt der Insel. Nach dem Flug am späten Nachmittag blieb am 1. Tag nur noch Zeit für einem kurzen Spaziergang durch Saint Helier.
 
La Pouquelaye de Faldouet Mont Orguell Castle Der gesamte 2. Tag war einer Rundfahrt auf der 120 km2 großen Insel vorbehalten. Zuerst fuhren wir zur südöstlichen Ecke der Insel, zum La Rocque Point. Nach einem kurzen Abstecher zu dem in der Nähe von Gorey liegenden La Pouquelaye de Faldouet, einer der 15 noch erhaltenen Megalith-Anlagen (Dolmen) auf der Insel, ging es nach Gorey selbst. Über diesem kleinen Ort thront Mont Orguell Castle.
La Hougue Bie Groznez Point Das Museum von La Hougue Bie umfasst eines der 10 ältesten Bauwerke der Welt. Es ist ein 22 m langes Ganggrab unter einem 14 m hohen Steinhügel, das sich an der Sonne orientiert und das vor etwa 6000 Jahren erbaut wurde. Bereits im Mittelalter errichtete man eine Kapelle auf dem Hügel. Das Grab wurde erst 1925 geöffnet.
Unsere Fahrt führte uns danach mit einem kurzen Stopp in Greve de Lecq an das nordöstliche Ende der Insel, zum Groznez Point. Dort sind noch die Ruinen von Groznoz Castle erhalten und leider auch eine der vielen im zweiten Weltkrieg gebauten Verteidigungsanlagen. Wie im Foto zu sehen ist, ist die Nordküste von Jersey eine Steilküste.
Corbière Point St. Brelade's Church und Fisherman's Chapel Am südwestlichen Ende der Insel steht am Corbière Point einer der vielen Leuchttürme auf einem hingegen recht niedrigen Hügel. Der Turm ist nur bei Ebbe zu Fuß erreichbar.
Nur ein paar Mönchsklöster haben die Reformation im 16. Jahrhundert überstanden. Eine der wenigen ist die Fishermen's Chapel, eine kleine Kapelle neben der St. Brelade's Church im gleichnamigen Ort an der Südküste. In der Kapelle sind noch einige alte Malereien erhalten.
St. Matthews Glass Church Auf der Rückfahrt besichtigten wir noch die St. Matthew's Glass Chuch. Glas findet bekanntlich in Form von farbigen Fenstern in nahezu jeder Kirche Verwendung. Doch in dem Ausmaß, wie es der französische Künstler René Lalique 1934 verwendete, habe ich es noch nicht gesehen. Die gesamte Ausstattung, vom Taufbecken bis zum Kreuz und den Heiligenabbildungen ist aus gegossenem, durchscheinendem weißen Glas hergestellt. Das wirkt modern, jedoch auch sehr kalt - jedenfalls für mich.
 
Parish Church Wesentlich besser gefiel mir die am 3. Tag während des Stadtrundgangs besichtigte Parish Chuch in Saint Helier. Die Hauptstadt selbst ist, wie viele große Städte, überlaufen. Doch wer preiswert einkaufen möchte, findet hier garantiert ein Geschäft mit den gesuchten Produkten. Wer sich zum Meer hin bewegt, dem fallen bestimmt die vielen Sitzbänke mit Namen und Zahlen darauf auf, die entlang des Strandes stehen. Sie sollen an die vor der Küste Jerseys gesunkenen Schiffe erinnern. Man findet Informationen zu den Schiffswracks auch auf dem Stadtplan, siehe weiter unten.
 
Little Chapel Die nächsten beiden Tage waren den Nachbarinseln vorbehalten. Am 4. Tag fuhren wir mit einem Katamaran von Saint Helier nach Saint Peter Port auf Guernsey. Etwa 62500 Einwohner leben auf dieser 63 km2 großen Insel. Neben einer Fahrt an der beeindruckenden Küstenlinie entlang kann ich jedem nur einen Rundgang durch Saint Peter Port empfehlen. Mit seinen gewundenen Straßen hat sich die Stadt, ehemals ein normannischer Hafenort, einen unwiderstehlichen Charme bewahrt. Touristenmagnet ist Little Chapel in Saint Andrew im Inselinneren. Es ist angeblich die kleinste, aber offiziell geweihte Kirche der Welt und außerdem mit bunten Mosaiken und Muscheln dekoriert. Es ist eigentlich die dritte an dieser Stelle. Die erste, 1914 erbaute wurde nach Kritiken durch andere Glaubensbrüder abgerissen. Durch die Tür der wenige Monate später erbauten zweiten Kirche passte der 1923 angereiste Bischof nicht hindurch. Daher wurde kurz danach auf einer Fläche von 4,9 m mal 2,7 m mit dem Bau der jetzt noch zu sehenden Version begonnen.
 
Blick von Little Sark nach Brecqhou Am 5. Tag nutzten wir eine etwas kleinere Fähre nach Sark. Da es keine Autos dort gibt, läuft das Leben der etwa 500 Bewohner sehr ruhig ab. Hauptverkehrsmittel ist entweder der Traktor oder das (gemietete) Fahrrad. Selbst der Krankenwagen wird von einem Traktor gezogen. Wir fuhren mit einem Pferdewagen, um in etwas mehr als einer Stunde die Attraktionen der nur etwa 5,5 km2 großen Insel zu besichtigen. Doch auch zu Fuß lässt sich die Insel gut erkunden. Während die Reisegruppe mit dem Fuhrwerk zu den Gärten des Seigneur of Sark (Kronvasall) fuhren, stieg ich mit einer kleinen Gruppe am Übergang zur Little Sark genannten Halbinsel aus. Dieser Inselteil ist auf dem Landweg nur über einen bis zu 100 m hohen Grat (La Coupée) erreichbar, der erst seit 1900 ein Geländer besitzt und 1945 von deutschen Kriegsgefangenen zu einer schmalen Straße ausgebaut wurde. Sich erfrischen und die Ruhe genießen kann man zum Beispiel in dem kleinen Teegarten dort. Das feine Restaurant nebenan erschien uns im Hinblick auf unsere Wanderkleidung nicht angemessen.
 
Bouley Bay Der 6. Tag stellte eine "Gartentour" dar, die bei Judith Quérée's Garden im Nordwesten der Insel begann. Die Besitzerin hat ihren etwas mehr als 1000 m2 umfassenden privaten und somit normalerweise nicht zugänglichen Garten mit etwa 2000 Pflanzen so bestückt, dass quasi kein Platz für Unkraut mehr bleibt.
Nach einem Stopp an der Bouley Bay im Norden (Kaffee und Kuchen gibt es in Mad Mary's Cafe direkt am Strand) ging es weiter zur St. Catherine's Bay im Osten der Insel. Die Eric Young Orchid Foundation weiter im Inselinneren beherbergt Orchideen aus der ganzen Welt. Diese einzigartige Orchideenausstellung hat schon mehrere Preise gewonnen. Wer möchte, kann auch (von außen) einen Blick in die Gewächshäuser werfen.
Samares Manor Den Abschluss der Tagestour bildete der Botanische Garten bei Samarès Manor. Thematisch oder geografisch geordnet ist dort nahezu jede Pflanze zu finden, die irgendwo in warmen Gebieten der Erde wächst. So finden sich Tulpenbäume und Erdbeerbäume ebenso wie Kakteen und Sukkulenten. In den Jahren nach 1920 legte der Reedereibesitzer Sir James Knott diesen von April bis Oktober zugänglichen Garten an.
 
Crabbe Hole Le Fosse Vicq Wer möchte, der kann die Insel auch zu Fuß umrunden. Relativ gut ausgeschilderte Wanderwege gibt es entlang der gesamten Küste, zumeist oberhalb der Klippen. Am 7. Tag unternahmen wir zumindest eine kleine Wanderung auf den Klippen an der Nordküste. Sie begann am Sorel Point und führte im Richtung Westen nach Greve de Lecq. Bitte planen Sie ausreichend Zeit ein. Zum einen führen die Wege küstennah und man muss somit jede noch so kleine Einbuchtung umgehen. Zum anderen sind die Ausblicke spektakulär. Beides zusammen, also Laufen und gleichzeitig die Aussicht genießen, führt bei den teils steinigen Wegen unweigerlich zum Straucheln. Außerdem erfordert der Abstieg zu einem interessanten Punkt, wie bei uns Devils's Hole, zusätzliche Zeit.
 
Elisabeth Castle Da der Abflug am 8. Tag erst abends erfolgte, blieb noch genügend Zeit, die Reiseeindrücke bei einem Spaziergang am Strand der Saint Aubin's Bay von Saint Helier zum namensgebenden Ort Revue passieren zu lassen. Auf meinem Plan für einen eventuellen nächsten Besuch von Jersey steht unter anderem das Elisabeth Castle. Es lässt sich bei Ebbe zu Fuß und bei Flut mit einem Amphibienfahrzeug erreichen. Doch Vorsicht bei Wanderungen während der Ebbe! Der Tidenhub kann auf Jersey bis zu 13 m betragen. Außerdem sollte man beachten, dass die Flut aufgrund des flachen Meeresbodens sehr schnell kommt.
 
Zur Orientierung auf Jersey reicht die bereits im Flughafengebäude ausgelegte Karte völlig. Auf der einen Seite ist der Stadtplan von Saint Helier und auf der anderen die Landkarte der gesamten Insel im Maßstab 1:25000 abgedruckt. Auf der Karte sind selbst alle Nebenstraßen verzeichnet und auch die Buslinien und Sehenswürdigkeiten angegeben. Für Guernsey und Sark sind ähnliche Karten auf den Fähren oder an den Ablegestellen verfügbar. Zur Erkundung von Jersey bieten sich sowohl Mietautos als auch das dichte Busnetz an. Zwar werden abgelegene Orte manchmal nur zweimal am Tag angefahren, doch die Touristenhochburgen sind im Stundentakt verbunden.
 
Die Straßennamen und Ortsbezeichnungen sind ein buntes Gewirr aus englischen und französischen Begriffen, sodass die korrekte Aussprache manchmal Rätsel aufgibt. Neben Englisch wird auf Jersey von älteren Menschen manchmal noch ein normannischer Dialekt (Jèrriais) gesprochen. Dieser Dialekt weicht jedoch so stark vom Standard-Französisch ab, dass ihn nur die einheimischen Inselbewohner selbst verstehen - und auch von ihnen nicht alle. Aus diesem Grund ist der Dialekt kein Pflichtfach an den Schulen mehr.
 
Amateurfunk
 
Da die Vogteien Jersey und Guernsey eigenständige politische Einheiten sind, existieren separate DXCC-Gebiete auf ihnen. Die Kanalinseln sind alle CEPT-Länder. Daher war es nicht erforderlich, sich auf kompliziertem Weg eine Gastlizenz zu besorgen. Die Mitführung der Lizenz des Heimatlands reicht, um als Funkamateur aktiv zu werden. Der Zeitplan während der Tagesausflüge auf die Inseln Guernsey und Sark (gehören beide zu GU, IOTA EU-014) bot keine Gelegenheit, die Station aufzubauen. Daher blieb nur die Zeit auf Jersey (GJ, IOTA EU-013), um meinem Hobby zu frönen.
 
Der Aufbau und Betrieb einer Funkstation an dem etwa 10 Minuten vom Hotel entfernten Strand wäre jederzeit möglich gewesen. Vorher fragte ich jedoch beim Hotelmanager nach, ob er den Aufbau einer Antenne genehmigen würde. Sein Kommentar: It's fine! Also errichtete ich auf der Sonnenterasse in der 2. Etage am Sichtschutz zur Straße eine Antenne und in meinem unmittelbar angrenzenden Zimmer die Station.
 
QSL-Karte MJ/DK3RED Als Transceiver hatte ich meinen Elecraft KX3 mit eingebautem Antennentuner dabei. Ein 13-m-Dipol nach Karl Hille, DL1VU, an einem 10 m hohen Teleskopmast diente als Antenne. Diesen Dipol spannte ich als Groundplane auf, genauer gesagt als Up & Outer. Ein Ast verlief senkrecht am Mast nach oben, der andere waagerecht auf der Oberkante des Holzzaunes. Die Zweidrahtleitung führte ich durch das angekippte Fenster. Der nicht ganz ausgezogene Mast ließ sich mit Gummibändern an einem der Zaunpfosten befestigen. Außerdem kamen zum Geben eine Palm Single und ein Tablet-PC zum Einsatz. Die Stromversorgung bildete ein LiFePo4-Akkumulator mit 4,5 Ah Kapazität.
 
Achtung: Bitte nicht den Reiseadapter vergessen! Die Hotelzimmer verfügen zwar über viele Steckdosen mit 230 V Wechselstrom, jedoch sind alle Dosen vom Typ G. Ansonsten bleibt zum Aufladen der Akkumulatoren nur die Rasiersteckerbuchse im Bad.
 
So ausgerüstet konnte ich als MJ/DK3RED vom Hotel auf Jersey an 2 Tagen (überwiegend abends) innerhalb weniger Stunden auf 4 Bändern (40, 30, 20 und 10 m) insgesamt 38 QSOs mit europäischen Stationen in 15 DXCC-Gebieten (DL, EI, EU, F, G, I, LA, OK, ON, OZ, PA, RAeu, S5, SP, YL) in 3 Zonen (CQ 14, 15, 16) erreichen. Erfreulicherweise kamen viele Verbindungen während einer Sporadic-E-Phase (ES) auf 10 m ins Logbuch.
 
Schon bei meiner Rückkehr von Jersey lagen eine direkte QSL-Karte im Briefkasten und die Anfrage eines SWLs im E-Mail-Postfach. Alle QSL-Karten wurden am 23. Juni 2017 über das Büro verschickt, direkte Anfragen schon 2 Tage vorher. Ich danke allen, die meine leisen Signale aufnehmen konnten und beantwortet haben.

Impressum