Nordlichter und Amateurfunk

20. - 25. März 2017
 
Obwohl ich schon 2006 und 2010 in Island unterwegs war, reizte mich dieses Land immer noch. Daher fuhr ich ein drittes Mal dorthin. Diesmal war ich jedoch zum Beginn des Früh­jahrs dort, wenn man diese Jahreszeit dort überhaupt Frühjahr nennen darf. Es ging in die­ser knap­pen Wo­che nicht um Vo­gel­be­ob­ach­tung oder das Be­wun­dern von Land­schaf­ten. Ei­ni­ge Vö­gel und teils spek­ta­ku­lä­re Land­schaft gab es trotz­dem zu se­hen. Es ging bei der Rei­se in ei­ner Grup­pe von 29 an­de­ren Nicht­fun­kern vor­nehm­lich um Nord­lich­ter, die Au­ro­ra bo­rea­lis.
 
Das gan­ze or­ga­ni­sa­to­ri­sche Drum­herum, um erst ein­mal nach Is­land zu kom­men, über­nahm der deut­sche Rei­se­ver­an­stal­ter Ro­tel Tours. Mit ih­nen hat­te ich schon vor­her gu­te Er­fah­run­gen ge­macht. Sie hat­ten sich wie­de­rum das is­län­di­sche Rei­se­un­ter­neh­men Guð­mun­dur Jónas­son Tra­vel ins Boot ge­holt. Un­ter­ge­bracht wa­ren wir in Reyk­ja­vik im Hó­tel Ca­bin und in Hveragerði im Hótel Eld­he­star. Bei­de Or­te lie­gen im Süd­we­sten der In­sel.
 
Am Tag un­se­rer An­rei­se gab Hag­sto­fa Ís­lands (Sta­tistics Ice­land) be­kannt, dass am 1. Ja­nu­ar 2017 ge­nau 338349 Ein­woh­ner in Is­land leb­ten. In der Haupt­stadt Reyk­ja­vik lebt mehr als je­der Drit­te von ih­nen, im Groß­raum von Reyk­ja­vik fast 2 von drei. Der Rest der 103000 km2 gro­ßen In­sel ist dem­zu­fol­ge nicht sehr dicht be­wohnt.
 
Impressionen
 
Hallgrims-Kirche Die er­sten bei­den Ta­ge wa­ren Reyk­ja­vik vor­be­hal­ten. Nach­dem wir am spä­ten Nach­mit­tag des er­sten Ta­ges auf Is­land an­ka­men, sah ich mir noch et­was die Stadt an. Parlamentsgebäude In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­de viel ge­baut. Un­ser Ho­tel be­fand sich eher am Stadt­rand.
 
Der Vor­mit­tag des zwei­ten Ta­ges war der Stadt selbst vor­be­hal­ten. In ei­ner Stadt­rund­fahrt und ei­nem Stadt­rund­gang er­kun­de­ten wir ei­nen Teil der Se­hens­wür­dig­kei­ten. Selbst­ver­ständ­lich stan­den die Hall­grims-Kir­che (Hall­gríms­kirk­ja) und das Stadt­zen­trum mit dem Par­la­ments­ge­bäu­de (Alþings­húsið) auf dem Pro­gramm. Be­son­ders ein Blick von den Heiß­was­ser­spei­chern der Per­le (Per­lan) auf dem 61 m ho­hen Hü­gel Öskjulið soll­te man nicht ver­säu­men. Dort oben gibt es ei­ne Aus­sichts­platt­form und un­ter der Glas­kup­pel ein Cafe.
Panorama - Blick von der Perle auf Reykjavik
Der Vor­mit­tag des drit­ten Ta­ges war ei­nem Be­such in der Blau­en La­gu­ne (Bláa Lónið) ge­wid­met. Die­se dürf­te die be­kann­te­ste Ba­de­stel­le Is­lands sein. Sie liegt ei­ni­ge Ki­lo­me­ter nörd­lich von Grin­da­vík - al­so von Reyk­ja­vik auf dem hal­ben Weg zum Flug­ha­fen in Kef­la­vík zu­rück.
 
An­ge­fan­gen hat al­les 1978. Da­mals ver­sorg­te das hier im­mer noch an­säs­si­ge geo­ther­mi­sche Kraft­werk den Flug­ha­fen und die um­lie­gen­den Ort­schaf­ten mit Heiß­was­ser und Strom. Das aus rund 2000 m Tie­fe ge­för­der­te Salz­was­ser nimmt man zum Er­hit­zen von Süß­was­ser. Das ab­ge­kühl­te Salz­was­ser wird an­schlie­ßend in ein be­nach­bar­tes Auf­fang­be­cken ge­lei­tet. Ganz am An­fang wu­schen sich nur die Ar­bei­ter des Kraft­werks da­rin, be­vor sie nach Hau­se fuh­ren. Ei­nem von ih­nen fiel auf, dass sich sei­ne Haut­krank­hei­ten durch das mil­chi­ge Was­ser lin­der­ten. Sein Arzt riet ihm, da­mit nicht auf­zu­hö­ren.
 
So ent­stand aus dem Ab­was­ser­be­cken des Kraft­werks schritt­wei­se die Blaue La­gu­ne. An­fangs war der Ein­tritt frei. Spä­ter wur­den Um­klei­de­ka­bi­nen ge­baut und ein ge­rin­ges Ent­gelt ver­langt. Das Ein­tritts­geld er­höh­te sich, je mehr ge­baut wur­de. Heu­te sind es min­de­stens 5400 ISK, der­zeit et­wa 46 €. In­zwi­schen wird die Blaue La­gu­ne von ge­nau dem Arzt als Tou­ri­sten­at­trak­tion ver­mark­tet, der da­mals dem Ar­bei­ter riet, da­rin zu ba­den. Der Arzt ist mitt­ler­wei­le Mil­lio­när und es strö­men jähr­lich über 200000 Ba­de­gä­ste in die Blaue La­gu­ne. Zu­sätz­lich wur­de in der Nach­bar­schaft ei­ne Kur­kli­nik er­rich­tet, ein Lu­xus­ho­tel soll fol­gen (des­halb die Krä­ne).
 
Auf dem Weg zur Blau­en La­gu­ne kann man sehr gut se­hen, wie es ein­mal an­ge­fan­gen hat. Denn noch heu­te wird das Ab­was­ser ins La­va­feld ge­lei­tet, wo es mil­chig bläu­li­che Se­en bil­det. Bei un­se­rem Aufent­halt wa­ren die um­lie­gen­den Hü­gel weiß ver­schneit, was noch ein­mal ei­nen be­son­de­ren Reiz aus­mach­te, wenn man im 37 bis 40 °C war­men Was­ser liegt.
Panorama - Blick von der Straße auf das Geothermalkraftwerk links und die Blaue Lagune rechts
Allmännerschlucht Gullfoss Am vier­ten Tag fuh­ren wir auf den so­ge­nann­ten "Gol­den Ring" (Gull­ni hrin­gu­rinn), ei­ne Rou­te, die wahr­schein­lich je­der Tou­rist ab­sol­viert. Lei­der spiel­te das Wet­ter nicht mit, doch so konn­ten wir auch ei­nen ty­pi­schen is­län­di­schen Früh­lings­tag mit Schnee­re­gen und star­kem Wind bei 0 °C er­le­ben. Be­reits um 930 wur­den in der Ebe­ne der Volks­ver­samm­lung (Þingvellir) die tra­di­tio­nel­le Ver­samm­lung Alþing ab­ge­hal­ten. Die noch heu­te am Ran­de des Par­la­ments­plat­zes und an meh­re­ren Stel­len der All­män­ner­schlucht (Al­man­nagjá) vor­han­de­nen Stein­mau­ern wa­ren je­doch vom Schnee über­deckt. Die sich pa­ral­lel an die Schlucht an­schlie­ßen­de 15 km brei­te Sen­ke ist ei­ne der Schnitt­stel­len zwi­schen der nord­ame­ri­ka­ni­schen und der eu­ra­si­schen Kon­ti­nen­tal­plat­te. Ei­ne wei­te­re Riss­stel­le be­fin­det sich et­wa 150 km öst­lich.
Am nörd­lich­sten Punkt des Gol­de­nen Rings liegt der Gol­de­ne Was­ser­fall (Gull­foss). Er soll bei be­stimm­ten Licht­si­tua­tio­nen gol­den leuch­ten. Bei un­se­rer An­kunft war er zum Teil noch ver­eist - von Gold kei­ne Spur. In meh­re­ren Stu­fen stürzt das Was­ser des Flus­ses Hvítá in die 70 m tie­fe Schlucht.
 
Großer Geysir Butterfass Und spä­te­stens im Hau­ka­da­lur, Is­lands be­kann­te­stem Geo­ther­mal­ge­biet, be­kommt je­der, der es will, ei­nen Gey­sir zu se­hen. Ur­sprüng­lich wur­de nur der Gro­ße Gey­sir (Stóri-Gey­sir) als Gey­sir be­zeich­net. Doch mitt­ler­wei­le hat sich die­ser Na­me in der gan­zen Welt für Spring­quel­len durch­ge­setzt. Nicht je­doch in Is­land. Da hei­ßen sie wei­ter­hin Gosh­ver und tra­gen je­weils ei­nen ei­ge­nen Na­men. Der Gro­ße Gey­sir ruht schon seit vie­len Jah­ren. Ihn kann nur die näch­ste vul­ka­ni­sche Ak­ti­vi­tät in die­ser Ge­gend wie­der we­cken. Doch sei­en Sie nicht trau­rig. Der Strok­kur (But­ter­fass) ne­ben­an schafft es zwar nur auf 10 m, doch die si­cher al­le 5 bis 10 Mi­nu­ten. Sei­ne Erup­tio­nen kün­di­gen sich mit ei­ner Was­ser­glo­cke an. Wenn Sie sie se­hen, dann drü­cken Sie auf den Aus­lö­ser Ih­res Fo­to­ap­pa­rats. Wenn Sie sie ver­passt ha­ben, war­ten Sie ein­fach kurz.
 
Sandstrand bei Reynisdrangar Am fünf­ten Tag bes­ser­te sich das Wet­ter. Son­nen­schein gab es zwar nicht, doch Re­gen und Schnee­re­gen blie­ben wäh­rend der Fahrt an der Süd­küste aus. Vik bil­de­te den öst­lich­sten Punkt un­se­rer Rei­se. Basaltsäulen Der klei­ne Ort ist be­rühmt für sei­ne Woll­fa­brik. Wer so et­was als Sou­ve­nir mit­neh­men möch­te, soll­te es dort kau­fen. Die Aus­wahl ist schier un­er­mess­lich.
 
Vik ver­fügt über ei­nen be­rühm­ten schwar­zen La­va­strand. Hin­ter dem Vo­gel­fel­sen von Vik be­fin­det sich noch ein wei­te­rer - der Sand­strand bei Rey­nis­dran­gar. In der Fels­wand be­fin­det sich au­ßer­dem ei­ne Fel­sen­grot­te (nein, nicht die mit dem Loch am an­de­ren En­de des Strands), an der man sehr gut die Ba­salt­na­deln se­hen kann. Doch wer hier ein Sel­fie mit dem Meer im Rü­cken macht, soll­te auf­pas­sen. Wie am Strand von Vik ist das Meer hier oft wild und auf­ge­wühlt. In re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den rollt ei­ne der Wel­len we­sent­lich wei­ter auf den Strand als es die Spu­ren ver­mu­ten las­sen. So trägt die­ser Strand bei den Is­län­dern nicht um­sonst den ma­ka­be­ren Bei­na­men "Take Away".
 
Torfhof in Skógar mit dem Eyjafjöll im Hintergrund Skó­gar bil­de­te ei­nen wei­te­ren Hal­te­punkt. Zum ei­nen be­fin­det sich dort das Frei­licht- und Hei­mat­mu­seum (Skó­ga­safn), zum an­de­ren ein Was­ser­fall. Skógarfoss mit mir im Vordergrund Ich bin kein lei­den­schaft­li­cher Be­su­cher von Mu­se­en. Doch der in den ver­gan­ge­nen 60 Jah­ren im Stil der Zeit ein­ge­rich­te­te Torf­hof und an­de­re Ge­bäu­de, meist aus dem 19. Jahr­hun­dert, ei­ne Kir­che und ei­ne klei­ne Schu­le sind ei­nen Stopp wirk­lich wert. Im Haupt­ge­bü­de be­fin­det sich auch ein Ver­kehrs­mu­seum. In ei­nem grö­ße­ren Mu­se­ums­ge­bäu­de sind un­zäh­li­ge Ge­brauchs­ge­gen­stän­den und Kunst­hand­werk­li­ches aus­ge­stellt. Auch ein Exem­plar der 1584 auf Is­län­disch ge­druck­ten Bi­bel (Guð­brands­biblía) be­fin­det sich dort. Se­hens­wert ist auch der be­se­gel­te Acht­ru­de­rer, der in frü­he­ren Zei­ten zum Fisch­fang dien­te.
 
An den 60 m ho­hen Was­ser­fall von Skó­gar (Skó­gar­foss) soll­te man auf kei­nen Fall vor­bei fah­ren, auch wenn er von vie­len Men­schen be­sucht wird. Im Som­mer macht es so­gar Spaß, bis na­he an die Gischt zu ge­hen - im Früh­jahr eher ein kal­tes Ver­gnü­gen. Be­ein­dru­ckend ist das her­ab­stür­zen­de Was­ser al­le­mal.
 
Der Aus­bruch des Vul­kans un­ter dem Eyja­fjalla­jökull vom 14. April bis 9. Ju­li 2010 ist be­son­ders im süd­li­chen Teil Is­lands noch im­mer all­ge­gen­wär­tig. Die her­aus­ge­schleu­der­te und her­ab­flie­ßen­de La­va an dem in un­mit­tel­ba­rer Nä­he lie­gen­den Fimm­vörðuháls kurz da­vor (20. März bis 12. April 2010) war spek­ta­ku­lär. Doch die Erup­tio­nen des Eyja­fjalla­jökull, die folg­ten, wa­ren da­ge­gen ein Nichts. Der Aus­bruch des Vul­kans hat­te nicht nur Fol­gen auf Is­land. Die Asche­wol­ke zog zu­erst Rich­tung Sü­den und dann über wei­te Tei­le Eu­ro­pas hin­weg. Da­durch wur­de ta­ge­lang der Flug­ver­kehr lahm­ge­legt.
 
Seljavellir am 25. Juli 2010, der Eyjafjallajökull verbirgt sich in den Wolken Am 25. Juli 2010 (2 Wo­chen nach dem En­de des Aus­bruchs) sah ich mich wäh­rend mei­ner zwei­ten, schon vor dem Aus­bruch ge­plan­ten Rei­se un­ter an­de­rem in Sel­ja­vellir um. Das ist ei­nes der Tä­ler, in dem sich die Asche­wol­ke des hier nur 4 km ent­fern­ten Vul­kans ab­la­ger­te. Dort be­fand sich bis zum Aus­bruch ei­ne klei­ne Farm und wei­ter hin­ten im Tal ein war­mes Frei­bad, das Sel­ja­valla­laug. Als ich dort war, war von der Farm je­doch nichts mehr zu se­hen. Die Häu­ser wa­ren leer und ei­ne sehr di­cke Asche­schicht lag auf dem Bo­den des ge­sam­ten Tal. Gro­ße Bag­ger be­müh­ten sich, die Flüs­se, die Un­men­gen Asche in Rich­tung Meer schwemm­ten, frei­zu­be­kom­men, da­mit sie nicht noch mehr über die Ufer tre­ten. Mitt­ler­wei­le soll das Bad Sel­ja­valla­laug wie­der of­fen sein.
 
Eyjafjallajökull kurz nach dem Ausbruch im April 2010 © www.icelanderupts.is Die Fa­mi­lie im Tal Þor­vald­seyri di­rekt da­ne­ben hat­te et­was mehr Glück. Doch sie muss­te hart um den Fort­be­stand ih­res Land­wirt­schafts­be­triebs kämp­fen. 250 Me­ter wei­ter Rich­tung Reyk­ja­vik liegt auf der lin­ken Sei­te di­rekt an der Ring­stra­ße 1 das klei­ne Eyja­fjalla­jökull Eld­gos ge­nann­te Be­su­cher­zen­trum. Es wurde ge­nau ein Jahr nach Be­ginn des Aus­bruch er­öff­net und do­ku­men­tiert an­schau­lich die Macht des jetzt wie­der schla­fen­den Vul­kans. Sehr se­hens­wert ist be­son­ders der 20-minüti­ge Film über die Far­mers­fa­mi­lie im Þor­vald­seyri. Der Film ist viel mehr als nur ein Fa­mi­lien­film. Er zeigt sehr an­schau­lich die Wucht des Aus­bruchs und die Aus­wir­kun­gen auf das Land, die Tie­re und Men­schen. Sehr se­hens­wert!
 
Seljalandsfoss 10 km wei­ter scheint die Welt wie­der völ­lig un­be­rührt vom Aus­bruch zu sein. Und noch ein Stück wei­ter Rich­tung Reyk­ja­vik liegt der schon von wei­tem sicht­ba­ren Sel­ja­lands­foss (32 m hoch). Ihn kann man hin­ter­ge­hen, was man bei Wind je­doch nicht ma­chen soll­te, um nicht völ­lig nass zu wer­den.
 
Nordlichter
 
Die Son­ne sen­det kon­ti­nu­ier­lich elek­trisch ge­la­de­ne Teil­chen mit ei­ner Ge­schwin­dig­keit von mehr als 300 km/s aus, der auch als Son­nen­wind be­zeich­net wird. Der stärk­ste Son­nen­wind ist wäh­rend der fle­cken­rei­chen Pha­sen der Son­nen­zy­klen zu ver­zeich­nen. Der­zeit sind die Ak­ti­vi­tä­ten eher schwach. Nach 2 bis 4 Ta­gen tref­fen die Son­nen­wind­teil­chen auf die ir­di­sche Mag­ne­to­sphä­re - das sicht­ba­re Licht be­nö­tigt nur 8 Mi­nu­ten. Den größ­ten Teil des Son­nen­winds lenkt die Mag­ne­to­sphäre ab. An­son­sten wür­de es das Le­ben auf der Er­de in der jet­zi­gen Form nicht ge­ben. Die Plas­ma­teil­chen kön­nen nur an den mag­ne­ti­schen Po­len in die At­mo­sphä­re her­un­ter­strö­men.
 
Po­lar­lich­ter tre­ten in ver­schie­de­nen Far­ben auf, je nach­dem, auf wel­che Mo­le­kü­le sie in der Luft tref­fen und wie hoch ih­re Ener­gie ist. Trifft der Son­nen­wind in et­wa 100 km Hö­he auf Sau­er­stoff­ato­me, sind die Po­lar­lich­ter grün. Sau­er­stoff in 300 km Hö­he lässt ro­te Po­lar­lich­ter ent­ste­hen. Sind Stick­stoff­ato­me be­tei­ligt, leuch­ten die Po­lar­lich­ter vio­lett bis blau. Doch es gibt auch Misch­far­ben. Die Po­lar­lich­ter bil­den sich über ei­nem ova­lem Ring von ei­ni­gen Grad Brei­te rund um den geo­mag­ne­ti­schen Pol.
 
Der Son­nen­wind pro­du­ziert nicht nur schö­ne Po­lar­lich­ter. Er kann auch Stö­run­gen in elek­tri­schen An­la­gen hier auf der Er­de und in den vie­len Sa­tel­li­ten ver­ur­sa­chen. Da­her über­wacht un­ter an­de­rem der Ad­vanced Com­po­si­tion Ex­plo­rer (ACE) der NASA die von der Son­ne aus­ge­sto­ße­nen Teil­chen. Dank die­ses Sa­tel­li­ten lässt sich schon 24 bis 36 Stun­den vor­her er­mit­teln, wie stark der die Er­de tref­fen­de Son­nen­wind sein wird.
 
NOAA Aurora Forecast Un­se­re bei­den Über­nach­tungs­or­te la­gen in­ner­halb des für Au­ro­ra vor­her­ge­sag­ten Strei­fens rund um den geo­mag­ne­ti­schen Nord­pol. Ei­ne Vor­her­sa­ge in Form ei­nes klei­nen Vi­deos ist auf der Web­sei­te des zum NOAA ge­hö­ren­den Space Wea­ther Pre­dic­tion Cen­ter ver­füg­bar. Dort wird auch an­ge­ge­ben, wann ein geo­mag­ne­ti­scher Sturm zu er­war­ten ist. Am 22. und 23. März 2017 soll­te dem­nach ein klei­ner Sturm (G1 Mi­nor) ein­tref­fen. Doch Nord­lich­ter kön­nen ei­gent­lich im­mer auf­tre­ten. Es muss nur dun­kel sein, um sie se­hen zu kön­nen.
 
Uns mach­te je­doch die Be­wöl­kung ei­nen Strich durch die Rech­nung. Zwar schien tags­über manch­mal die Son­ne, doch abends zo­gen stets Wol­ken auf. Le­dig­lich am 22. März soll­te es auch abends teil­wei­se wol­ken­frei sein. Da­her fuh­ren wir mit dem Bus weit au­ßer­halb von Reyk­ja­vik, um so dem Licht der Stadt zu ent­ge­hen. Zu se­hen war wäh­rend ei­ner kur­zen Zeit nur ein schwa­ches wei­ßes Nord­licht, das je­doch fast den ge­sam­ten Him­mel über uns ein­nahm. Ein Mit­rei­sen­der prä­sen­tier­te uns am näch­sten Tag ein mit sehr lan­ger Be­lich­tung auf­ge­nom­me­nes grü­nes Nord­licht, das je­doch in die­ser Form nicht für uns sicht­bar war. Doch die mit dem blo­ßen Au­ge wahr­nehm­ba­ren Be­we­gun­gen des Nord­lichts wa­ren auch oh­ne Far­be be­ein­dru­ckend. Da wer­de ich wohl noch ein­mal in ei­ne Ge­gend fah­ren müs­sen, in der Po­lar­lich­ter sicht­bar sind.
 
Amateurfunk
 
Is­land ist CEPT-Land. Da­her war es nicht er­for­der­lich, sich auf kom­pli­zier­tem Weg ei­ne Gast­li­zenz zu be­sor­gen. Die Mit­füh­rung der Li­zenz des Hei­mat­lands reich­te, um als TF/DK3RED/P ak­tiv zu wer­den. Als Tran­scei­ver hat­te ich ei­nen ganz neu er­wor­be­nen Ele­craft KX3 mit ein­ge­bau­tem An­ten­nen­tu­ner da­bei. Ein 13-m-Di­pol nach Karl Hil­le, DL1VU, an ei­nem 10 m ho­hen Te­le­skop­mast dien­te als An­ten­ne. Au­ßer­dem ka­men zum Ge­ben ei­ne Palm Single und ein Tab­let-PC zum Ein­satz. Die Strom­ver­sor­gung bil­de­te ein LiFePo4-Akku­mu­la­tor mit 4,5 Ah Ka­pa­zi­tät.
 
Free Azimuthal Maps Die La­ge Is­lands zeigt die Beam-Kar­te rechts. Ich ha­be sie auf der Web­sei­te von Tom Ep­per­ly, NS6T, mit Free Azi­mu­thal Maps ent­wor­fen. Sie zeigt in die­sem Fall die Um­ge­bung von Is­land in bis zu 5000 km Ent­fer­nung. Nach der Ein­ga­be des ei­ge­nen Stand­orts und der ge­wünsch­ten Grö­ße wird ei­ne PDF-Da­tei er­stellt.
 
Schon auf dem Weg von mei­nem Hei­mat­ort zum Flug­ha­fen fiel mir ein, dass ich den Adap­ter BNC-Ste­cker auf Pol­klem­men ver­ges­sen hat­te. Die rest­li­chen Ka­bel hat­te ich ein­ge­packt. Die Zwei­draht­lei­tung ha­be ich mit Ba­na­nen­ste­ckern ver­se­hen, die An­ten­nen­buch­se am Transcei­ver ist je­doch ei­ne BNC-Buch­se. Zwar sah ich mich in Frank­furt (Main) noch bei ei­nem großen Elek­tro­ge­rä­te­händ­ler um, fand dort aber nichts mit ei­nem BNC-Ste­cker. Doch ich hat­te schon ei­ne Idee. In Reyk­ja­vik kauf­te ich ein paar Büro­klam­mern aus Kup­fer und Gum­mi­rin­ge. Ei­ne Bü­ro­klam­mer klemm­te ich un­ter die Er­dungs­klem­me des Trans­cei­vers, die an­de­re steck­te ich in die BNC-Buch­se. Ein am Fuß des Trans­cei­vers be­festig­ter Gum­mi­ring hielt den Draht in der Buch­se fest. An den an­de­ren En­den der Büro­klam­mern ließen sich die Ba­na­nen­ste­cker be­fe­sti­gen. Klar war die Im­pe­danz die­ser Kon­struk­tion ga­ran­tiert ab­seits von 50 Ω, doch der in­ter­ne An­ten­nen­tu­ner glich die Stör­stel­le aus.
 
QSL-Karte TF/DK3RED/P In Reyk­ja­vik war an ei­ne Ak­ti­vie­rung der Sta­tion nicht zu den­ken. Tem­pe­ra­tu­ren an den Aben­den zwi­schen -2 und +3 °C so­wie star­ker Wind ver­hin­der­ten den Por­ta­bel­be­trieb im Frei­en. Und das Zim­mer im Ho­tel ließ kei­nen An­ten­nen­auf­bau zu, da es ei­ne In­nen­ka­bi­ne war, die kein Fen­ster besaß. In Hve­ra­gerði wohn­ten wir je­doch auf ei­nem Pfer­de­hof. Da­her bau­te ich schnell nach un­se­rer An­kunft die An­ten­ne auf dem Ra­sen vor dem Ho­tel auf und leg­te die Spei­se­lei­tung durchs Fen­ster ins Zim­mer. Am er­sten Abend ge­lan­gen nach dem Abend­es­sen nur ein paar QSOs. Am näch­sten Tag woll­te ich noch vor dem Frühstück ein paar Ver­bin­dun­gen ins Log­buch be­kom­men. Doch der Sturm in der Nacht hat­te mir ei­nen Strich durch die Rech­nung ge­macht. Die Tele­skop­an­ten­ne war zu­sam­men­ge­rutscht. Ich woll­te bei dem noch im­mer star­ken Wind und Schnee­re­gen die An­ten­ne je­doch nicht im Schlaf­an­zug wie­der auf­bau­en. Der er­neu­te Auf­bau muss­te bis zum Nach­mit­tag war­ten. Da­nach ge­lan­gen vor und nach dem Abend­es­sen mehr QSOs.
 
In ins­ge­samt knapp 3 Stun­den er­reich­te ich mit 5 W Sen­de­lei­stung 18 CW-Ver­bin­dun­gen auf 30 m. Die mei­sten Ver­bin­dun­gen wa­ren über 2000 bis 4500 km zu Sta­tio­nen in ganz Eu­ro­pa, in ei­ner er­reich­te ich über 4700 km auch Ohio. Ei­ni­ge Sta­tio­nen in Ka­na­da (VE3) wa­ren zu hö­ren, doch voll­stän­di­ge QSOs ka­men nicht zu Stan­de.
 
Ich dan­ke al­len, die mei­ne lei­sen Sig­na­le auf­neh­men konn­ten und be­ant­wor­tet ha­ben. QSL-Kar­ten sind in Vor­be­rei­tung und wer­den über das QSL-Büro ver­schickt. Da ich kei­ne far­bi­gen Nord­lich­ter sah, muss ich wohl noch ein­mal nach Is­land fah­ren. Ei­ne Funk­sta­tion wird sich ga­ran­tiert auch dann wie­der im Ge­päck be­fin­den. Even­tu­ell bie­tet sich dann ei­ne Ge­le­gen­heit für all je­ne, die mich nicht er­rei­chen konn­ten.

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