Auf die Plätze (Berge), fertig, los!

2. bis 3. Oktober 2016
 
SOTA-Logo Als Funkamateur, der nur mit geringer Sendeleistung "on air" ist, bin ich öfters auch außerhalb des Shacks anzutreffen. Doch auch am SOTA-Programm teilzunehmen, traute ich mich bisher nicht − zu kompliziert, dachte ich. Das änderte sich jedoch nach der Lektüre eines gut gemachten Artikels in der Zeitschrift Funkamateur. Im Heft 4/2016 machte Thomas Gräve, DL8DBW, unter dem Titel "Amateurfunk von Berggipfeln: SOTA − eine Einführung" Mut, es auch einmal zu probieren.
 
Ich wohne im Flachland. Da gibt es weder Berge, die 150 m Schartenhöhe besitzen, noch solche, die überhaupt 150 m hoch sind. Daher bot sich die erste Gelegenheit im Anschluss an den Besuch des QRP-Treffens in Schluchsee im Schwarzwald. Mit im Gepäck hatte ich meinen Elecraft K1 mit 5 W Sendeleistung, einen Teleskopmast, Draht, Morsetaste und einen Akkumulator. Außerdem hatte ich noch einen Tablet-PC mit, der aber in der Unterkunft blieb. Er diente nur für die Ankündigung einer Aktivierung und das Eintragen der QSO-Daten.
 
Die Gipfel, die für das SOTA-Programm zählen, sind auf SOTA Pfeil Summit Listings nach den Associationen geordnet aufgeführt. Weltweit gibt es derzeit 109 Associationen − Tendenz steigend. Jede Association kann sich wiederum in Regionen unterteilen. So gibt es innerhalb der Association DM − Germany (Low Mountains) nochmals 11 Regionen. Baden-Württemberg (BW) als eine von ihnen kann mit 80 Gipfeln aufwarten.
 
Vorbereitung
 
Karte mit SOTA-Gipfel um Schluchsee Auf SOTAmaps Pfeil Range lässt sich ermitteln, welche Gipfel im Umkreis um einen Ort liegen. Bei Auswahl von "20 km" Radius um "Schluchsee" in "Germany" sind es 8 Gipfel, die alle jeweils 10 Punkte zählen.
 
Liste der SOTA-Gipfel um Schluchsee Die Gipfel werden auf einer Karte markiert und daneben aufgelistet. Ich hatte schon zu Hause die beiden der Gemeinde Schluchsee am nächsten liegenden Gipfel ins Auge gefasst. Der Wagnersberg liegt in 3 km Entfernung oberhalb von Seebrugg am südöstlichen Ende des Sees. Die Schnepfhalde liegt auf der Schluchsee gegenüberliegenden Seeseite am nordwestlichen Ende. Eventuell ließen sich diese Gipfel sogar an einem Tag erreichen, da sie beide auf derselben Seeseite und nur etwa 9 km Luftlinie voneinander entfernt liegen.
 
Wanderkarte Schluchsee Für die Vorbereitung der Aktivierung reichte mir die auf der oben genannten Webseite SOTAmaps verfügbare elektronische Landkarte. Doch für die Wanderungen selbst kaufte ich mir im "Supermarkt" von Schluchsee eine Wanderkarte. Ich nutzte die auch im Online-Shop der Hochschwarzwald Tourismus GmbH erhältliche Wanderkarte Schluchsee für 4,50 €. Sie gibt ein 23,6 km x 16,8 km großes Gebiet rund um den Schluchsee detailliert im Maßstab 1:25000 wieder. Der Vorteil einer solchen Papierkarte gegenüber einem Navigationsgerät ist, dass sie auch ohne Strom/Nachladen und ohne GPS-Anbindung funktioniert. Außerdem wiegt sie weniger als jedes elektronische Gerät. Das ist besonders wichtig, weil man ja alles den Berg hinauf tragen muss.
 
Auf SOTAwatch werden die letzten Spots und angekündigte Aktivitäten aufgeführt. Um dort eigene Aktivitäten ankündigen zu können, ist jedoch eine Registrierung erforderlich. An den Abenden kündigte ich meine Aktivitäten für den nächsten Tag an. Das macht jedoch nicht jeder, wie ich am nächsten Tag erfuhr.
 
Wagnersberg
 
Blick auf den Wagnersberg Die Aktivierung des Wagnersberg (SOTA DM/BW-849, 1105 m, 10 Punkte) am ersten Tag hatte ich für 1000 UTC angekündigt. Der anvisierte Zug in das nur eine Bahnstation entfernte Seebrugg fiel aus. Daher fuhr ich etwas verspätet mit dem Bus nach Seebrugg (935 m). Der Aufstieg verlief mit Hilfe der Karte problemlos. Der Wanderweg führt jedoch nicht direkt über den Gipfel. Daher sind die letzten 200 m leicht bergauf durch den naturbelassenen Wald zu bewältigen. Obwohl der Gipfel selbst bewaldet und recht flach (nicht spitz) ist, lässt er sich einfach finden − man muss nur immer bergauf laufen.
 
Ich staunte nicht schlecht, als ich auf dem Gipfel des Wagnersberg einen anderen Funkamateur entdeckte. Zuerst sah ich nur den großen Teleskopmast, dann seine über einem Ast hängende Jacke und am Ende ihn selbst. Es war Heribert Schulte, DK2JK, der am Tag vorher beim QRP-Treffen in Schluchsee auch einen Vortrag gehalten hatte. Ich wollte schon auf den nächsten Gipfel wandern, doch er sagte, dass er ohnehin abbauen und absteigen wollte. Daher tauschten wir kurz unsere Erfahrungen mit Portabelstationen und Antennen aus, während er seine Station abbaute. Er sah mir noch zu, wie ich meine Antenne (Dipol als V gespannt) in den Bäumen installierte, bevor er den Abstieg begann.
 
Der Gipfel des Wagnersbergs ist durch einen relativ kleinen Granitstein markiert, in dessen Nähe sich ein etwa 1 m hoher halb zugewachsener Steinhaufen befindet. Doch man darf laut SOTA-Regeln bis zu 25 m unterhalb (!) des Gipfels aktiv werden, um andere Wanderer nicht zu stören oder um dem Wind auszuweichen. Und das wäre beim Wagnersberg auf einer schier riesigen Fläche möglich gewesen. Bei steileren Gipfeln ist die nutzbare Fläche hingegen geringer.
Panorama − Blick über den Schluchsee Schon nach dem zweiten CQ-Ruf fand sich der erste QSO-Partner. Schnell waren 7 QSOs im Papierlog eingetragen − 4 QSOs sind für eine gültige SOTA-Aktivierung erforderlich. Meine Zeit auf dem Gipfel blieb jedoch recht kurz, da leichter Nieselregen und Wind einsetzten. Die Station hatte ich mit einer Plastiktüte abgedeckt und nur die Morsetaste schaute heraus. Doch ich fing recht schnell an zu frieren, obwohl ich eine Regenjacke trug. Die Finger wurden klamm und Telegrafie mit kalten Fingern macht keinen Spaß und führt zu Fehlern. Als eine merkliche Zeit kein QSO mehr erreichbar war, beendete ich meine Erstaktivierung. Der Abbau verlief zum Glück wesentlich schneller und ich konnte mich bei einem schnellen Abstieg wieder etwas aufwärmen.
 
Schnepfhalde
 
Gipfelkreuz auf der Schnepfhalde Blick von der Schnepfhalde zum Feldberg Am nächsten Tag fuhr ich zunächst eine Station mit der Dreiseenbahn bis zum Bahnhof Aha (940 m). Von dort startete ich auf Schusters Rappen zur Aktivierung der Schnepfhalde (SOTA DM/BW-284, 1299 m, 10 Punkte). Zuerst ging es am östlichen Ufer des Schluchsees entlang und dann auf dem Kirchweg über Äule bis zum Äulemer Kreuz. Das Äulemer Kreuz (ein Pass auf 1133 m) ist auch der zum Gipfel nächste Punkt, den man mit dem Auto erreichen kann. Dort gibt es einen Parkplatz und eine Bushaltestelle. Der Bus der Linie 9051 (Äulemer Kreuz − Aha − Schluchsee) fährt jedoch nur dreimal täglich in jede Richtung. Vom Äulemer Kreuz sind es laut Wegweiser über den Roßhüttenweg nur noch 2 km. Ab der Roßhütte auf 1205 m geht es auf einem immer schmaler und steiler werdenden Wanderweg und letztendlich über eine Schneise dem Gipfel der Schnepfhalde entgegen.
Panorama − Blick von der Schnepfhalde in Richtung Westen Dort oben befindet sich auf 1299 m auch ein Gipfelkreuz, sodass man auf der recht ebenen Gipfelkuppe nicht nach dem höchsten Punkt suchen muss. Die Höhenangabe am Gipfelkreuz gibt jedoch nur 1297 m an. Bei sonnigem Wetter kam ich oben noch weit vor dem angekündigten Termin um 1200 UTC an. Eine Kleinfamilie hatte sich den Platz direkt am Gipfelkreuz für ein Picknick auserkoren. Daher suchte ich mir ein Stück abseits auf der unbewaldeten Seite des Gipfels einen Platz für die Funkstation. Der fand sich an einem flachen Stein und auf einem Baumstumpf, an dem ich auch den Teleskopmast befestigte. Als Antenne nutzte ich diesmal eine Up & Outer, also eine Groundplane mit nur einem Gegengewicht. Auch hier fanden schnell die ersten QSOs Eingang ins Logbuch. Gegenüber der Aktivierung am Vortag machte diese hier wesentlich mehr Freude, da ich in der Sonne sitzen konnte.
 
Zwischendurch bemerkte ich, dass sich etwas hinter meinem Rücken tat. Vater und Sohn der Kleinfamilie waren leise nähergekommen und sahen interessiert zu. Relativ schnell konnte ich die gestellten Fragen zu meinem Tun beantworten und sie gingen wieder zurück. Der Vater wusste jedoch schon vorher, was ich da tat, denn er sagte, dass er Pfandfinder gewesen sei. Für seinen Sohn war es bestimmt neu.
 
Nach gut einer halben Stunde antwortete dann niemand mehr auf meine CQ-Rufe und ich beendete die Aktivierung mit 14 neuen QSOs.
 
Erfahrungen
 
Überrascht hat mich, dass ich selbst als deutsche Station recht begehrt war. Das ist mir an anderen Tagen, an denen ich "nur" CQ und nicht CQ SOTA rief, nicht in diesem Ausmaß passiert.
 
Die QSO-Daten habe ich jeweils abends nach der Aktivierung bei SOTA Pfeil Database eingetragen. Dafür ist eine separate Registrierung erforderlich. Obwohl für die Erlangung von Trophäen im Rahmen des SOTA-Programms der Austausch von QSL-Karten nicht erforderlich ist, werde ich trotzdem Karten über das QSL-Büro versenden.
 
Im Rückblick haben mich die Ergebnisse dieser SOTA-Aktivierungen begeistert. Ich konnte 3 x DL, F, 2 x G, GI, GM, 2 x HA, HB9, OE, OH, OM, 2 x PA, 4 x SP, YO, also 21 QSOs in insgesamt knapp einer Stunde erreichen. Es wird daher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass man mich von einem Gipfel zu hören bekommt.

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