Unterwegs in Liechtenstein

10. bis 25. Mai und 12. bis 20. September 2015
 
Nachdem ich nun schon mehrmal während meines Urlaubs im Winter im Fürstentum Liechtenstein war, wollte ich diesmal im Frühling und Spätsommer dort wandern. Als Basislager wählte ich aufgrund meiner sehr guten Erfahrungen aus den Vorjahren selbstverständlich wieder das Berggasthaus Sücka. Diese Unterkunft liegt relativ zentral in Liechtenstein und trotzdem abseits der vielbefahrenen Straßen am Beginn des Valünatals auf 1402 m Höhe (47°6′58,6″N, 9°33′54″O).
 
Berggasthaus Sücka Für den größten Teil der Reise nutzte ich ab Berlin bis Zürich beim ersten Mal ein Flugzeug (wegen Bahnstreik) und beim zweiten Mal den bequeme Schlafwagen des City Night Line. Von dort ging es mit einem Intercity bis Sargans an der schweizer Grenze und von dort aus mit einem Bus von LIEmobil via Vaduz bis Steg. An der Haltestelle "Steg Tunnel" befindet sich der zum Berggasthaus nächstgelegene, mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbare Punkt. In den schneefreien Monaten ist es für Hausgäste möglich, mit dem Auto bis zum Gasthaus zu fahren. Vom Parkplatz an der Bushaltestelle lässt sich das Gasthaus auch zu Fuß erreichen. Der Weg ist nur 1200 m lang und in 20 Minuten absolviert.
 
Unterwegs in den Bergen
 
Diesmal zog es mich vor allem wegen der gegenüber dem Winter größeren Vielfalt an möglichen Wanderungen nach Liechtenstein. Doch man sollte sein eigenes Können (Kondition, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit) nicht überschätzen, selbst wenn das Wetter mitspielt. Eine Fehleinschätzung kann gerade in den Bergen tötlich ausgehen. Die Wege lassen sich gut anhand ihres Schwierigkeitsgrads unterscheiden und so für jeden Wanderer passende Route auswählen. Ich gebe hier die Beschreibungen aus dem leider nicht mehr erhältlich "Liechtenstein Tourenguide" wieder, da sie sehr gute Anhaltspunkte liefert, was hinsichtlich des Schwierigkeits zu erwarten ist.
 
Wanderwege weisen keine besonderen Anforderungen auf, verlaufen möglichst nicht auf Asphalt- oder Betonbelägen und abseits öffentlich befahrbarer Straßen. Steile Passagen werden durch Stufenanlagen überwunden, exponierte (absturzgefährliche) Stellen sind geländergesichert. Fließgewässer werden auf Stegen oder Brücken passiert.
Bergwanderwege sind Wanderwege, die passagenweise durch unwegsames Gelände führen. Sie sind überwiegend steil und schmal angelegt und punktuell oder teilweise exponiert. Besonders schwierige Passagen sind wie bei Klettersteigen durch Seile, Ketten, Trittstifte, Haltebügel usw. gesichert. Fließgewässer sind unter Umständen auf Trittsteinen zu queren bzw. zu durchwaten.
Alpinwanderwege sind anspruchsvolle Bergwanderwege. Sie führen teilweise durch wegloses Gelände, oder durch Fels mit kurzen Kletterstellen. Wer Alpinwanderwege begeht, muß trittsicher, schwindelfrei und in sehr guter körperlicher Verfassung sein sowie Umgang mit Seil und Pickel beherrschen.
 
Wegweiser Die Wegweiser zeigen den Schwierigkeitsgrad bis zum angegebenen Ziel. Bergwanderwege sind mit einer weiß-rot-weißen Spitze gekennzeichnet, die die Wanderwege nicht haben. Sollte ein blau markierter Wegweiser auftauchen, handelt es sich um einen Alpinwanderweg. In der Regel entspricht nicht die gesamte Strecke einer Kategorie. Die Einordnung richtet sich immer nach dem schwersten Wegstück. Ein Bergwanderweg kann somit große Strecken als Wanderweg gelten, jedoch nicht die gesamte. Irgendwann kommt eine Stelle, die der angegebenen Kategorie entspricht.
 
Wanderkarte Fürstentum Liechtenstein Sehr empfehlen möchte ich Ihnen die nahezu überall in Liechtenstein für 22,50 CHF erhältliche "Wanderkarte Fürstentum Liechtenstein". Sie stellt im Maßstab von 1:25000 das gesamte Gebiet von Liechtenstein detailliert dar. Und sie macht Unterschiede zwischen Wanderwegen, Bergwanderwegen und alpinen Routen.
GEO-Daten von Liechtenstein und GPS-unterstützte Vorschläge für Wanderungen stehen bei der Landesverwaltung und bei Liechtenstein Tourismus zur Verfügung. Gute Quellen zur Beurteilung des Schwierigkeitsgrads der Wege sind auch Beschreibungen und Fotos, die sich nach Eingabe des anvisierten Gipfels in die Suchmaschine Ihrer Wahl im Internet finden lassen. Vor kurzem wurden jedoch auch einige Touren anders eingeordnet. So ist beispielsweise die Route zu den Drei Schwestern nicht mehr als Bergwanderweg, sondern als Alpinwanderweg ausgeschildert.
 
Obwohl Liechtenstein relativ klein ist, gibt es über 400 km ausgewiesene Wanderwege. Hier ein paar Vorschläge für Touren, die jeder halbwegs trainierte Wanderer absolvieren kann.
 
Tour 1: Sücka − Alpetli − Pfälzerhütte − Valünatal − Gängle-See − Sücka
 
Alp Valüna Ein Weg führt von der Sücka (1402 m) am Hang entlang an der Alpetli (1623 m) vorbei und oberhalb der Serpentinen weiter durchs Naaftal zur Pfälzerhütte (2108 m). Von der Pfälzerhütte können Sie den ungeteerten Transportweg über die Hötta (1897 m) und das Obersäss (1646 m) hinunter an der Alp Valüna (1406 m) und am Gängle-See (1303 m) vorbei zurück zur Sücka folgen. Für den gesamten Weg sollte man 5 Stunden einrechnen. An der Alp Valüna oder an der Pfälzerhütte können Sie sich mit einer kleineren oder größeren Mahlzeit stärken.
 
Tour 2: Sücka − Silum − Gaflei − Silum − Sücka
 
nahe Bargella − Mittelpunkt von Liechtenstein Am alten Tunnel etwas oberhalb der Sücka (1402 m) führt der Weg auf der Saminatalseite knapp unterhalb des Bergkamms teils im Wald bis zum Aussichtspunkt (1540 m) oberhalb von Silum. Von Silum (1469 m) geht ein Weg weiter in Richtung Bargella und Fürstensteig. Diesem Weg kann man auf der Rheintalseite zumindest bis zu dem Punkt folgen kann, an dem er zur Alp Bargella (1663 m) und zum Kamin abzweigt. Wer will kann von dort einen Abstecher zum Bargellasattel (1742 m) machen (etwa 40 Minuten zusätzlich für Hin- und Rückweg einrechnen). Der Rückweg beginnt oberhalb des Parkplatzes Gaflei (1483 m) und nicht erst am Parkplatz. Er führt ein Stück oberhalb des Berggasthauses Matu (leider seit Mitte September 2015 geschlossen) weiter auf der Rheintalseite wieder bis Silum. Dort hat man die Wahl, den anfangs benutzten Weg (Saminatalseite) bis zur Sücka zu nutzen oder auf der Rheintalseite weiter durch den Wald am Hang entlang bis zur anderen Seite des alten Tunnels zu gehen. Für die gesamte Strecke sind etwa 2,5 Stunden zu veranschlagen. Wer nicht so weit/lange gehen möchte, kann von der Sücka kommend schon in Silum umkehren, wodurch sich die Zeit auf etwa eine Stunde verkürzt.
Blick von Gafadura ins Rheintal Blick von Gafadura ins Rheintal Blick von Gafadura ins Rheintal
Tour 3: Sücka − Malbun − um den Schönberg − Sücka
 
Für den Weg von der Sücka (1402 m) bis Malbun sollte man den Bus von LIEmobil ab der Haltestelle "Steg Tunnel" nutzen. Der Weg entlang der Straße ist nicht angenehm zu laufen. Von Malbun/Kirche (1600 m) führt der Weg bis zum Sassförkle (1786 m) und weiter Richtung Alp Guschg. Kurz vor dem Abzweig zur Alp Guschg führt der Weg in Richtung Steg am Hang abwärts bis zur schmalen Brücke über den Valorschbach. An mehreren Hütten vorbei geht es das Valorschtal hinab und weiter um den Schönberg (2050 m) herum bis zum Parkplatz "Steg Tunnel" (1276 m). An der gegenüberliegenden Talseite lock schon die Sücka. Für den Weg von Malbun bis Steg sollte man mindestens 5 Stunden veranschlagen.
 
Tour 4: Sücka − Masescha − Vaduz
 
Schloss Vaduz Dieser Weg führt durch den alten Tunnel oberhal der Sücka (1402 m) abwärts bis Mitätsch (1273 m) und von dort weiter bis Masescha (1240 m). Dort geht es nach 100 m Straße weiter in Richtung Hinterprufatscheng (1107 m) und zur Ruine des Wildschlosses (847 m). Der letzte Teil des Wegs zum Wildschloss führt im Wald auf einem schmalen Weg hinab. Von dort geht es auf kürzestem Weg Richtung Schloss Vaduz (600 m), wobei sich im letzten Bereich eine Abkürzung durch den Schlosswald nehmen lässt. Diese Tour ist zwar recht lang, doch da es hauptsächlich eben oder abwärts geht, ist sie in etwa 3,5 Stunden zu bewältigen. Ab "Vaduz/Post" nimmt man zuerst den Bus Richtung Malbun bis zur Bushaltestelle "Steg Tunnel" (1276 m) und dann den Weg zurück bis zu Sücka.
 
Amateurfunklizenz und Funkbetrieb
 
Liechtenstein hat das CEPT-Abkommen unterzeichnet. Dadurch konnte ich sofort als HB0/DK3RED/P aktiv werden, ohne mich um eine spezielle Lizenz bemühen zu müssen. Der Hauptgrund meines Aufenthalts in Liechtenstein war jedoch die Erholung beim Wandern. An den späten Nachmittagen oder Abenden schaltete ich hin und wieder einmal die Station an.
 
Sowohl im Frühjahr als auch im Sommer nutzte ich eine Stationsausrüstung, die den Betrieb auf allen Kurzwellenbändern zuließ. Der Elecraft K2 ist zwar etwas schwerer als der in den Vorjahren genutzte Elecraft K1 für vier Bänder, doch da ich keine Wanderungen mit ihm plante, war er gut im Gepäck unterzubringen. Außerdem baute ich diesmal eine 8 m lange Vertikal-Antenne auf der Terrasse vor dem Fenster auf, wobei nur ein gleichlanges Radial ausgelegt wurde. Die Anpassung an die über eine 6 m lange Zweidrahtleitung gespeiste Antenne realisierte ich problemlos mit einem ZM-4.
 
Am Ende standen, verglichen mit den Aktivitätszeiten der Vorjahre, jedoch weniger QSOs im Logbuch. Ein Grund waren bestimmt die vergleichsweise schlechten Ausbreitungsbedingungen im derzeitigen Minimum der Sonnenaktivität. Andererseits hatte ich den Eindruck, dass ich mich mit dem Bestreben, acht Bändern zu bedienen, übernommen hatte. Relativ viel Zeit nahm das Absuchen der Bänder nach freien Frequenzen oder rufenden Stationen in Anspruch. Das war mit nur vier Bändern in den Vorjahren einfacher. Außerdem ist ja die in diesem Jahr verwendete Vertikalantenne eher für DX-Verbindungen gedacht. Doch die blieben in diesem Jahr meist aus. Der bisher verwendete Dipol ist definitiv günstiger für Verbindungen innerhalb Europas.
 
Letztendlich fanden im Frühjahr 170 Stationen in 36 DXCC-Gebieten auf acht Bändern Eingang ins Logbuch. Die wesentlich kürzere Sommeraktivität brachten noch einmal 26 QSOs ins Logbuch, wobei 16 DXCC-Gebiete auf den unteren fünf Bändern erreicht wurden. Die QSL-Karten für beide Aktivitäten wurden in der Zwischenzeit schon über das QSL-Büro versandt. Außerdem wurden alle QSOs in meinem Online-Logbuch ergänzt.

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