Wandern auf den Azoren

14. - 25. Mai 2014
 
Flagge der Azoren Wer als Europäer das Wort Azoren hört, der denkt in erster Linie bestimmt an das gleichnamige Luftdruckgebiet. Dieses Gebiet wird in vielen Fällen mit anhaltend schönem Wetter verbunden. Aus diesem Grund hat das Azoren-Hoch einen besseren Ruf als sein nördlicher Verwandter, das Island-Tief. Jedoch sind die Inseln in beiden Fällen nicht Auslöser der damit bezeichneten Wetterphänomene.
 
Bei Touristen sind die Azoren besonders wegen ihres ozeanisch-subtropischen Klimas und wegen ihrer Ursprünglichkeit beliebt. Für Funkamateure ist dieses Land ebenfalls interessant, denn es ist ein eigenes DXCC-Gebiet. Aus genau diesen beiden Gründen zog es auch mich dorthin.
 
Fakten über die Azoren
 
Die Azoren umfassen 9 große bewohnte und diverse kleine unbewohnte Inseln. Auf einer Fläche von zusammen 2330 km² leben dort 240000 Menschen. Die Azoren liegen mitten im Atlantischen Ozean und auf den zusammenstoßenden Erdplatten von Eura­sien und Afrika. Die beiden westlichen Inseln gehören geologisch schon zu Nordame­rika.
 
Weltkarte mit der Position der Azoren Die Inseln liegen nicht alle dicht beieinander, sondern bis zu 600 km von einander entfernt. Die etwa in der Mitte gelegene Insel São Jorge ist 1630 km vom europäischen Festland, 1890 km vom afrikanischen Festland, 3160 km von Neufund­land (Nordamerika) und gar 4470 km vom südamerikanischen Festland entfernt. Trotzdem gehören die Azoren geografisch zu Europa. Politisch sind sie eine autonome Region von Portugal.
 
Ausschnitt aus der Weltkarte mit den Azoren Die Inseln werden in 3 Gruppen eingeteilt, die sich aus ihrer Lage zueinander ergeben. Die östlichen Inseln (Grupo Orien­tal) umfassen São Miguel (746 km²) und Santa Maria (97 km²). Die zentral gelegene Gruppe (Grupo Central) umfasst Pico (447), Terceira (397 km²), São Jorge (246 km²), Faial (173 km²) und Graciosa (61 km²). Die westliche Inseln (Grupo Ocidental) umfassen letztlich Flores (143 km²) und Corvo (17 km²).
Quelle Weltkarte/Ausschnitt: NASA/Goddard Space Flight Center (Wikipedia)
 
Die Azoren - grün-schwarze Perlen im Atlantik
 
Ich begab mich im Rahmen einer von Rotel Tours organisierten Reise dorthin. Die Be­treuung auf den Azoren selbst wurde durch eine ortsansässige Agentur sichergestellt. Die Tour führte auf die Inseln São Miguel, São Jorge, Faial und Pico.
 
Reiseleiter José Hinweisschild mit Karte und Höhenprofil São Miguel ist wohl die Insel, auf der je­der Tourist zum ersten Mal die Azoren be­tritt. Sie ist touristisch sehr gut erschlos­sen und abwechslungsreich. Wer Vulka­ne, Krater, tiefe Schluchten, dicht be­wachsene Lavahänge, Kraterseen, heiße Quellen, Thermalbäder oder gar Sand­strände sucht, findet sie hier.
In vielen Regionen sind auch gut mar­kierte Wanderwege vorhanden, durch die man die faszinierende Landschaft erst so richtig kennenlernt. Richtungsanzeigen (v.l.n.r): richtiger Weg, falscher Weg, nach links, nach rechts Die an den offiziellen Wanderwegen aufgestellten Hinweisschilder geben Auskunft über den Schwierigkeitsgrad, das Höhenprofil und nicht zuletzt die Strecke. Auch werden stets die an Bäu­men oder Pfählen angebrachten Richtungsanzeigen erläutert, die für alle Wanderwege identisch sind.
 
tief eingeschnittenes Tal Sicheltannen und wilder Ingwer Nahe Água Retorta im Südwestteil der Insel be­gann unsere erste Wanderung in einem tief eingeschnittenen Tal am Wasserfall Salto do Prego vorbei bis zur Südküste nach Faial da Terra. Fast alle Wälder bestehen aus den aus Japan importierten Sicheltannen, die schon nach 25 Jahren geschlagen werden können. Ein Großteil wird nach Skandinavien exportiert, wo­für man Kiefernholz erhält. Weniger Glück hatte man mit dem aus dem Himalaja stammenden wilden Ingwer, der eigentlich als Zierpflanze eingeführt wurde, sich jedoch schnell über weite Teile der Insel verbreitete. Er beugt durch seine starke Wurzelbildung zwar der Erosion vor, verdrängt durch seinen dichten Wuchs jedoch alle andere Arten.
Baumfarn Wasserfall Salto do Prego Auf den Azoren zu Wandern bedeutet na­hezu immer, auf bergauf und bergab füh­renden Wegen unterwegs zu sein, die aus Sand bestehen und teilweise mit scharfem Lavageröll übersät sind. Gute Wanderschuhe mit profilierter Sohle soll­ten daher zur Mindestausrüstung gehö­ren. Dafür wird man mit einer subtropi­schen Flora belohnt, die ihresgleichen sucht.
 
Casa de Trabalho do Nordeste Casa de Trabalho do Nordeste Da unsere Wanderung etwas länger als geplant ausfiel, blieb nur noch wenig Zeit für den Besuch des Casa de Trabalho do Nordeste. Eigentlich war schon Fei­erabend, doch vier der dort tätigen Frauen zeigten uns zumindest noch, wie sie auch heute noch Wolle spinnen und daraus Stoffe weben. Sehenswert sind auch die anderen in diesem Haus produ­zierten Kunsthandwerksarbeiten.
 
erntereife Ananas Reiseleiter José erläutert den Ananasanbau Am nächsten Tag sahen wir uns die Ananas­plantage "A. Arruda" in São Roque an. Solche Plantagen sind besonders im Süden der Insel vorhanden. Ananas wird erst seit der Zeit an­gebaut, als die Orangenplantagen auf weiten Teilen der Insel einer Krankheit zum Opfer fielen. Es dauert auf den Azoren 18 Monate, bis so eine Ananasfrucht endlich erntereif ist. Selbstverständlich konnte man auch in die stets weiß angemalten Glasgewächshäusern sehen und Ananase in allen Wachstumsphasen be­gucken. Einige Reisende versorgten sich auch mit Ananasschnaps, den neben vielen anderen Sachen der Verkaufsladen der Plantage feil bot.
 
Seen im Krater des Sete Cidades Kirche in der Caldera Sete Cidades Bevor wir mit einem kleinen Propellerflugzeug zur Insel São Jorge flogen, fuhren wir zuerst noch auf den Kraterrand des Sete Cidades. Der eigentlich vorgesehene Aussichtspunkt Vista do Rei war jedoch nicht erreichbar, da die Strecke dorthin für eine Rallye gesperrt war. Die Aussicht von der nahe gelegenen Wegkreuzung war aber auch nicht schlecht. Danach wan­derten wir ein Stück an einem der Seen in der Caldera entlang, bevor wir zur Mittagszeit den dort ebenfalls liegenden Ort aufsuchten. In der Caldera Sete Cidades mit einem Durchmesser von etwa 5 km liegen zwei miteinander verbundene Seen, der Lagoa Azul (Blauer See) und der Lagoa Verde (Grüne See).
 
Käserei auf São Jorge selbst zwischen den Lavabrocken wachsen noch Pflanzen São Jorge ist besonders berühmt für seinen Käse. Mindestens 3 Monate muss er reifen, bevor er überhaupt die Käserei verlassen darf. Je älter der Käse ist, des­to schärfer ist er. Ein Teil des Geschmacks soll auch von den Kräutern herrühren, die die Kühe in den relativ hohen Lagen der Berge fressen. Vor Ort konnte man sich auch gleich mit Käse eindecken. Man be­kommt den auch auf anderen Inseln hergestellten Käse (der dann selbstverständlich ganz anders schmeckt) aber auch in normalen Märkten und sogar im Flughafen von Ponta Delgada.
 
Küste nahe Fajã dos Cubres Fajã dos Cubres Die nachfolgende Wanderung sollte laut unserem Reiseleiter José an einem steil abfallenden Küstenab­schnitt entlang führen. Da ich je­doch nicht völlig schwindelfrei bin, setzte ich mit einigen anderen Rei­senden aus. Wir gingen der weit oberhalb von Fajã da Caldeira de Santo Cristo gestarteten Gruppe etwas entgegen, kehrten dann jedoch wieder zu deren Zielort um und warteten dort. Da ich meine Funkstation mitgenommen hatte, versuchte ich in Fajã dos Cubres auch wieder einmal ein paar Funkverbindungen zu erreichen. Doch dazu später mehr. Wie sich bei Gesprächen mit den Mitgewanderten herausstellte, wäre die Strecke problem­los gewesen, da sie zwar relativ hoch an der Steilküste entlang führte, jedoch immer ein sanfter Hang zum Meer hin vorhanden war. Naja, hinterher ist man immer schlauer.
 
Kleiner Kratersee mit Blick zur Nachbarinsel Pico und ihrem Vulkan flechtenüberwachsene Bäume am Wegesrand Der nächste Tag führte uns auf dem Berg­rücken der Insel durch eine anfangs von Nebelschaden in zauberhafte Stimmung gehüllte Landschaft. Ein mehr als komfor­tabler Wanderweg in Form eines Fahr­wegs ließ die Wegstrecke vom Pico Pedro (901 m) weiter unter anderem knapp unterhalb des Pico da Esperanza (1053 m) bis zum Abholpunkt oberhalb von Nor­te Grande schnell dahinschmelzen. Die Insel São Jorge ist so schmal, dass man unterhalb des Pico do Areeiro sowohl die Nord- als auch die Südküste sehen kann.
Fajã do Ouvidor Blick über Fajã do Ouvidor hinweg zum Ponta do Norte Grande Diesmal erhöhten wir zur Mittagszeit die Anzahl der Menschen in Fajã do Ouvidor beträchtlich. Einige Mitreisende verzehr­ten ihren mitgenommenen Imbiss an den überall vorhandenen ruhigen Plätzchen, andere bevölkerten die ansonsten wahr­scheinlich eher beschauliche Gaststätte oberhalb des Hafens. Gerade in Fajã do Ouvidor fiel es mir auf, wie wenig Men­schen in diesen kleinen Orten am Meer zu sehen sind. Sollten sie wirklich alle vor den Fernsehern sitzen, wie uns José sagte?
Blick in die Caldeira des Cabeço Gordo Blick in die Caldeira des Cabeço Gordo Blick in die Caldeira des Cabeço Gordo Die Azoren sind ja bekanntlich das Ergebnis einer immer noch anhaltenden vulkan­ischen Aktivität. Da wir erst um 23 Uhr mit der Fähre in Faial ankamen, fiel die Nacht recht kurz aus. Trotzdem ließ keiner die Wanderung am Kraterrand des Cabeço Gordo (1043 m, der Gipfel mit den Sendetürmen) am nächsten Tag aus. Wer genug Zeit mitbringt, kann auch einmal um die Caldera mit ihren 2 km Durchmesser herumgehen oder von dort oben den Weg über 10 Vulkane bis zum Westende der Insel beginnen. In der 400 m tiefer liegenden Caldera, die jedoch gesperrt ist, befinden sich weitere kleine Vulkane und auch Kraterseen.
alter Leuchtturm am Westende von Faial Das Meer holt sich die Vulkanasche. Am Westende von Faial vergrößerte der anfangs 1 km vor der Küste im Meer lie­gende Vulcão dos Capelinhos bei seinem Ausbruch in den Jahren 1957/1958 die Insel um ein beträchtliches Stück und das Ponta das Capelinhos entstand. Der Leuchtturm befand sich einst auf den Klippen an der Spitze des Kaps. Heute ist er, da er sinnlos geworden ist, verlassen. Lediglich ein Museum für Vulkantätigkeit befindet sich nun an diesem Ort, das bei unserer Ankunft jedoch geschlossen war. Rund die Hälfte der hauptsächlich aus Vulkanasche (Tuff) bestehenden Landmasse des Capelinhos ist seit dem Ausbruch schon wieder im Meer verschwunden.
Vulcão dos Capelinhos Vulcão dos Capelinhos Vulcão dos Capelinhos
Haus in Horta mit Lavagestein Blick über Horta zum Pico Viele Häuser in Horta sind, wie auf fast allen Inseln der Azoren, zumindest teil­weise aus Lavagestein erbaut. Manchmal sind es nur die Ecken oder Tür- und Fen­sterdurchbrüche, in einigen Gegenden auch die kompletten Häuser. Den ehema­ligen Reichtum der Stadt kann man noch an den oft vorhandenen zwei Türmen der diversen Kirchen erkennen (ärmere Ge­meinden haben nur einen Turm). Außerdem besitzen viele Häuser schmale Balkone mit prunkvollen Geländern, auf denen die Besitzer die Prozessionen durch die Straßen bewundern konnten.
 
Die Insel Pico, die wir wieder mit einer Fähre ansteuerten, ist besonders für ihren Wein und natürlich für ihren Vulkan bekannt. Der 2351 m hohe Schichtvulkan (Stratovulkan) des Ponta de Pico ist bei gutem Wetter schon von allen umliegenden Inseln aus zu sehen. An seiner Spitze befindet sich ein 500 m breiter und 30 m tiefer Krater, in dem sich der zweiten Vulkankegel, der 70 m hohe Piquinho befindet, der den eigentlichen Gipfel bildet. Bis in eine Höhe von etwa 800 m kann man mit den Auto fahren. Danach geht es die restlichen 10 km Weg nur noch zu Fuß weiter, wofür man 2,5 Stunden veranschlagen sollte. Hinunter muss man aber auch wieder.
 
Weinanbaugebiet auf Pico Die mittlerweile seit dem 15. Jahrhundert auf den Azoren vor­handene Weinbaukultur ist zumindest auf der Insel Pico seit 2004 als UNESCO-Welterbe anerkannt. Zuerst mussten die Lava aufgebrochen und zu Mauern aufgeschichtet werden, bevor man in den geschützten Stücken Reben anpflanzen konnte. Das Lavagestein kommt der Süße der Trauben zugute, denn die schwarzen Steine speichern die Wärme am Tag und geben sie in den Nächten wieder gleichmäßig an die Pflanzen ab. Da es keinen für größere Schiffe nutzbaren Hafen gab, wurde lange Zeit die mit Wein gefüllten Fässer mit Karren (Spuren teilweise noch auf den Straßen sichtbar) bis zum Meer transportiert und dort einfach hineingerollt. Größere Schiffe sammelten dann die treibenden Fässer auf und trans­portierten sie weiter.
Felsenformation in Hundeform Wellenkraftwerk An der Nordküste lassen sich unweit des Flughafens von Pico im Örtchen Porto do Cachorro sehr schwere Weine, die eher an Liköre erinnern, probieren.
Wer in diesen Ort kommt, dem fällt bestimmt das laute Fauchen auf, das immer stärker wird, je näher man dem Meer kommt. Der Grund ist das bisher nie richtig zum Laufen gebrachte Wellenkraftwerk. Wieder in Deutschland habe ich bei Heise eine interessante Webseite gefunden, die das ganze Dilemma bei der Errichtung und den Problemen beim Betrieb aufzeigt.
In Porto do Cachorro gibt es außerdem eine kleine Felsenformation, die mit ihrem Aus­sehen in Form eines Hundes dem Ort seinen Namen gab.
 
Walfangschiff(chen) Ab Mitte des 19. Jahrhundert bis zum Jahr 1983 nutzten Wal­fänger die Insel Pico als Stützpunkt. Die Wale dienten vor­rangig zur Herstellung von Brennstoffen. Von ihrer Aktivität berichtet heute unter anderem nur noch das Walfänger­museum (Museo das Baleiros) in Lajas de Pico und der Be­reich zum Anlanden im Hafenbereich. Heute macht man dort zwar immer noch Jagd auf Wale, aber nur mit der Video- oder Fotokamera bei Walbeobachtungsfahrten.
 
Käserei in São Joao Zwar ist besonders der Käse von São Jorge bekannt, doch auch der unter anderem in São Joao an der Südküste von Pico hergestellte ist nicht zu verachten. Dort lässt sich durch die nur mit Gaze gesicherten Fenster des Gebäudes der Sociedade de Produção de Lacticinios auch beobachten, wie der Käse noch in Handarbeit hergestellt wird. In dem direkt angeschlossenen Verkaufsladen ist es auch möglich, einen kleinen Käselaib zu erwerben und quasi als besonderes Andenken mit nach Hause zu nehmen.
 
Selbst alle sehenswerten Orte der lediglich vier besuchten Inseln der Azoren hier zu nennen, würde mit großer Sicherheit den Umfang dieses kleinen Reiseberichts sprengen. Ich bin mir auch sicher, nicht alle schönen Ecken der Insel São Miguel gesehen zu haben. Daher möchte ich Ihnen nur kurz ein paar Dinge nennen, die mir nach der Rückkehr mit dem Flugzeug auf die Insel São Miguel besonders in Erinnerung geblieben sind.
 
Central Geotérmica da Ribeira Grande Da die vulkanische Tätigkeit schon bei der Entstehung der Azoren von großer Bedeutung war, verwundert es nicht, dass man sich zumindest einen Teil der noch immer unter den Inseln wirkenden Kräfte in Geothermalen Kraftwerken nutzbar machen will. Nachdem man bereits 1972 bei einer ersten Probebohrung in 500 m Tiefe eine heiße Wasserschicht mit einer Temperatur um 200 °C entdeckte, wurde diese Energiequelle nach der Ölkrise in den 70er-Jahren stark gefördert. Nach der Inbetriebnahme eines ersten kleinen Kraftwerks (Central Geotérmica do Pico Vermelho, maximal 3 MW) im Jahr 1980 gingen 1994 die erste und 1998 die zweite Ausbaustufe des größeren Kraftwerks (Central Geotérmica da Ribeira Grande, maximal 13 MW) in Betrieb. Die aktuell gelieferten 7 MW decken den Strombedarf von São Miguel zu etwa 40 %. Das entnommene und am Ende der Stromerzeugung abgekühlte Wasser wird über einige tiefer liegende Bohrungen wieder in den Erdboden gepumpt.
 
Teeplantage Chá Gorreana Zweig der Teepflanze mit den drei oberen als Tee verwerteten Blättern Nahe Ribeira Grande befindet sich in der Ge­meinde Maia eine der beiden Teeplantage auf den Azoren. Die zweite, wesentlich kleinere, ist Chá Porto Formoso in der Nähe des gleich­namigen Orts. Lediglich in England existiert bei Truro noch eine dritte - mehr gibt es in ganz Europa nicht. In Chá Gorreana werden grü­ner Tee (Chá verde) in der Sorte Hysson und schwarzer Tee (Chá perto) in den Sorten Orange Pekoe (Knospe = erstes Blatt), Pekoe (zweites Blatt) und Broken Leaf (drittes Blatt) produziert. Es ist möglich, einen Teil der 45 ha großen, umliegenden Felder mit der chinesischen Kamelie Camelia Sinensis und die Produktionshallen zu besichtigen. Die Maschinen stammen alle noch aus dem 19. Jahrhundert.
Maschinen zum Rollen der Blätter, die vordere wird gerade befüllt Die Trockenstrecke nutzt sehr warme Luft. Der Tee durchläuft einen 5-stufigen Verarbeitungsprozess, in dem die Blätter zunächst auf großen Sieben etwas trocknen. Dann werden die Zellwände der Blätter in einem Bot­tich mit heißem Dampf aufgebro­chen, sodass der Zellsaft austreten kann. Anschließend werden sie ge­rollt, wodurch sich die Blätter vom Stiel trennen und sortiert werden können. In großen Holzschubladen abgelegt, vollzieht sich beim schwarzen Tee die Oxidation (Fermentation). Nach der endgültigen Sortierung und Trocknung werden sie bis zur Verpackung gelagert. Selbstverständlich habe ich als Teeliebhaber von den jährlich produzierten 40 Tonnen Tee zwei etwas größeres "Tee­beutel" mit je einen halben Kilogramm erworben und nach Hause mitgenommen.
Als man mit der Teeproduktion auf den Azoren beginnen wollte, in der Blütezeit gab es 60 Plantagen, holte man sich Teesetzlinge und Spezialisten aus China. Beide kamen, doch die Spezialisten stellten fest, dass es schon Teepflanzen auf den Azoren gab: als Zierpflanzen in den Gärten.
 
heiße Quelle am Lagoa das Furnas Lagoa das Furnas Furnas ist besonders für seine heißen Quellen bekannt. Im Gebiet der Fuma­rolen wird die Erdwärme auch zum Ko­chen des Cozido verwendet. Das sind in einem heißen Erdloch in einem großen Topf zusammen mehrere Stunden ge­kochte Gemüse-, Fleisch- und Würst­chensorten - eine kulinarische Attraktion dieses Gebiets und echt lecker. Außerdem bietet sich am Ortsrand die Möglichkeit, von Quellen mit unter­schiedlichen Mineralien einen Schluck zu probieren.
Kamelienblüte Karminroter Zylinderputzer Wer in Furnas zumindest einen Nachmittag verweilt, sollte sich un­bedingt den Parque Terra Nostra ansehen. Der bereits 1770 begon­nene Aufbau wurde trotz wechsel­nder Besitzer bis heute gekonnt weitergeführt. Einzigartig ist die bunte Mischung von Pflanzen und rund 2500 Bäumen auf dem 12 ha großen Areal, deren Mittelpunkt das riesige, teichartige Thermalbecken mit eisenhal­tigem, 38 °C warmen Wasser ist. Entlang der schier unendlich langen Wege lassen sich diverse Kamelien, Magnolien, Azaleen, Strelizien, Hibiskus, Araukarien und noch jede Menge mehr bestaunen.
 
Grutas do Carvão Wer auf den Azoren auch einmal die unterirdisch Auswirkun­gen der vulkanischen Aktivität sehen möchte, der hat dazu in den Grutas do Carvão (Kohlegruben) an der Rua do Paim in Punta Delgada die Gelegenheit. 1994 verschwand hier ein Bauarbeiter mit seinem Presslufthammer bei Arbeiten an der Straße plötzlich im Untergrund. Auf diese Weise wurde dieser Teil des Lavatunnels offiziell entdeckt. Viele Bewohner des darüber liegenden Wohngebiets kannten ihn schon vorher, jedoch nicht sein Ausmaß. Die schon vorher vorhandenen kleinen Löcher ohne scheinbaren Boden nutzen sie als willkommene Abfallgruben. Bevor der Tunnel 2008 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte, mussten sagenhafte 22 Tonnen Hausmüll allein aus diesem Teilstück entsorgt werden.
Der teilweise zweietagige Tunnel wird wahrscheinlich insgesamt 5 km lang sein. Er führt vom Vulkan oberhalb Punta Delgadas bis zum Meer. Sein genauer Weg ist jedoch noch nicht vollständig bekannt, da die Enden der bisher bekannten Bereiche verschüttet sind und sich noch keine neuen Öffnungen aufgetan haben, die auf seine genaue Position schließen lassen. Derzeit sind drei Teile von knapp 2 km bekannt und mehr oder weniger zugänglich. Der Name rührt von der Farbe der mit einer dünnen schwarzen, teils glänzenden Lavaschicht bedeckten Röhre her. Kohle befand sich dort nie. Die Grutas do Carvão ist eines der derzeit 17 allein auf São Miguel bekannten Höhlen­systeme.
Lagua do Fogo im Krater Lagua do Fogo im Krater
Azoren-Hoch - oder: ein Hoch auf die Azoren
 
Die Sache mit dem Azoren-Hoch ist schnell erläutert. Wie schon eingangs geschrieben, sind die Inseln nicht der Auslöser dieser für Europa wetterbestimmenden Hochdruck­gebiete. Ihre Oberfläche ist einfach zu gering, um Auswirkungen auf die Wolkenbildung zu haben. Der Grund für die Namensgebung ist ein ganz anderer.
Ende des 19. Jahrhunderts wurden Wettervorhersagen für die an den Azoren vorbei­führende Schifffahrtsrouten zwischen Europa und Amerika und auch für das euro­päische Festland selbst immer wichtiger. Aufgrund seiner günstigen Lage wurde 1893 das erste Telegrafenkabel zwischen Europa und Nordamerika über die Azoren verlegt. Das Örtchen Horta auf Faial diente dabei als Relaisstation. Über dieses Kabel wurden neben den Telegrammen auch Berichte über das Wetter auf den Azoren übermittelt. Und da es relativ häufig Meldungen über "Schönwetterlagen" waren, die von dort Europa erreichten, bürgerte sich der Name Azoren-Hoch dafür ein.
In den 30er-Jahren waren es schon 15 Kabel, die über Horta führten, was diesen beschaulichen Ort zum damals wichtigsten Knotenpunkte für Telegrafenkabel weltweit machte. Zwar verloren die Telegrafenkabel mit Entwicklung der Funktechnik zunehmend an Bedeutung, sodass 1969 die letzte Kabelgesellschaft auf Horta ihren Betrieb einstellte, doch der Ort ist immer noch ein Treffpunkt für Segler auf ihren Weg zwischen den Kontinenten. Und alle aus Richtung der Azoren in Europa eintreffenden Hoch­druckgebiete tragen noch immer den Beinamen "Azoren-Hoch".
 
Amateurfunk
 
Lage der Azoren - erstellt mit Free Azimuthal Maps von Tom Epperly, NS6T Zeitweise wollte ich auch die "Radioaktivität" der Azoren erhöhen, zumal für den Funkbetrieb aufgrund der geltenden CEPT-Regelung keine spezielle Lizenz erforderlich ist. Als QRP-Funkstation war ein Elecraft K1 (nur CW) für 40, 30, 20 und 17 m mit im Gepäck. Ich beabsichtigte, als CT8/DK3RED an so vielen Tagen wie möglich im Urlaubsstil erreichbar zu sein. Die verfügbare Zeit war jedoch stark eingeschränkt. Mehr als 5 Stunden an insgesamt 5 Tagen wurde es am Ende nicht. An den Wochenenden, an denen die klassischen Kurzwellenbänder (40 und 20 m) von Contestteilnehmern bevölkert waren, wich ich auf die WARC-Bänder (30 und 17 m) aus.
 
Schnell waren jeweils die MP-1 als Antenne aufgebaut und die Station verkabelt. Die Anpassung war durch Verschieben der Spulenabgriffs an der MP-1 problemlos möglich, sodass der Transceiver die volle Leistung abgeben konnte. Diese Transceiver-Anten­nen-Kombination hatte sich schon bei meinem ersten Besuch in Liechtenstein bewährt, wo ich teilweise Verbindungen über Entfernungen bis 9000 km erreichte. Störungen waren auf den Azoren kaum wahrzunehmen. Zu meiner Überraschung waren jedoch nur erstaunlich wenige Stationen zu aufzunehmen, obwohl Europa mit seinen vielen Funkamateuren ja nun doch nicht so weit entfernt lag. CQ-Rufe blieben leider unerhört, obwohl ich es auf allen möglichen Bändern probierte und teilweise nur wenige Hundert Hertz entfernt europäische Stationen zu hören waren. Am letzten Tag rief ich ver­zweifelt sogar mehrere sehr laute Stationen an - stets ohne Erfolg.
 
Warum ich kein QSO erreichen konnte, muss ich noch ergründen. Prinzipiell hätte es mit den zur Verfügung stehenden 5 W gehen müssen. Dies berichtete mir später auch ein anderer deutscher Funkamateur, der nahezu im gleichen Zeitraum auf São Miguel aktiv war und der auch nur mit 10 W im Urlaubsstil funkte, jedoch mit mehrere Hundert QSOs im Logbuch nach Hause fuhr. Ich werde daher die verwendete Stationsausrüstung in genau der verwendeten Konfiguration hier zu Hause noch einmal aufbauen, um zumindest einen technischen Defekt auszuschließen zu können.
 
Obwohl ich als CT8/DK3RED kein QSO verbuchen konnte, war diese Reise kein Miss­erfolg. Dafür sind die Azoren einfach zu schön und der Aufenthalt dort keine verlorene Zeit. Wahrscheinlich werde ich noch einmal (mit einer Funkstation) dorthin fahren, denn es gibt noch viele Gebiete und Inseln, die ich nicht gesehen habe und die es zu ent­decken gibt.
 
PS: Hildegard und Heinrich Schmidt, zwei Mitreisende (keine Funkamateure), haben ihre Reiseeindrücke in einem Blog veröffentlicht. Während ich erst zu Hause die Fotos den gemachten Notizen zuordnen musste, konnte sie abends gleich alles "ordnen" und dank der auf den Azoren vielerorts vorhandenen WiFi-Netze online bringen.

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