Wandern auf den Azoren

14. - 25. Mai 2014
 
Flagge der Azoren Wer als Europäer das Wort Azoren hört, der denkt in erster Linie bestimmt an das gleichnamige Luftdruckgebiet. Dieses Gebiet wird in vielen Fällen mit anhaltend schönem Wetter verbunden. Aus diesem Grund hat das Azoren-Hoch einen besseren Ruf als sein nördlicher Verwandter, das Island-Tief. Jedoch sind die In­seln in beiden Fällen nicht Auslöser der damit bezeichneten Wet­ter­phänomene.
 
Bei Touristen sind die Azoren besonders wegen ihres ozeanisch-subtropischen Klimas und we­gen ihrer Ursprünglichkeit beliebt. Für Funkamateure ist dieses Land ebenfalls in­te­res­sant, denn es ist ein eigenes DXCC-Gebiet. Aus genau diesen beiden Gründen zog es auch mich dorthin.
 
Fakten über die Azoren
 
Die Azoren umfassen 9 große bewohnte und diverse kleine unbewohnte Inseln. Auf einer Flä­che von zusammen 2330 km² leben dort 240000 Menschen. Die Azoren liegen mitten im Atlantischen Ozean und auf den zusammenstoßenden Erdplatten von Eura­sien und Afri­ka. Die beiden westlichen Inseln gehören geologisch schon zu Nordame­rika.
 
Weltkarte mit der Position der Azoren Die Inseln liegen nicht alle dicht beieinander, sondern bis zu 600 km von einander entfernt. Die etwa in der Mitte gelegene In­sel São Jorge ist 1630 km vom europäischen Festland, 1890 km vom afrikanischen Festland, 3160 km von Neufund­land (Nord­ame­ri­ka) und gar 4470 km vom südamerikanischen Fest­land entfernt. Trotzdem gehören die Azoren geografisch zu Eu­ro­pa. Politisch sind sie eine autonome Region von Portugal.
 
Ausschnitt aus der Weltkarte mit den Azoren Die Inseln werden in 3 Gruppen eingeteilt, die sich aus ihrer La­ge zueinander ergeben. Die östlichen Inseln (Grupo Orien­tal) um­fassen São Miguel (746 km²) und Santa Maria (97 km²). Die zentral gelegene Gruppe (Grupo Central) umfasst Pico (447), Terceira (397 km²), São Jorge (246 km²), Faial (173 km²) und Graciosa (61 km²). Die westliche Inseln (Grupo Ocidental) um­fassen letztlich Flores (143 km²) und Corvo (17 km²).
Quelle Weltkarte/Ausschnitt: NASA/Goddard Space Flight Center (Wikipedia)
 
Die Azoren - grün-schwarze Perlen im Atlantik
 
Ich begab mich im Rahmen einer von Rotel Tours organisierten Reise dorthin. Die Be­treu­ung auf den Azoren selbst wurde durch eine ortsansässige Agentur sichergestellt. Die Tour führte auf die Inseln São Miguel, São Jorge, Faial und Pico.
 
Reiseleiter José Hinweisschild mit Karte und Höhenprofil São Miguel ist wohl die Insel, auf der je­der Tourist zum ersten Mal die Azoren be­tritt. Sie ist touristisch sehr gut erschlos­sen und abwechslungsreich. Wer Vulka­ne, Kra­ter, tiefe Schluchten, dicht be­wachsene La­va­hän­ge, Kraterseen, heiße Quellen, Ther­mal­bä­der oder gar Sand­strände sucht, fin­det sie hier.
In vielen Regionen sind auch gut mar­kierte Wanderwege vorhanden, durch die man die faszinierende Landschaft erst so richtig kennenlernt. Richtungsanzeigen (v.l.n.r): richtiger Weg, falscher Weg, nach links, nach rechts Die an den of­fi­ziel­len Wanderwegen aufgestellten Hinweisschilder geben Aus­kunft über den Schwierigkeitsgrad, das Höhenprofil und nicht zu­letzt die Strecke. Auch werden stets die an Bäu­men oder Pfäh­len angebrachten Richtungsanzeigen erläutert, die für alle Wanderwege identisch sind.
 
tief eingeschnittenes Tal Sicheltannen und wilder Ingwer Nahe Água Retorta im Südwestteil der Insel be­gann unsere er­ste Wanderung in einem tief ein­ge­schnittenen Tal am Wasserfall Salto do Prego vorbei bis zur Südküste nach Faial da Terra. Fast al­le Wälder bestehen aus den aus Japan im­por­tier­ten Sicheltannen, die schon nach 25 Jah­ren ge­schlagen werden können. Ein Großteil wird nach Skandinavien ex­por­tiert, wo­für man Kie­fern­holz erhält. Weniger Glück hatte man mit dem aus dem Himalaja stammenden wilden Ing­wer, der eigentlich als Zierpflanze eingeführt wur­de, sich jedoch schnell über weite Teile der Insel verbreitete. Er beugt durch seine starke Wur­zel­bil­dung zwar der Erosion vor, verdrängt durch seinen dichten Wuchs jedoch alle an­de­dsren Arten.
Baumfarn Wasserfall Salto do Prego Auf den Azoren zu Wandern bedeutet na­he­zu immer, auf bergauf und bergab füh­ren­den Wegen unterwegs zu sein, die aus Sand bestehen und teilweise mit scharfem La­va­ge­röll übersät sind. Gute Wan­der­schu­he mit profilierter Sohle soll­ten daher zur Min­dest­ausrüstung gehö­ren. Dafür wird man mit einer subtropi­schen Flora belohnt, die ihresgleichen sucht.
 
Casa de Trabalho do Nordeste Casa de Trabalho do Nordeste Da unsere Wanderung etwas länger als ge­plant ausfiel, blieb nur noch wenig Zeit für den Besuch des Casa de Trabalho do Nor­deste. Eigentlich war schon Fei­er­abend, doch vier der dort tätigen Frauen zeig­ten uns zumindest noch, wie sie auch heute noch Wolle spinnen und daraus Stof­fe weben. Sehenswert sind auch die an­de­ren in diesem Haus pro­du­zier­ten Kunst­hand­werks­ar­bei­ten.
 
erntereife Ananas Reiseleiter José erläutert den Ananasanbau Am nächsten Tag sahen wir uns die Ana­nas­plan­ta­ge "A. Arruda" in São Roque an. Sol­che Plan­ta­gen sind besonders im Süden der In­sel vor­han­den. Ananas wird erst seit der Zeit an­gebaut, als die Orangenplantagen auf weiten Teilen der Insel einer Krankheit zum Opfer fielen. Es dauert auf den Azoren 18 Monate, bis so eine Ananasfrucht endlich erntereif ist. Selbstverständlich konnte man auch in die stets weiß angemalten Glas­ge­wächshäusern sehen und Ananase in allen Wachs­tums­pha­sen be­gucken. Einige Reisende ver­sorg­ten sich auch mit Ananasschnaps, den neben vielen anderen Sachen der Ver­kaufs­la­den der Plantage feil bot.
 
Seen im Krater des Sete Cidades Kirche in der Caldera Sete Cidades Bevor wir mit einem kleinen Propellerflugzeug zur Insel São Jorge flogen, fuhren wir zuerst noch auf den Kraterrand des Sete Cidades. Der ei­gent­lich vorgesehene Aussichtspunkt Vista do Rei war jedoch nicht erreichbar, da die Strecke dorthin für eine Rallye gesperrt war. Die Aussicht von der na­he gelegenen Wegkreuzung war aber auch nicht schlecht. Danach wan­derten wir ein Stück an einem der Seen in der Caldera entlang, bevor wir zur Mittagszeit den dort ebenfalls liegenden Ort aufsuchten. In der Caldera Sete Cidades mit ei­nem Durchmesser von etwa 5 km liegen zwei miteinander verbundene Seen, der Lagoa Azul (Blauer See) und der Lagoa Verde (Grüne See).
 
Käserei auf São Jorge selbst zwischen den Lavabrocken wachsen noch Pflanzen São Jorge ist besonders berühmt für sei­nen Käse. Mindestens 3 Monate muss er rei­fen, bevor er überhaupt die Käserei ver­las­sen darf. Je älter der Käse ist, des­to schär­fer ist er. Ein Teil des Geschmacks soll auch von den Kräutern herrühren, die die Kühe in den relativ hohen Lagen der Berge fres­sen. Vor Ort konnte man sich auch gleich mit Käse eindecken. Man be­kommt den auch auf anderen Inseln hergestellten Käse (der dann selbst­ver­ständlich ganz anders schmeckt) aber auch in normalen Märkten und sogar im Flughafen von Ponta Delgada.
 
Küste nahe Fajã dos Cubres Fajã dos Cubres Die nachfolgende Wanderung sollte laut unserem Reiseleiter José an ei­nem steil abfallenden Küstenab­schnitt entlang führen. Da ich je­doch nicht völlig schwindelfrei bin, setzte ich mit einigen anderen Rei­senden aus. Wir gingen der weit oberhalb von Fajã da Caldeira de Santo Cristo ge­starteten Gruppe etwas entgegen, kehrten dann jedoch wieder zu deren Zielort um und warteten dort. Da ich meine Funk­sta­tion mitgenommen hatte, versuchte ich in Fajã dos Cubres auch wieder einmal ein paar Funk­verbindungen zu erreichen. Doch dazu später mehr. Wie sich bei Gesprächen mit den Mitgewanderten herausstellte, wäre die Strecke problem­los gewesen, da sie zwar relativ hoch an der Steilküste entlang führte, jedoch immer ein sanfter Hang zum Meer hin vor­handen war. Naja, hinterher ist man immer schlauer.
 
Kleiner Kratersee mit Blick zur Nachbarinsel Pico und ihrem Vulkan flechtenüberwachsene Bäume am Wegesrand Der nächste Tag führte uns auf dem Berg­rü­cken der Insel durch eine anfangs von Ne­bel­scha­den in zauberhafte Stimmung ge­hüll­te Land­schaft. Ein mehr als komfor­tab­ler Wanderweg in Form eines Fahr­wegs ließ die Wegstrecke vom Pico Pedro (901 m) weiter unter anderem knapp unterhalb des Pico da Esperanza (1053 m) bis zum Ab­hol­punkt oberhalb von Nor­te Grande schnell dahinschmelzen. Die Insel São Jorge ist so schmal, dass man un­ter­halb des Pico do Areeiro sowohl die Nord- als auch die Südküste sehen kann.
Fajã do Ouvidor Blick über Fajã do Ouvidor hinweg zum Ponta do Norte Grande Diesmal erhöhten wir zur Mittagszeit die Anzahl der Menschen in Fajã do Ouvidor be­trächtlich. Einige Mitreisende verzehr­ten ih­ren mitgenommenen Imbiss an den über­all vorhandenen ruhigen Plätzchen, andere be­völkerten die ansonsten wahr­scheinlich eher beschauliche Gaststätte oberhalb des Ha­fens. Gerade in Fajã do Ouvidor fiel es mir auf, wie wenig Men­schen in die­sen klei­nen Orten am Meer zu sehen sind. Sollten sie wirklich alle vor den Fern­se­hern sit­zen, wie uns José sagte?
Blick in die Caldeira des Cabeço Gordo Blick in die Caldeira des Cabeço Gordo Blick in die Caldeira des Cabeço Gordo Die Azoren sind ja bekanntlich das Ergebnis einer immer noch anhaltenden vulkan­ischen Ak­ti­vi­tät. Da wir erst um 23 Uhr mit der Fähre in Faial ankamen, fiel die Nacht recht kurz aus. Trotzdem ließ keiner die Wanderung am Kraterrand des Cabeço Gordo (1043 m, der Gipfel mit den Sendetürmen) am nächsten Tag aus. Wer genug Zeit mitbringt, kann auch einmal um die Caldera mit ihren 2 km Durchmesser herumgehen oder von dort oben den Weg über 10 Vulkane bis zum Westende der Insel beginnen. In der 400 m tiefer liegenden Caldera, die jedoch gesperrt ist, befinden sich weitere kleine Vulkane und auch Kraterseen.
alter Leuchtturm am Westende von Faial Das Meer holt sich die Vulkanasche. Am Westende von Faial vergrößerte der an­fangs 1 km vor der Küste im Meer lie­gende Vul­cão dos Capelinhos bei seinem Aus­bruch in den Jahren 1957/1958 die Insel um ein beträchtliches Stück und das Ponta das Capelinhos entstand. Der Leucht­turm be­fand sich einst auf den Klip­pen an der Spit­ze des Kaps. Heute ist er, da er sinnlos geworden ist, verlassen. Lediglich ein Mu­se­um für Vulkantätigkeit befindet sich nun an diesem Ort, das bei un­se­rer Ankunft jedoch geschlossen war. Rund die Hälfte der haupt­säch­lich aus Vulkanasche (Tuff) bestehenden Landmasse des Capelinhos ist seit dem Ausbruch schon wieder im Meer verschwunden.
Vulcão dos Capelinhos Vulcão dos Capelinhos Vulcão dos Capelinhos
Haus in Horta mit Lavagestein Blick über Horta zum Pico Viele Häuser in Horta sind, wie auf fast al­len Inseln der Azoren, zumindest teil­weise aus Lavagestein erbaut. Manchmal sind es nur die Ecken oder Tür- und Fen­ster­durch­brü­che, in einigen Gegenden auch die kom­plet­ten Häuser. Den ehe­ma­li­gen Reich­tum der Stadt kann man noch an den oft vor­han­de­nen zwei Tür­men der di­ver­sen Kir­chen er­ken­nen (är­me­re Ge­mein­den ha­ben nur ei­nen Turm). Außerdem besitzen viele Häuser schmale Bal­ko­ne mit prunkvollen Geländern, auf denen die Besitzer die Prozessionen durch die Straßen bewundern konnten.
 
Die Insel Pico, die wir wieder mit einer Fähre ansteuerten, ist besonders für ihren Wein und natürlich für ihren Vulkan bekannt. Der 2351 m hohe Schichtvulkan (Stratovulkan) des Ponta de Pico ist bei gutem Wetter schon von allen umliegenden Inseln aus zu sehen. An seiner Spitze befindet sich ein 500 m breiter und 30 m tiefer Krater, in dem sich der zweiten Vulkankegel, der 70 m hohe Piquinho befindet, der den eigentlichen Gipfel bildet. Bis in eine Höhe von etwa 800 m kann man mit den Auto fahren. Danach geht es die rest­li­chen 10 km Weg nur noch zu Fuß weiter, wofür man 2,5 Stunden veranschlagen sollte. Hin­unter muss man aber auch wieder.
 
Weinanbaugebiet auf Pico Die mittlerweile seit dem 15. Jahrhundert auf den Azoren vor­handene Weinbaukultur ist zumindest auf der Insel Pico seit 2004 als UNESCO-Welterbe anerkannt. Zuerst mussten die Lava aufgebrochen und zu Mauern aufgeschichtet werden, bevor man in den geschützten Stücken Reben anpflanzen konnte. Das Lavagestein kommt der Süße der Trauben zugute, denn die schwarzen Steine speichern die Wärme am Tag und geben sie in den Nächten wieder gleichmäßig an die Pflanzen ab. Da es keinen für größere Schiffe nutzbaren Hafen gab, wurde lange Zeit die mit Wein gefüllten Fässer mit Karren (Spuren teilweise noch auf den Straßen sichtbar) bis zum Meer transportiert und dort einfach hineingerollt. Größere Schiffe sammelten dann die treibenden Fässer auf und trans­portierten sie weiter.
Felsenformation in Hundeform Wellenkraftwerk An der Nordküste lassen sich unweit des Flughafens von Pico im Örtchen Porto do Cachorro sehr schwere Wei­ne, die eher an Liköre erinnern, pro­bie­ren.
Wer in diesen Ort kommt, dem fällt bestimmt das laute Fauchen auf, das immer stärker wird, je näher man dem Meer kommt. Der Grund ist das bisher nie richtig zum Laufen gebrachte Wellenkraftwerk. Wieder in Deutschland habe ich bei Heise eine interessante Webseite gefunden, die das ganze Dilemma bei der Er­rich­tung und den Problemen beim Betrieb aufzeigt.
In Porto do Cachorro gibt es außerdem eine kleine Felsenformation, die mit ihrem Aus­se­hen in Form eines Hundes dem Ort seinen Namen gab.
 
Walfangschiff(chen) Ab Mitte des 19. Jahrhundert bis zum Jahr 1983 nutzten Wal­fän­ger die Insel Pico als Stützpunkt. Die Wale dienten vor­rangig zur Herstellung von Brennstoffen. Von ihrer Aktivität berichtet heute unter anderem nur noch das Walfänger­museum (Museo das Baleiros) in Lajas de Pico und der Be­reich zum Anlanden im Hafenbereich. Heute macht man dort zwar immer noch Jagd auf Wale, aber nur mit der Video- oder Fotokamera bei Wal­be­ob­ach­tungs­fahr­ten.
 
Käserei in São Joao Zwar ist besonders der Käse von São Jorge bekannt, doch auch der unter anderem in São Joao an der Südküste von Pico her­ge­stell­te ist nicht zu verachten. Dort lässt sich durch die nur mit Ga­ze gesicherten Fenster des Gebäudes der Sociedade de Pro­du­ção de Lacticinios auch beobachten, wie der Käse noch in Hand­ar­beit her­ge­stellt wird. In dem direkt angeschlossenen Ver­kaufsladen ist es auch möglich, einen kleinen Käselaib zu erwerben und quasi als besonderes Andenken mit nach Hause zu nehmen.
 
Selbst alle sehenswerten Orte der lediglich vier besuchten Inseln der Azoren hier zu nen­nen, würde mit großer Sicherheit den Umfang dieses kleinen Reiseberichts sprengen. Ich bin mir auch sicher, nicht alle schönen Ecken der Insel São Miguel gesehen zu haben. Daher möchte ich Ihnen nur kurz ein paar Dinge nennen, die mir nach der Rückkehr mit dem Flugzeug auf die Insel São Miguel besonders in Erinnerung geblieben sind.
 
Central Geotérmica da Ribeira Grande Da die vulkanische Tätigkeit schon bei der Entstehung der Azo­ren von großer Bedeutung war, verwundert es nicht, dass man sich zumindest einen Teil der noch immer unter den Inseln wir­ken­den Kräfte in Geothermalen Kraftwerken nutzbar machen will. Nachdem man bereits 1972 bei einer ersten Probebohrung in 500 m Tiefe eine heiße Wasserschicht mit einer Temperatur um 200 °C entdeckte, wurde diese Energiequelle nach der Öl­kri­se in den 70er-Jahren stark gefördert. Nach der In­be­trieb­nah­me eines ersten kleinen Kraftwerks (Central Geotérmica do Pico Vermelho, maximal 3 MW) im Jahr 1980 gingen 1994 die erste und 1998 die zweite Aus­bau­stu­fe des größeren Kraftwerks (Central Geotérmica da Ribeira Grande, maximal 13 MW) in Betrieb. Die aktuell gelieferten 7 MW decken den Strombedarf von São Miguel zu etwa 40 %. Das entnommene und am Ende der Stromerzeugung abgekühlte Wasser wird über einige tiefer liegende Bohrungen wieder in den Erdboden gepumpt.
 
Teeplantage Chá Gorreana Zweig der Teepflanze mit den drei oberen als Tee verwerteten Blättern Nahe Ribeira Grande befindet sich in der Ge­mein­de Maia eine der beiden Teeplantage auf den Azo­ren. Die zweite, wesentlich kleinere, ist Chá Por­to Formoso in der Nähe des gleich­namigen Orts. Lediglich in England existiert bei Truro noch eine dritte - mehr gibt es in ganz Europa nicht. In Chá Gorreana werden grü­ner Tee (Chá verde) in der Sorte Hysson und schwarzer Tee (Chá perto) in den Sorten Orange Pekoe (Knospe = er­stes Blatt), Pekoe (zweites Blatt) und Broken Leaf (drittes Blatt) produziert. Es ist möglich, einen Teil der 45 ha großen, umliegenden Felder mit der chinesischen Kamelie Camelia Sinensis und die Produktionshallen zu besichtigen. Die Maschinen stammen alle noch aus dem 19. Jahrhundert.
Maschinen zum Rollen der Blätter, die vordere wird gerade befüllt Die Trockenstrecke nutzt sehr warme Luft. Der Tee durchläuft einen 5-stufigen Ver­ar­beitungsprozess, in dem die Blät­ter zunächst auf großen Sie­ben et­was trock­nen. Dann werden die Zell­wän­de der Blätter in einem Bot­tich mit heißem Dampf aufgebro­chen, sodass der Zellsaft austreten kann. Anschließend werden sie ge­rollt, wodurch sich die Blätter vom Stiel trennen und sortiert werden können. In großen Holzschubladen abgelegt, vollzieht sich beim schwarzen Tee die Oxidation (Fermentation). Nach der endgültigen Sortierung und Trocknung werden sie bis zur Verpackung gelagert. Selbstverständlich habe ich als Tee­lieb­ha­ber von den jährlich produzierten 40 Tonnen Tee zwei etwas größeres "Tee­beutel" mit je einen halben Kilogramm erworben und nach Hause mitgenommen.
Als man mit der Teeproduktion auf den Azoren beginnen wollte, in der Blütezeit gab es 60 Plantagen, holte man sich Teesetzlinge und Spezialisten aus China. Beide kamen, doch die Spezialisten stellten fest, dass es schon Teepflanzen auf den Azoren gab: als Zierpflanzen in den Gärten.
 
heiße Quelle am Lagoa das Furnas Lagoa das Furnas Furnas ist besonders für seine heißen Quel­len bekannt. Im Gebiet der Fuma­rolen wird die Erdwärme auch zum Ko­chen des Cozido ver­wen­det. Das sind in einem hei­ßen Erd­loch in ei­nem gro­ßen Topf zu­sam­men meh­re­re Stun­den ge­koch­te Ge­mü­se-, Fleisch- und Würst­chen­sor­ten - eine kulinarische At­trak­tion dieses Gebiets und echt lecker. Au­ßer­dem bietet sich am Orts­rand die Mög­lich­keit, von Quellen mit unter­schiedlichen Mineralien einen Schluck zu probieren.
Kamelienblüte Karminroter Zylinderputzer Wer in Furnas zumindest ei­nen Nach­mit­tag ver­weilt, soll­te sich un­bedingt den Parque Terra Nostra ansehen. Der bereits 1770 be­gon­ne­ne Auf­bau wur­de trotz wech­seln­der Be­sit­zer bis heute ge­konnt wei­ter­ge­führt. Ein­zig­ar­tig ist die bun­te Mi­schung von Pflan­zen und rund 2500 Bäu­men auf dem 12 ha gro­ßen Are­al, de­ren Mit­tel­punkt das rie­si­ge, teich­ar­ti­ge Ther­mal­be­cken mit ei­sen­hal­ti­gem, 38 °C war­men Was­ser ist. Ent­lang der schier un­end­lich lan­gen We­ge las­sen sich di­ver­se Ka­me­li­en, Mag­no­lien, Aza­le­en, Strelizien, Hibiskus, Araukarien und noch jede Menge mehr be­stau­nen.
 
Grutas do Carvão Wer auf den Azoren auch einmal die unterirdisch Auswirkun­gen der vulkanischen Aktivität sehen möchte, der hat dazu in den Grutas do Carvão (Kohlegruben) an der Rua do Paim in Punta Delgada die Gelegenheit. 1994 ver­schwand hier ein Bau­ar­bei­ter mit sei­nem Press­luft­ham­mer bei Ar­bei­ten an der Stra­ße plötz­lich im Un­ter­grund. Auf die­se Wei­se wur­de die­ser Teil des La­va­tun­nels of­fi­ziell ent­deckt. Vie­le Be­woh­ner des da­rü­ber lie­gen­den Wohn­ge­biets kann­ten ihn schon vor­her, je­doch nicht sein Aus­maß. Die schon vor­her vor­han­de­nen klei­nen Lö­cher oh­ne schein­ba­ren Bo­den nutz­ten sie als will­kom­me­ne Ab­fall­gru­ben. Be­vor der Tun­nel 2008 der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich ge­macht wer­den konn­te, muss­ten sa­gen­haf­te 22 Ton­nen Haus­müll al­lein aus die­sem Teil­stück ent­sorgt wer­den.
Der teil­wei­se zwei­eta­gi­ge Tunnel wird wahrscheinlich insgesamt 5 km lang sein. Er führt vom Vulkan oberhalb Punta Delgadas bis zum Meer. Sein genauer Weg ist jedoch noch nicht vollständig bekannt, da die Enden der bisher bekannten Bereiche verschüttet sind und sich noch keine neuen Öffnungen aufgetan haben, die auf seine genaue Position schließen lassen. Der­zeit sind drei Tei­le von knapp 2 km be­kannt und mehr oder we­ni­ger zu­gäng­lich. Der Na­me rührt von der Far­be der mit ei­ner dün­nen schwar­zen, teils glän­zen­den La­va­schicht be­deck­ten Röh­re her. Koh­le be­fand sich dort nie. Die Gru­tas do Car­vão ist ei­nes der der­zeit 17 al­lein auf São Mi­guel be­kann­ten Höh­len­systeme.
Lagua do Fogo im Krater Lagua do Fogo im Krater
Azoren-Hoch - oder: ein Hoch auf die Azoren
 
Die Sache mit dem Azoren-Hoch ist schnell erläutert. Wie schon eingangs geschrieben, sind die Inseln nicht der Auslöser dieser für Europa wetterbestimmenden Hoch­druck­ge­bie­te. Ihre Oberfläche ist einfach zu gering, um Auswirkungen auf die Wolkenbildung zu ha­ben. Der Grund für die Namensgebung ist ein ganz anderer.
Ende des 19. Jahrhunderts wurden Wettervorhersagen für die an den Azoren vor­bei­füh­ren­den Schifffahrtsrouten zwischen Europa und Amerika und auch für das euro­päische Fest­land selbst immer wichtiger. Auf­grund sei­ner gün­sti­gen La­ge wur­de 1893 das er­ste Te­le­gra­fen­ka­bel zwi­schen Eu­ro­pa und Nord­ame­ri­ka über die Azoren verlegt. Das Örtchen Horta auf Faial diente dabei als Relaisstation. Über dieses Kabel wurden neben den Telegrammen auch Berichte über das Wetter auf den Azo­ren über­mit­telt. Und da es re­la­tiv häu­fig Mel­dun­gen über "Schön­wet­ter­la­gen" wa­ren, die von dort Europa erreichten, bürgerte sich der Na­me Azoren-Hoch dafür ein.
In den 30er-Jahren waren es schon 15 Kabel, die über Horta führten, was diesen be­schau­li­chen Ort zum damals wichtigsten Knotenpunkte für Telegrafenkabel weltweit machte. Zwar verloren die Telegrafenkabel mit Ent­wick­lung der Funk­tech­nik zu­neh­mend an Be­deu­tung, sodass 1969 die letzte Kabelgesellschaft auf Horta ihren Betrieb einstellte, doch der Ort ist immer noch ein Treffpunkt für Segler auf ihren Weg zwischen den Kontinenten. Und alle aus Richtung der Azoren in Europa eintreffenden Hoch­druckgebiete tragen noch immer den Beinamen "Azoren-Hoch".
 
Amateurfunk
 
Lage der Azoren - erstellt mit Free Azimuthal Maps von Tom Epperly, NS6T Zeitweise wollte ich auch die "Radioaktivität" der Azo­ren er­hö­hen, zumal für den Funkbetrieb aufgrund der geltenden CEPT-Regelung keine spezielle Lizenz erforderlich ist. Als Funkstation war ein Elecraft K1 (nur CW) für 40, 30, 20 und 17 m mit im Gepäck. Ich be­ab­sich­tig­te, als CT8/DK3RED an so vie­len Ta­gen wie mög­lich im Ur­laubs­stil er­reich­bar zu sein. Die ver­füg­ba­re Zeit war je­doch stark ein­ge­schränkt. Mehr als 5 Stun­den an ins­ge­samt 5 Ta­gen wur­den es am En­de nicht. An den Wo­chen­en­den, an de­nen die klas­si­schen Kurz­wel­len­bän­der (40 und 20 m) von Con­test­teil­neh­mern be­völ­kert wa­ren, wich ich auf die WARC-Bän­der (30 und 17 m) aus.
 
Schnell wa­ren je­weils die MP-1 als An­ten­ne auf­ge­baut und die Sta­tion ver­ka­belt. Die An­pas­sung war durch Ver­schie­ben der Spu­len­ab­griffs an der MP-1 pro­blem­los mög­lich, so­dass der Trans­cei­ver die vol­le Lei­stung ab­ge­ben konn­te. Die­se Trans­cei­ver-An­ten­nen-Kom­bi­na­tion hat­te sich schon bei mei­nem er­sten Be­such in Liech­ten­stein be­währt, wo ich teil­wei­se Ver­bin­dun­gen über Ent­fer­nun­gen bis 9000 km er­reich­te. Störungen waren auf den Azoren kaum wahrzunehmen. Zu meiner Über­ra­schung wa­ren je­doch nur er­staun­lich we­ni­ge Sta­tio­nen zu auf­zu­neh­men, ob­wohl Eu­ro­pa mit sei­nen vie­len Funk­ama­teu­ren ja nun doch nicht so weit ent­fernt lag. CQ-Ru­fe blie­ben lei­der un­er­hört, ob­wohl ich es auf al­len mög­li­chen Bän­dern pro­bier­te und teil­wei­se nur we­ni­ge Hun­dert Hertz ent­fernt eu­ro­pä­ische Sta­tio­nen zu hö­ren wa­ren. Am letz­ten Tag rief ich ver­­zwei­felt so­gar meh­rere sehr lau­te Sta­tio­nen an - stets oh­ne Er­folg.
 
Wa­rum ich kein QSO er­rei­chen konn­te, muss ich noch er­grün­den. Prin­zi­pi­ell hät­te es mit den zur Ver­fü­gung ste­hen­den 5 W ge­hen müs­sen. Dies be­rich­te­te mir spä­ter auch ein an­de­rer deut­scher Funk­ama­teur, der na­he­zu im glei­chen Zeit­raum auf São Mi­guel ak­tiv war und der auch nur mit 10 W im Ur­laubs­stil funk­te, je­doch mit meh­re­ren Hundert QSOs im Log­buch nach Hau­se fuhr. Ich wer­de da­her die ver­wen­de­te Sta­tions­aus­rüstung in ge­nau der ver­wen­de­ten Kon­fi­gu­ra­tion hier zu Hause noch ein­mal auf­bau­en, um zu­min­dest ei­nen tech­ni­schen De­fekt aus­schlie­ßen zu kön­nen.
 
Obwohl ich als CT8/DK3RED kein QSO verbuchen konnte, war diese Reise kein Miss­erfolg. Dafür sind die Azo­ren ein­fach zu schön und der Auf­ent­halt dort kei­ne ver­lo­re­ne Zeit. Wahr­schein­lich wer­de ich noch ein­mal (mit ei­ner Funk­sta­tion) dort­hin fah­ren, denn es gibt noch vie­le Ge­bie­te und In­seln, die ich nicht ge­se­hen ha­be und die es zu ent­de­cken gibt.
 
PS: Hildegard und Heinrich Schmidt, zwei Mit­rei­sen­de (keine Funk­ama­teu­re), ha­ben ih­re Rei­se­ein­drü­cke in ei­nem Blog ver­öf­fent­licht. Wäh­rend ich erst zu Hau­se die Fo­tos den ge­mach­ten No­ti­zen zu­ord­nen muss­te, konn­ten sie abends gleich al­les "ord­nen" und dank der auf den Azo­ren vie­ler­orts vor­han­de­nen WiFi-Net­ze on­line brin­gen.

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