Jahreswechsel in Liechtenstein

21. Dezember 2013 bis 5. Januar 2014
 
Flagge von Liechtenstein Zum mittlerweile dritten Mal war ich mit einer Funkstation im Fürstentum Liechtenstein unterwegs − diesmal über den Jahreswechsel 2013/2014. Es scheint, dass mich dieses kleine Land in seinen Bann gezogen. Das Wort "unterwegs" betraf dabei wiederum nur mich, denn als "Basislager" und als festen Standort für die Funkstation wählte ich abermals das Berggasthaus Sücka.
 
Berggasthaus Sücka Das Berggasthaus liegt nahe des Wintersportorts Malbun in 1402 m Höhe am Hang des beginnenden Valünatals. Dieser Ort weit oberhalb des (neuen) Tunnels von Triesenberg nach Malbun eignet sich ideal, um einmal völlig abzuschalten. Für das leibliche Wohl wird im Restaurant bestens gesorgt.
 
Ein kleiner Hinweis: Im Winter ist das Berggasthaus nicht (!) mit dem Auto erreichbar, da die im Sommer dafür verwendbare Straße zum alten Tunnel dann als Rodelbahn genutzt wird und ein striktes Fahrverbot herrscht. Außerdem dürfte das Befahren einer spiegelblanken Straße mit schätzungsweise 20 % Steigung nicht jedermanns Sache sein. Wer hinauf möchte, sollte sein Fahrzeug im Tal auf dem großen Parkplatz an der Bushaltestelle "Steg Tunnel" abstellen und von dort entweder den Wanderweg durch den Wald benutzen oder den Gegenverkehr beachtend die Rodelbahn hinauf laufen. In spätestens 20 Minuten ist man oben. Den genauen Standort finden Sie hier. Größere Gepäckstücke werden auf Wunsch (per Telefon) von einem Shuttle-Service nach oben befördert.
 
Aktivitäten in und um Malbun
 
Lage von Liechtenstein Bei einem Urlaub im Winter in Liechtenstein muss man sich nicht nur auf den Besuch der Pisten beschränken, wie die Webseite Winterurlaub in Liechtenstein verdeutlicht. Selbst wenn der älteste Liechtensteiner (der Föhn) wieder einmal um alle Häuser saust, lässt sich die Zeit dort erholsam verbringen. Die im Winter nutzbaren Pisten (alle Schwierigkeitsgrade), Langlauf-Loipen, Skater-Strecken und Winterwanderwege sind in der Broschüre "Winterkarte" von Liechtenstein Tourismus aufgeführt. Die stets gut präparierten Winterwanderweg sind mit langen violetten Holzstangen und Schildern markiert, sodass sie sich selbst bei tiefem Schnee nicht verfehlen lassen. Eine 1000 m lange und am Abend beleuchtete Rodelbahn beginnt direkt vor dem Berggasthaus Sücka − Rodelausleihe im Berggasthaus möglich. Und wer auf Langlauf steht, der kommt auf der nachts teilweise beleuchteten Valünaloop sicher auf seine Kosten.
Blick vom Sareis Blick vom Sareis Blick vom Sareis
Wer einmal die Aussicht auf die Bergwelt genießen möchte, dem empfehle ich einen Besuch im Bergrestaurant Sareis. Zum Sareis kommt man entweder über den an der Kirche in Malbun beginnenden Winterwanderweg oder mit dem Skilift der Bergbahnen Malbun. Ob sich der Weg lohnt, verrät ein Blick auf die Webcam an der Bergstation des Sessellifts. Doch bedenken Sie: Auch wenn es beim Hochlaufen noch trübe dort oben aussieht, kann die Wolkendecke schon eine halbe Stunde später aufreißen und strahlender Sonnenschein herrschen. Oder in Tal ist dicker Nebel, während oben die Sonne scheint.
 
Wandertouren
 
Ich habe mir, wie im vergangenen Winter, gleich am Anfang des Urlaubs ein Paar Schneeschuhe und Stöcke in Malbun bei Malbun Sport ausgeliehen. So ausgerüstet stapfte ich so oft wie möglich durch den zeitweise und stellenweise recht tiefen Schnee. Für die ausgewiesenen Winterwanderwege ist diese Ausrüstung nicht erforderlich, da diese Wege stets festgestampft und somit gut begehbar sind. Doch wer abseits dieser Wege oder gar querfeldein laufen möchte, sollte sie unbedingt dabei haben.
 
Blick von Silum auf Naafkopf (links) bis Falknishorn (rechts) Wanderkarte Fürstentum Liechtenstein Im Winter sind die meisten der auf der Wanderkarte aufgeführten oder bei Liechtenstein Tourismus und/oder bei der Landesverwaltung einsehbaren Wege nur eingeschränkt begehbar. Die rechts zu sehende gute Wanderkarte ist unter anderem auch im Berggasthaus erhältlich. Der Grund für die eingeschränkte Begehbarkeit ist einfach zu verstehen: Erfahrungsgemäß liegt dort während des Winters viel Schnee, sodass sich die Wege samt Markierungen einfach nicht mehr erkennen lassen. Nur manchmal kann man noch einen aufgemalten Hinweis an einem Baum entdecken oder einer der Wegweiser reicht noch aus dem Tiefschnee heraus. In der Regel sind die Wege auf der Rheintalseite weniger verschneit als die abseits davon. Außerdem wird die Schneehöhe mit steigender Höhe über Normalnull immer größer.
 
Trotzdem möchte ich Ihnen hier einige Touren abseits der Winterwanderwege empfehlen, wobei ich ihre Begehbarkeit nicht garantieren kann. Ob das Wandern dort möglich ist, hängt vom Wetter, von den Schneeverhältnissen und letztendlich von Ihrer Kondition und der vorhandenen Ausrüstung ab. Die Touren lassen sich alle auch in umgekehrter Richtung absolvieren, doch in der genannten Richtung läuft es sich einfacher (es geht mehr ab- als aufwärts) oder der Weg lässt sich wie bei der Tour 2 meines Erachtens besser finden.
Blick von Silum ins Rheintal Blick von Silum ins Rheintal
Tour 1 (Sücka − Silum − Gaflei): Ab dem alten Tunnel etwas oberhalb der Sücka führt der Weg auf der Saminatalseite knapp unterhalb des Bergkamms teils im Wald bis zum Aussichtspunkt (1540 m) oberhalb von Silum. Von Silum (1469 m) geht ein Weg weiter in Richtung Bargella und Fürstensteig, dem man auf der Rheintalseite zumindest bis zu dem Punkt folgen kann, an dem er zur Alp Bargella (1663 m) und zum Kamin abzweigt. Wer will kann von dort einen Abstecher zum Bargellasattel (1742 m) machen (etwa 40 Minuten zusätzlich für Hin- und Rückweg einrechnen). Der Rückweg beginnt oberhalb des Parkplatzes Gaflei (nicht erst am Parkplatz) und führt ein Stück oberhalb des Berggasthauses Matu weiter auf der Rheintalseite wieder bis Silum. Dort hat man die Wahl, den anfangs benutzten Weg (Saminatalseite) bis zur Sücka zu nutzen oder auf der Rheintalseite weiter durch den Wald am Hang entlang bis zur anderen Seite des alten Tunnels zu gehen. Dieser Wegabschnitt ist aber stellenweise etwas schmal und dürfte nach starkem Schneefall nicht sicher passierbar sein. Für die gesamte Strecke sind etwa 2,5 Stunden zu veranschlagen. Wer nicht so weit/lange gehen möchte, kann von der Sücka kommend schon in Silum umkehren, wodurch sich die Zeit auf etwa eine Stunde verkürzt.
Blick von unteren Valorschtal auf Helwangspitz (links) bis Drei Schwestern (rechts) Blick von unteren Valorschtal auf Helwangspitz (links) bis Drei Schwestern (rechts)
Tour 2 (Sücka − um den Schönberg − Malbun): Von der Sücka führt dieser Weg am Parkplatz "Steg Tunnel" (1276 m) vorbei auf dem letzten Stück des Winterwanderwegs in Richtung Valorsch. Der Abschnitt bis Hindervalorsch (1456 m) führt halbwegs eben durch den Wald. Danach sind unbedingt Schneeschuhe erforderlich und der Weg Richtung Guschg einzuschlagen. Die in der Sonne gegenüberliegende Talseite ist nahezu baumfrei und daher im Hinblick auf die Lawinen zu meiden. Kurz vor dem Ende, am Abzweig zur Alp Guschg, den Weg zum Sassförkle (1786 m) einschlagen und von dort den Winterwanderweg abwärts bis zur Talstation der Skilifte (oberhalb Schneeflucht) oder bis Malbun/Kirche (1600 m) weiterlaufen. Den Rückweg zur Sücka sollte man mit einem Bus von LIEmobil bis zur Haltestelle "Steg Tunnel" absolvieren. Der Weg entlang der Straße ist nicht angenehm zu laufen. Für den Weg bis zur Talstation oder bis nach Malbun sollte man mindestens 5 Stunden veranschlagen.
 
Ruine Wildschloss Tour 3 (Sücka − Masescha − Vaduz): Dieser Weg führt durch den alten Tunnel abwärts bis Mitätsch (1273 m) und von dort weiter bis Masescha (1240 m). Dort geht es nach 100 m Straße weiter in Richtung Hinterprufatscheng (1107 m) und Ruine des Wildschlosses (847 m). Der letzte Teil des Wegs zum Wildschloss führt im Wald auf einem recht schmalen Weg hinab. Hier ist bei viel Schnee Vorsicht geboten! Schloss Vaduz Von dort geht es auf kürzestem Weg Richtung Schloss Vaduz (600 m), wobei sich im letzten Bereich eine Abkürzung durch den Schlosswald nehmen lässt. Diese Tour ist zwar recht lang, doch da es hauptsächlich eben oder abwärts geht, ist sie in etwa 3,5 Stunden zu bewältigen. Ab "Vaduz/Post" nimmt man zuerst den Bus der Linie 21 Richtung Malbun bis zur Bushaltestelle "Steg Tunnel" und dann den Weg zurück bis zu Sücka.
 
Bei Ihren Wanderungen sollten Sie bedenken, dass im Dezember/Januar gegen 17 Uhr Ortszeit die Dunkelheit einsetzt. Dann wird es recht schnell so dunkel, dass kaum noch Wege erkennbar sind. Sie sollten sich spätestens dann wieder in der Nähe von Häusern oder auf Straßen bewegen. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie es an einem Tag noch bis zum Ende schaffen, so starten Sie lieber einen Tag später und vor allem früher.
 
Funkstation
 
Neben Erholung in der winterlichen Natur erhoffte ich mir auch Entspannung als HB0/DK3RED/P an der Funkstation. Und diese Erwartung wurde voll erfüllt. Als Transceiver kam wieder ein Elecraft K1 für 40 bis 17 m mit 5 W Ausgangsleistung an einer selbstgebaute Multibandantenne zum Einsatz.
 
Bei meiner ersten Funkaktivität vom Berggasthaus hatte ich nur eine relativ kleine Antenne mitgenommen. Ich kannte das Haus nur von außen und konnte daher nicht abschätzen, von welchem Zimmer sich eine Antenne wohin spannen lassen würde. Die kurze Antenne hätte ich notfalls senkrecht am Mast aus dem Fenster schieben und irgendwie befestigen können − musste ich aber nicht machen.
Strecken ermitteln auf www.findlotsize.com Diesmal kannte ich zwar die Örtlichkeiten besser, hatte jedoch bei der vergangenen Aktivität aufgrund des tiefen Schnees und der Hanglage keine Vermessungsarbeiten durchgeführt. Doch dafür ließ sich schon im Vorfeld gut www.findlotsize.com nutzen. Man muss nur wissen (oder ahnen), was die einzelnen Sachen auf dem Satellitenbild in Wirklichkeit darstellen. Die Seite ist eigentlich für die Ermittlung von Grundstücksflächen bestimmt. Sie eignet sich aber auch gut dafür, um zum Beispiel die Entfernungen bis zu möglichen Abspannpunkten abzuschätzen. Man muss lediglich die Adresse eingeben, den gewünschten Ausschnitt genau einstellen, "Distance" aktivieren und zwei Marker setzen. Dann wird die gesuchte Entfernung angezeigt. So konnte ich mir schon zu Hause eine wesentlich längere Antenne bauen.
 
Ich habe versucht, so oft wie möglich an den späten Nachmittagen und/oder frühen Abenden in CW aktiv zu sein (Urlaubsstil). An insgesamt 14 Tagen konnte ich in etwa 31 Stunden am Ende 403 QSOs führen. Der Hauptteil der Verbindungen wurde auf 30 m (74 %) erreicht, gefolgt von 40 m (22 %). 20 m und 17 m waren mit je 2 % nicht so ergiebig. Unter den 37 erreichten DXCC-Gebieten befanden sich erwartungsgemäß hauptsächlich Stationen aus Europa. Doch es gelangen auch mehrere DX-Verbindungen mit dem asiatischen Teil Russlands und den USA. Besonders die Verbindungen auf 40 m an die Westküste zu W7ZI (8332 km) und nach Colorado zu K0RF (8378 km) freuten mich. Da war scheinbar kurzzeitig ein "Übertragungskanal" offen, den es gelangen beim Sonnenaufgang (Grey Line) gleich mehrere QSOs in die USA hintereinander.
 
Die erreichten Stationen befinden sich auf 3 Kontinenten (NA, EU, AS) und in 8 CQ-Zonen (WAZ 3, 4, 5, 14, 15, 16, 17, 20). Pro Tag fanden zwischen 3 und 87 QSOs Eingang ins Logbuch. Wenn ich die relativ wenigen an der Funkstation verbrachten Stunden und die geringe Sendeleitung in Betracht ziehe, ist dieses Ergebnis wiederum weit mehr als ich erwartet hatte. Obwohl es manchmal recht mühselig war, rief ich in der überwiegenden Zeit selbst CQ. Nur einige Sonderstationen rief ich direkt an − was auch problemlos nach einem oder zwei Versuchen gelang.
 
Meldungen im DX-Cluster Die Operatoren zweier Stationen teilten mir nach ihrem QSO mit, dass sie mich im DX-Cluster genannt hatten. Der Ansturm hielt sich jedoch in Grenzen oder war gar nicht zu merken. Zu anderen Zeitpunkten bemerkte ich schon, dass ich im DX-Cluster genannt wurde. Doch insgesamt gesehen, blieb es ruhig um die benutzte Frequenz. Manchmal musste ich etwas rücken, weil eine bei mir laut einfallende Station mein leises Signal scheinbar nicht hörte und daher in 100 Hz Abstand selbst CQ rief. Doch wozu gibt es den VFO-Knopf und kein Kanalraster auf den Bändern. ;o)
 
QSL-Karte HB0/DK3RED/P Für alle getätigten Funkverbindungen sind QSL-Karten vom QSL-Shop in Vorbereitung. Sie werden wieder nach der Fertigstellung über das QSL-Büro des DARC e.V. versandt, ohne eingehende QSL-Karten abzuwarten. Doch auch wenn so die QSO-Partner "ohne Arbeit" zu einer QSL-Karte kommen, würde ich mich über den Empfang von Karten freuen, da ich ein notorischer QSL-Karten-Sammler bin. Als ich nach Deutschland zurückkam, lagen schon die ersten QSL-Karten im Briefkasten. Darunter war auch eine SWL-Karte, was mich immer wieder freut.
Nachtrag am 25. Januar 2014: Die letzten QSL-Karten wurden heute via QSL-Büro abgeschickt.
 
SOTA-Programm Während eines QSOs wurde ich einmal auf dem Band gefragt, ob meine Aktivität für SOTA zählt. Das musste ich verneinen. Die Gipfel waren, da es Winter war, ständig von Schnee bedeckt. Da außerdem die Lawinengefahr aufgrund der wechselnden Wetterbedingungen (warme Föhneinbrüche mit starkem Wind gefolgt von kalten Perioden mit viel Neuschnee) relativ hoch war, blieben die Funkaktivitäten auf das Berggasthaus beschränkt. Außerdem müsste man sich beim Begehen der Wege auf die Gipfel im Winter darauf gefasst machen, keine Wegmarkierungen (an Steinen oder niedrigen Pfählen) mehr vorzufinden. Die durch den Schnee verborgenen Untiefen (Löcher, Bäche usw.) stellen weitere Hürden dar. Das ist wesentlich schwieriger, als die oben beschriebenen Wandertouren.
 
Dankeschön
 
Ein herzliches Dankeschön geht auf diesem Wege wieder an die Familie Schädler als Betreiber des Berggasthauses Sücka. Schon nach sehr kurzer Zeit fühlte ich mich in ihrem gemütlichen Haus richtig integriert. So einfach mit einer Funkstation von irgendwo aktiv werden zu können, ist heute nicht mehr überall üblich. Dass ich nicht der einzige Funkamateur bin, der diesen Vorteil zu schätzen weiß, bewies die im Restaurant aushängende QSL-Karte einer Gruppe Niederländer. Laut der Wirtin kommen sie schon seit mehreren Jahren immer Ende November (zum Contest WW DX CW?) auf die Sücka.
 
Und nicht zuletzt bedanke ich mich bei allen, die meine leisen Signale aufnehmen konnten und meine CQ-Rufe beantworteten. Es hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht, zumal ich einige alte Bekannte "on air" wiedergetroffen habe. Ich hoffe, dem einen oder anderen zu einem neuen DXCC-Gebiet oder wenigstens zu einem weiteren Pünktchen auf der einen oder anderen Diplom-Liste verholfen zu haben.
 
Zwar ist Liechtenstein wohl in keiner "Most-wanted"-Liste aufgeführt, doch die Nachfrage nach diesem DXCC-Gebiet ist recht hoch. Wäre dieser Umstand nicht ein Anreiz für Sie, für einen mehr oder weniger langen Zeitraum selbst einmal von dort als Funkamateur aktiv zu werden? Durch das auch in Liechtenstein gültige CEPT-Abkommen erübrigen sich zumindest alle sonst erforderlichen Formalitäten, sodass Sie sich nur noch aufrappeln und Ihre Funkstation mitnehmen müssen. Es muss ja keine Vollzeit-DXpedition mit tonnenweise Technik sein. Eine Aktivierung im Urlaubsstil reicht oft schon aus. Und die Zeiten zwischen den Bandöffnungen lassen sich dort sehr gut verbringen.

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