Berge, Schnee und eine Funkstation

12. - 27. Januar 2013
 
Flagge von Liechtenstein Der Landstrich, in dem ich aufgewachsen bin und in dem ich im­mer noch wohne, ist nahezu eben und liegt nur ungefähr 40 m hoch. Hügel, die nur wenige Meter über die Ebene hinausragen, werden da schon als Berge bezeichnet. Die von meinem Heimat­ort nächstgelegene Stelle, um richtige Berge zu Gesicht zu be­kommen, sind die Alpen. Und Liechtenstein liegt in der Mitte der Alpen. Bei meinem ersten Besuch in Liechtenstein vor fast genau einem halben Jahr habe ich mir das Land schon einmal ange­sehen. Doch es reizte mich, diese im Sommer liebgewonnene Bergwelt im Fürstentum Liechtenstein auch einmal mit Schnee bedeckt im Winter zu erkunden. So reiste ich noch einmal dorthin.
 
Anreise, Unterkunft und Fortbewegung
 
Lage von Liechtenstein Da ich mit dieser Art des Reisens gute Erfahrungen gemacht hatte, nutzte ich wieder den Schlafwagen des City Night Line (CNL) von Berlin bis Zürich. Ausgeschlafen und mit einem klei­nen Frühstück versorgt ging es wiederum weiter in einem be­quemen Intercity bis Sargans nahe am Rhein. Von dort war es nur noch ein kurzes Stück mit einem Bus von LIEmobil über die Liechtensteiner Grenze via Vaduz bis zum Zielort.
 
Berggasthaus Sücka Als Basislager wählte ich diesmal ei­nen möglichst hoch und weit au­ßerhalb einer Ortschaft gelegenen Punkt. Ich entschloss mich für das Berggasthaus Sücka auf 1402 m (47°6′58,6″N, 9°33′54″O). Es liegt im Liechten­steiner Oberland und nicht weit entfernt vom Wintersportgebiet um Malbun und Steg. Aufgrund seiner relativ zentralen Lage eignet sich das Berggasthaus hervorragend als Startpunkt so­wohl für Touren in die Bergwelt als auch für sportliche Aktivi­täten auf den diversen Skipisten und Langlaufloipen sowie für Ausflüge in den Hauptort Vaduz. Über Liechtenstein Tourismus lassen sich jedoch auch Ferienwohnungen, Pen­sionen und Hotels ausfindig machen.
 
Streckenkarte der Busse von LIEmobil © LBA An der Haltestelle Steg/Tunnel (1276 m) der Buslinie 21 befindet sich der zum Berggasthaus nächstgelegene, auf 4 Rädern erreichbare Ort. Von dort geht es nur noch zu Fuß entweder auf dem Wanderweg durch den Wald oder über die Rodelbahn hinauf. Selbstverständlich wird das Haus über die schmale Straße zum alten Tunnel (die Rodel­bahn) und über einen zweiten Fahrweg von dem im Tal gelegenen See per Auto versorgt. Parkplätze sind jedoch im Winter nur nahe der Bus­haltestelle vorhanden. Die Betreiber des Berggasthauses bieten aber einen Shuttle-Dienst an, sodass man die 126 Höhenmeter nicht mit schweren Koffern bewältigen muss. Der Weg ist nur 1200 m lang und mit leichtem Gepäck ohne Probleme zu überwinden. Oben angekom­men stehen Doppelzimmer und Räume für Gruppen zur Verfügung - und selbstverständlich ein Restaurant.
 
Auch im Land selbst war ich wieder mit den grünen Bussen von LIEmobil und zu Fuß unter­wegs. Das Busnetz ist so dicht, dass sich das Autofahren innerhalb von Liechtenstein nicht lohnt. Selbst Skier und Snowboards lassen sich mit den Bussen problemlos transportieren. Die für 54 CHF in jedem Bus von LIEmobil erhältliche Monatskarte rentiert sich auch bei nur 2 Wochen Aufenthalt, wenn man öfters mit den Bussen unterwegs ist.
 
Berge und Schnee ohne Ende
 
fast eingeschneiten Wegweiser mit einem Hinweisschild für den Winterwanderweg oben SOTA-Programm Wanderungen in Liechtenstein sollten im Winter aus Sicherheitsgründen auf die Täler und die niedrigen Berge beschränkt bleiben. Auf die höheren Berge kommt man als normaler Wanderer im Winter nicht so ohne Weiteres. Die ganz hohen, für das SOTA-Programm gültigen Berge sind dann unzu­gänglich. Da spielt es keine Rolle, ob man Schnee­schuhe oder Tourenskier benutzt.
gelb-schwarze Fähnchen zum Absperren bei Lawinengefahr Zwar werden Wagemutige bestimmt ihre Wege auch dort hinauf finden, doch die durch den Schnee verborgenen Untiefen (Löcher, Bäche usw.) und überdeckten Wegmarkierungen (an Steinen oder Pfählen) sollten sie zum Nachdenken und Umkehren bewegen Außerdem dro­hen an den vielen unbewaldeten Hängen relativ oft Lawinen. Eine Ausnahme von dieser Regel stellt der Sareis (2003 m) dar, der aber nicht für das SOTA-Programm zählt.
Doch die Beschränkung auf die tiefer gelegenen Gebiete bedeutet keinesfalls, dass man nun keine Berge mehr zu Gesicht bekommt. Es gibt genügend gut erreichbare Stellen, an deren man einen schönen Ausblick auf die Bergwelt von Liechtenstein, Österreich und der Schweiz hat.
 
Blick oberhalb des Sassfürkle zum Ochsenkopfs (2286 m, SOTA HB0/LI-005) Blick vom oberen Valorschtal zum Galinakopf (2198 m, SOTA HB0/LI-007) Ich lieh mir daher in Malbun für den Urlaub ein Paar Schneeschuhe aus und ließ mich in deren Benutzung einweisen. Dann steuerte ich gleich die Kirche am Ortsrand an, an der einer der Winterwanderwege be­ginnt. Dieser Weg lässt sich bei Be­darf an seinem Umkehrpunkt zu ei­ner langen, aber halbwegs ebenen Tour verlängern, die ich schon im Sommer unternommen hatte. Das Stück des Winter­wanderwegs bis zum Sassfürkle (1746 m) war schnell zurückgelegt, da dieses Wegstück stets soweit in Schuss gehalten wird, dass selbst Wanderer ohne spezielle Ausrüstung und nur mit ihren Wanderschuhen ausgerüstet, auf dem festgestampften Schnee laufen kön­nen. Schneeschuhe oder Tourenskier sind dort nicht erforderlich.
Drei Kapuziner (2084 m, 2071 m, ? m) links und Schönberg (2104 m, SOTA HB0/LI-009) rechts Drei Kapuziner (2084 m, 2071 m, ? m) links und Schönberg (2104 m, SOTA HB0/LI-009) rechts Noch lange nicht ausgelastet, begann ich den Weg um den Schönberg. Doch dort läuft sel­ten jemand, wie sich an den wenigen Spuren ablesen ließ, und die Wegweiser sind oft tief im Schnee versunken. So verwundert es nicht, dass sich der von anderen Wanderern vor­her begangene Pfad als Irrweg erwies. Zwar war von dort der Schönberg und einige Snowboard-Fahrer darauf gut zu sehen, doch der Weg mündete in einen steilen Talkessel. Eine ganze Weile und diverse Anstiege im Tiefschnee den Berg hinauf später hatte ich den auf der Wanderkarte eingezeichneten Weg anhand der vorhandenen Hütten wiederge­funden. So konnte ich den geplanten Weg das Valorschtal abwärts fortsetzen.
Blick vom unteren Valorschtal auf die Bergkette vom Helwangspitz (2000 m, SOTA HB0/LI-011) links bis zu den 3 Schwestern (2034, 2052, 2048 m) rechts Blick vom unteren Valorschtal auf die Bergkette vom Helwangspitz (2000 m, SOTA HB0/LI-011) links bis zu den 3 Schwestern (2034, 2052, 2048 m) rechts
Das Laufen im tiefen Neuschnee macht riesigen Spaß, ist aber auch anstrengend. Man sinkt auch mit Schneeschuhen bei jedem neuen Schritt immer wieder 20 bis 30 cm ein und muss sich so quasi eine Treppe steigend vorwärts bewegen. Doch allein in einer fast un­endlich weißen Pracht zu laufen und nur das "Gmpf, Gmpf, Gmpf" der eigenen Schritte zu vernehmen, lässt einen alles andere fast vergessen.
 
im Valünatal eingefrorener Wasserfall Aber wehe, wehe. Obwohl ich mich als halbwegs sportlich einschätze, hatte ich am nächsten Morgen erst einmal einen gehöri­gen Muskelkater in den Füßen. Das Laufen mit den Schneeschuhen beansprucht scheinbar völlig andere Muskeln, als das normale Wandern in Schuhen. So ließ ich es am nächsten Tag ruhiger angehen und begnügte mich mit einem kleineren Spaziergang ein Stück das Valünatal hinauf. Der Weg beginnt direkt vor dem Berggasthaus. Unten im Valünatal führen auf beiden Seiten des Valünabachs Langlaufloipen und Skater-Wege entlang. Auch ein Winterwanderweg ist mit violetten Holzstangen und Schildern markiert. Doch es stört niemanden, wenn man sich (z.B. mit Schneeschuhen) auf den präparierten Skiwegen bewegt, solange man den Langläufern nicht die Spur zertrampelt. Und das sollte machbar sein, zumal die Wege insgesamt mehrere Meter breit sind.
fast am Ende des Wegs im Valünatal mit dem Naafkopf (2570 m, SOTA HB0/LI-002) links Blick über den Gänglesee das Valünatal hinauf Wenn die Loipen im Tal aufhören, kann man sich mit Schneeschuhen noch eine gute Strecke durch den immer lichter werdenden Wald fort­bewegen. Doch wenn dann plötzlich eine große freie Fläche auftaucht, sollte man seinen Weg beenden. Die dort vor einem aufragenden, nahezu unbewaldeten Berghänge liegen fast immer im Schatten und sind stets dick mit Schnee bedeckt. Ein Weg zu der in dieser Richtung liegenden Pfälzerhütte ist nur etwas für Heißsporne. Mache lieber dort eine Rast und wandere zurück zum Gänglesee am Taleingang.
 
Blick von Silum zur Bergkette aus Naafkopf (2570 m, SOTA HB0/LI-002) links, Hinterer und Vorderer Grauspitz (2599 m, SOTA HB0/LI-001), Falknis (2560 m, SOTA HB0/LI-003), Falknishorn (2321 m) bis zum Mittlerspitz (1899 m) rechts In genau entgegengesetzter Richtung zum Valünatal beginnt ein weiterer, einfach zu begehender Wanderweg. Diesmal ist es kein markierter Winterwanderweg. Doch da diesen Weg viele Leute gehen, ist meistens schon eine Spur getrampelt und man muss nicht durch tiefen Schnee laufen. Schneeschuhe und auch die nicht zu vergessenen Skistöcke bewähren sich aber auch hier, besonders wenn man früh unterwegs ist und in der Nacht Neu­schnee gefallen ist. Der Weg führt Richtung Norden entweder auf der Bergseite der Samina oder des Rheins über Silum nach Gaflei.
Blick von Gaflei ins Rheintal Blick von Gaflei ins Rheintal Blick von Gaflei ins Rheintal
Den Rückweg kann man dann auf den Serpentinen der Straße am Berggasthaus Matu vorbei (oder nicht vorbei) weiter bis Masescha absolvieren. Dort biegt der Philosophenweg ab, auf dem man oberhalb von Rizlina zuerst den alten Tunnel und schließlich wieder das Berggasthaus Sücka erreicht.
 
Bergrestaurant Sareis auf 2000 m Blick vom Sareis (2003 m) zum Nospitz (2091 m, SOTA HB0/LI-010) Das Bergrestaurant Sareis ist so­wohl mit dem Sessellift als auch über den an der Kirche beginnenden Win­terwanderweg erreichbar. Zwar hört der Weg irgendwann auf halber Strecke auf, doch von dort aus las­sen sich zuerst die Skipisten vor­sichtig queren und später der Fahr­weg zum Sareis nutzen. Die Aussicht von oben ist an klaren Tagen überwältigend. Und selbst, wenn im Tal der Nebel hängt, kann es dort oben sonnig sein. Ein Blick auf die Webcam an der Bergstation des Sessel­lifts verschafft den richtigen Überblick und Klarheit darüber, ob sich der Weg hinauf lohnt. Doch bedenken Sie, dass sich das Wetter in den Bergen durchaus einmal schnell in die eine oder andere Richtung ändern kann.
Bergkette von Spitz (2186 m) links, Augstenberg (2359 m, SOTA HB0/LI-004), Nospitz (2091 m, SOTA HB0/LI-010) bis Kirchlespitz (1890 m) rechts und die Schweizer Berge im Hintergrund Bergkette von Spitz (2186 m) links, Augstenberg (2359 m, SOTA HB0/LI-004), Nospitz (2091 m, SOTA HB0/LI-010) bis Kirchlespitz (1890 m) rechts und die Schweizer Berge im Hintergrund Bergkette von Spitz (2186 m) links, Augstenberg (2359 m, SOTA HB0/LI-004), Nospitz (2091 m, SOTA HB0/LI-010) bis Kirchlespitz (1890 m) rechts und die Schweizer Berge im Hintergrund
Die nebenstehende "Wanderkarte Fürstentum Liechtenstein" ist nahezu überall im Land erhältlich. Sie zeigt im Maßstab 1:25000 alle markierten Wanderwege. Wanderkarte Fürstentum Liechtenstein Wem eine elektronische Version lieber ist, dem stehen GEO-Daten von Liechtenstein und GPS-unterstützte Vorschläge für Wanderungen bei der Landesverwaltung und bei Liechtenstein Tourismus zur Ver­fügung. Doch alle 3 Quellen weisen immer nur die im Sommer be­gehbaren Wege aus. Selbstverständlich sind die Wege auch im Winter noch dort, doch dann sollte man sehr genau (!) abschätzen können, ob der anvisierte Weg begehbar ist und ob das eigene Können ihm entspricht. Noch stärker als im Sommer sollte man sich außerdem mit den Wegbeschreibungen vertraut machen, egal, ob man die Papierva­riante oder vielleicht ein GPS-Gerät benutzt. Die auf Steinen ange­brachten Wegmarkierungen sind garantiert nicht zu sehen und Pfähle mit Hinweisschildern können eingeschneit sein. Es ist daher wichtig, sich an den Gipfel, Taleinschnitten und an­deren markanten, auch im Winter erkennbaren Punkten zu orientieren. Hätte ich diesen ehernen Grundsatz auch immer befolgt, wäre ich am ersten Tag nicht in die Irre gegangen.
Bei Liechtenstein Tourismus findet sich auch eine Karte als PDF-Datei, die neben den Pisten und Langlaufloipen rund um Malbun und Steg auch die dort vorhandenen, bestens in Schuss gehaltenen Winterwanderwege aufzeigt. Alle Winterwanderweg sind mit violetten Holzstangen und Schildern markiert.
 
Sportliches Liechtenstein
 
Skilifte in Malbun Wer mit höherer Geschwindigkeit als ein Wanderer Liechtenstein erkunden möchte, für den ist das Wintersportzentrum um Mal­bun und Steg der ideale Ort. In Malbun gibt es 3 von den Bergbahnen Malbun betriebene Skilifte, die Snowboarder und Abfahrtsläufer gleichermaßen auf den Hochegg, ins Täli und auf den Sareis befördern. Dort stehen ihnen insgesamt 23 km Pisten zur Verfügung.
Außerdem gibt es für die ganz kleinen Ski-Fans den Malbi-Park und für die etwas größeren die Schneeflucht. Diese beiden "Ab­fahrten" sind mit Schleppliften ausgerüstet.
Und in Steg beginnen die bereits oben genannten Langlaufloipen und Skater-Wege im Valünatal, die sich auf beiden Seiten des Valünabachs befinden. Der Verein Valünaloop unterhält die insgesamt 15 km langen Strecken. Und wer auch abends noch auf Skiern unterwegs sein möchte, der kann sich auf einer 3 km langen, beleuchteten Rundloipe aus­toben.
 
beleuchtete Naturrodelbahn Sich sportlich Betätigen und gleichzeitig noch eine Menge Spaß haben kann man auch direkt am Berggasthaus Sücka. Dort be­ginnt die 1000 m lange Naturrodelbahn in Form der unbenutzte Straße zum alten Tunnel. Diese Straße eignet sich aufgrund ihrer scharfen Kurven und des hohen Gefälles sehr gut dafür. Doch keine Bange: Die Kurven sind mit Holzbrettern gesichert. Auf dem unteren Bereich ist sogar noch eine Kurve zusätzlich eingebaut.
Zwar wird es im Winter gegen 18 Uhr dunkel, doch dass muss Sie nicht vom Rodelspaß abhalten. Die Rodelbahn ist bis weit in die Nacht beleuchtet. Auch der Weg durch den Wald ist mit Laternen versehen. Wer keinen eigenen Rodel mitbringt, kann sich auch einen vom Berggasthaus holen - einmal ausleihen und den ganzen Tag ro­deln. Das begeistert nicht nur die Kleinen. Auch die Großen werden immer und immer wieder nach unten sausen wollen. Zwischendurch kann man sich ja im Gasthaus aufwär­men, etwas heißes trinken oder sich dort mit dem einen oder anderen Leckerbissen stärken.
Wenn Sie jetzt vielleicht denken, dass eine Rodelbahn nur etwas für Kinder ist, so haben Sie sich getäuscht. Auf dieser Bahn wurden vom Rodelclub Triesenberg am vorletzten Januarwochenende sogar die Rennen zur Schweizer Meisterschaft im Naturrodeln ausge­tragen.
 
Tierisches Liechtenstein
 
Gämse Gämse Wer ruhig durch die Wälder wandert, entdeckt bestimmt auch den einen oder anderen tierischen Bewohner des Landes. Die Gämse rechts war vom stark begangenen Winterwan­derweg oberhalb des belebten Mal­bun (Wochenende) aus zu ent­decken. Das Exemplar links blieb am Fuße des Plattaspitz eine ganze Wei­le etwa 5 m von mir und dem Weg entfernt ruhig stehen. Irgendwann wurde ich ihr schein­bar zu unheimlich und sie brachte sich mit ein paar gekonnten Sprüngen in Sicherheit und außer Sicht.
 
Alpendohle In der Nähe des Berggasthauses ließ sich auch einmal ein Reh erspähen. Die dort ebenfalls besonders abends auftauchenden Hasen verschwanden meist schneller, als ich den Fotoapparat zücken konnte. Wesentlich zutraulicher sind die Alpendohlen. Besonders am Bergrestaurant Sareis lauern sie darauf, einen Bissen vom Teller zu erstehen, wenn die Gäste auf der Sonnen­terrasse sitzen und essen. Doch die Alpendohlen finden sich auch überall dort, wo Wanderer sind und somit Nahrung zu erwarten ist.
 
Schmusekatze beim Schneebad An einer völlig abgelegenen Stelle huschte auch einmal eine Wildkatze in den Wald. Doch so schnell war ich nicht mit dem Fotoapparat. Spuren von ihnen waren hingegen an vielen Stellen zu finden. Es lohnt sich daher immer, bei Wanderungen nicht zu lärmen und nach den vierbeinigen Bewohnern des Landes Ausschau zu halten.
Die Katze links gehört aber definitiv nicht zu den Wildkatzen. Das ist eine der 3 "Stubentiger" des Berggasthauses. Ich hatte den Ein­druck, dass die Hauptbeschäftigung aller 3 Katzen darin bestand, sich unbemerkt ins Restaurant zu schleichen, um eventuell von den Gästen einen leckeren Happen oder eine Streicheleinheit zu ergattern. An sonnigen Tagen nahm die eine oder andere auch schon mal ein Bad im Schnee, schnurrte den Besuchern draußen um die Beine oder versuchte die Krähen zu fangen.
 
Amateurfunklizenz und Aufbau der Funkstation
 
Rufzeichen im Schnee Selbstverständlich war auch während dieses Urlaubs wieder eine Funkstation mit im Gepäck. Da Liechtenstein das CEPT-Abkommen unterzeichnet hat, musste ich keine spezielle Lizenz beantragen und konnte ohne Probleme als HB0/DK3RED/P aktiv werden. Als Stationsausrüstung nutzte ich einen CW-Transceiver Elecraft K1 mit 5 W Ausgangsleistung, eine selbstgebaute Multibandantenne, eine Palm Portable Key und diverses Zubehör. Als Stromversorgung dienten 2 Pakete mit je 10 NiMH-Akkumulatoren und zum Aufladen ein passendes Ladegerät.
 
Funkbetrieb war von vorn herein nur vom Gasthaus aus vorgesehen, denn bei Schnee und Kälte draußen zu funken, ist nicht meine Welt. Im Sommer mache ich so etwas gerne, aber im Winter nicht. Gleich am ersten Tag fragte ich daher die Wirtin des Berggasthauses, ob ich eine Antenne zwischen die um das Haus herum stehenden Bäume spannen dürfte. Da sie schon einige Funkamateure als Gäste beherbergt hatte, stimmt sie ohne weitere Fragen zu.
Antenne (nachgezeichnet) am Berggasthaus Das Berggasthaus liegt oberhalb der Alpe Sücka am Hang. Ich hatte ein Eckzimmer in der dritten Etage, 7 m über Grund. Die dünne Zweidrahtleitung ließ sich im Holzrahmen des Fensters eingeklemmt nach außen führen. Einen Ast der Antenne spannte ich unter Zuhilfenahme einer langen Maurerschnur zum Fuß eines Baums oben am Hang. Als zweiten Abspannpunkt setzte ich einen 6 m langen Teleskopmast ein, den ich mit dicken Gummibändern an einem Pfahl der Zeitanzeige der Rodelbahn befestigte. Dadurch verlief die zweite Hälfte der mechanisch ebenfalls mit Maurerschnur verlängerten Antenne halbwegs waagerecht. Insgesamt bildete sich so ein Antennensystem, das man als Doublet oder Dipol bezeichnen konnte. Die Funkstation selbst stand nahe am Fenster auf einem kleinen Tisch - ideale Voraussetzungen, um einmal nicht mit dem Schreibblock auf den Knien bei Wind, brennender Sonne oder sonstigen Wetterunbilden zu funken.
 
Den ersten Abstimmtest unternahm ich erst am nächsten Tag und nicht gleich an dem Abend, an dem ich die Antenne aufbaute. Der Grund dafür waren die Rauchmelder, die überall in dem zum großen Teilen aus Holz bestehenden Haus installiert sind. Da ich mir nicht sicher war, nicht eventuell doch durch die Funkstation und vagabundierende Hochfrequenz einen Fehlalarm auszulösen, verlegte ich den Test auf die Tagesstunden. Dann hätte ein Alarm nicht zu einem großen Chaos geführt und er hätte sich schnell abschalten lassen. Doch mit den 5 W Ausgangsleistung blieb alles ruhig.
 
vereiste Zweidrahtleitung Schnell war die Antenne auf allen Bändern ausprobiert. Auf dem 17-m-, 20-m- und 30-m-Band ließ sich die Antenne gut an­passen. Jedoch war das 20-m-Band stark verrauscht. Das blieb auch während der nächsten beiden Wochen so. Ein Betrieb auf diesem Band war möglich, machte jedoch keine rechte Freude. Auf dem 40-m-Band konnte ich in den ersten Tagen nur ein Stehwellenverhältnis von 6,8 erreichen. Zu Hause hatte sich die Antenne bei einem Test einwandfrei mit dem eingebauten Antennentuner abstimmen lassen. Das änderte sich, ohne Än­derungen an der Antenne vorgenommen zu haben, zum Ende meines Urlaubs hin. Dann sank das SWV auf 3,3, sodass ich auch dort einige QSOs loggen konnte. An der zeitweise vereisten Zweidrahtleitung lag es nicht, denn auch nach dem Entfernen des Eises blieb das SWV hoch. Aus diesen Gründen war ich während der beiden Wochen hauptsächlich auf dem 30-m- und dem 17-m-Band aktiv. Diese Beschränkung entpuppte sich jedoch als Vorteil, denn auf diesen beiden Bändern werden keine Conteste abgehalten und es sind nur moderate Sendeleitungen erlaubt.
 
Funkbetrieb, QSL-Karten und Dankeschön
 
An insgesamt 10 Tagen konnte in etwa 31 Stunden auf 40, 30, 20 und 17 m insgesamt 315 QSOs führen. Wie erwartet waren unter den 40 erreichten DXCC-Gebieten viele Stationen aus Europa, aber mit Kenia, dem asiatischen Teil Russlands, Kasachstan, Kanada und den USA auch einige DX-Stationen. Als mich auf dem 30-m-Band sogar eine Station aus Neuseeland über eine Entfernung von 18670 km anrief, wurde selbst ich unruhig. Um so mehr freute ich mich über den gelungenen Kontakt und den ehrlichen Rapport (RST 339). Die erreichten Stationen befanden sich auf 5 Kontinenten und in 9 CQ-Zonen. Pro Tag fanden zwischen 2 und 69 QSOs Eingang ins Logbuch. Für mich ist dieses Ergebnis weit mehr als ich erwartet hatte, zumal wenn ich die wenigen an der Funkstation verbrachten Stunden und die geringe Sendeleitung in Betracht ziehe.
 
An allen Tagen rief ich, meistens beginnend auf dem obersten, mit dem K1 nutzbaren Band zuerst um die QRP-Frequenzen herum CQ. Nur wenn dort niemand antwortete, wechselte ich mit meinen CQ-Rufen auf niedrigere Frequenzen und/oder Bänder. Erstaunlich war die relativ große Anzahl von QRP-Stationen, die mich abseits der QRP-Frequenzen anriefen. Es lohnt sich also, selbst dort mit kleiner Sendeleistung nach "raren" Stationen Ausschau zu halten.
Meldungen im DX-Cluster An einigen Tagen waren deutlich die Zeitpunkte zu merken, als ich im DX-Cluster gemeldet wurde. Danach war die von mir genutzte Frequenz merklich belebter, sodass die QSOs etwas kürzer ausfielen. Die Spitze bildete ein Tag, an dem ich 43 QSOs pro Stunde bewältigen konnte. Da kam ich mit dem Loggen kaum nach, zumal ich ganz altmodisch, aber störungsfrei, ein Blatt Papier und einen Schreibstift verwendete. So ein dickes Pile-up, wie es große DXpeditionen auf exotische Inseln zu bewältigen haben, rief ich zum Glück nicht hervor. Doch wenn 3 oder 4 Stationen dicht gedrängt und gleichzeitig anrufen, muss man die Ohren schon ganz schön anstrengen, um sie zu decodieren.
Zum Glück blieben solche "Stresszeiten" die Ausnahme. Mit etwas zeitlichem Abstand muss ich aber sagen, dass es auch lehrreich war, einmal so eine Erfahrung gemacht zu haben. In der Regel war es jedoch wesentlich ruhiger. Dann wollte ich neben dem Rapport von jedem Anrufer zumindest auch noch den Namen wissen. Oft erfuhr ich auf diesem Weg auch Informationen zum Standort und zur verwendeten Station meines Gesprächspartners. Die Funkamateure aus der benachbarten Schweiz wollten alle immer noch Informationen zu meinem genauen Standort haben, obwohl der bei einem so kleinen Land eher zweitrangig erscheint. Nachdem ich ihnen diesen mitteilte, wünschten sie mir stets viel Spaß beim Skifahren - sie kannten wohl alle diese Gegend genau.
 
QSL-Karte HB0/DK3RED/P Für alle Funkverbindungen sind QSL-Karten vom QSL-Shop in Vorbereitung. Sie werden nach der Fertigstellung selbstver­ständlich über das QSL-Büro des DARC e.V. versandt, ohne eingehende QSL-Karten abzuwarten. Trotzdem würde ich mich über den Empfang von QSL-Karte freuen, da ich ein Karten­sammler bin. Eine direkte Bestätigung lag sogar schon im Briefkasten, als ich nach Deutschland zurück kam. Eine zweite traf kurz danach ein.
Nachtrag am 28. Februar 2013: Alle QSL-Karten wurden heute direkt bzw. via QSL-Büro versandt.
 
Ein sehr großes Dankeschön geht auf diesem Wege an die Familie Schädler als Betreiber des Berggasthauses Sücka. Schon nach sehr kurzer Zeit fühlte ich mich in ihrem ge­mütlichen Haus richtig heimisch. Und ich danke noch einmal für die Möglichkeit, überhaupt mit einer Funkstation dort aktiv werden zu können. Das ist in der heutigen Zeit nicht über­all so. Wenn es Störungen durch meine Funkstation gegeben haben sollte, so wurden sie ohne die Entgegnung eines Worts toleriert.
 
Außerdem bedanke ich mich bei allen, die meine leisen Signale aufnehmen konnten. Es hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht. Ich hoffe, dem einen oder anderen zu einem neuen DXCC-Gebiet oder wenigstens zu einem weiteren Pünktchen auf der einen oder anderen Liste verholfen zu haben.
Ein Funkamateur aus den USA fragte sogar per E-Mail an, wann ich auf einem Band wieder aktiv sein werde, da er HB0 auch nach 33 Jahren immer noch nicht ein einziges Mal erreicht hat. Leider war ich während meines Urlaubs offline, sonst hätte ich ihm gerne zu einem "new one" verholfen. Statt dessen muss er nun weiterhin nach einem QSO mit einem der wenigen Funkamateure im Amateurfunkverein Liechtenstein (AFVL) oder einem der öfters im Land aktiven Funkamateure anderer Länder Ausschau halten.
 
P.S.: Wie Sie sehen, ist die Nachfrage nach einem QSO aus Liechtenstein groß, auch wenn dieses DXCC-Gebiet wohl in keiner "Most-wanted"-Liste aufgeführt sein dürfte. Wäre dieser Fakt nicht ein Anreiz für Sie, selbst einmal von dort als Funkamateur aktiv zu werden? Ich kann Ihnen versichern, dass sich auch die Zeiten zwischen den Bandöffnungen dort sehr gut verbringen lassen, sei es nun im Sommer oder im Winter.

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