Kreide, Steine, Wind und Wellen -
als Funkamateur auf Rügen

9. bis 25. April 2011
 
Der Frühling stand vor der Tür. Naja, eigentlich war er laut Kalender schon ein paar Wochen da. Doch wenn man in der Stadt lebt, bekommt man nur wenig davon mit. Also sollte es für längere Zeit ins werdende Grün gehen. Diesmal lag das Ziel jedoch nicht so weit weg, wie sonst. Es ging auf die größte Insel Deutschlands: Rügen (IOTA EU-057).
 
Impressionen
 
Eine Insel? Da hat man doch überhaupt keine Abwechslung. Am Ende fällt man noch wie Robinson Crusoe am Strand auf seine eigenen Fußabdrücke herein und hält sie für die eines Fremden. Wenn Sie auch so oder ähnlich über einen Inselurlaub denkst, so seien Sie versichert, dass es wesentlich mehr dort zu entdecken gibt, als Sie in Ihrer kurzen Zeit dort genießen können.
 
Buschwindröschen Steilküste mit Kreidefelsen Sassnitz, dort wo ich während der beiden Wochen wohnte, liegt an der Westküste der Insel und direkt am Nationalpark Jasmund. Die dort auf dem Hochufer wachsenden Buchenwälder der Stubnitz waren zwar in den ersten Tagen noch etwas kahl, doch zwischen ihnen blühten überall in rauen Mengen Buschwindröschen.
Der Nationalpark ist ein ideales Wandergebiet. Zum einen sind die Strecken alle nicht sehr lang und zum anderen bietet jeder Weg einen anderen Eindruck von diesem Gebiet. Schon fast ein Muss für jeden Besucher sollten die Klippen der Kreideküste sein. Sie ragen teilweise bis zu 118 m (Königsstuhl) hoch. Sehr empfehlen kann ich den Weg auf dem Hochufer von Sassnitz bis zum Königsstuhl. Für den Rückweg bietet sich der Weg am Strand an. Wenn es nicht der gesamte Weg sein soll, so können Sie an einigen (drei ?) Stellen auch zum Strand absteigen oder wieder zum Weg auf dem Hochufer zurückkehren. Erwarten Sie aber bitte am Strand keinen feinen Sand und glatte Wege. In der Regel sind dort nur Kreide, Steine und Fossilien zu finden. Wenn Sie keine größeren Strecken am Strand entlanglaufen wollen, so planen Sie wenigstens einen Abstecher dorthin an einem der Abgänge ein. Gerade vom Strand aus erkennt man das Ausmaß dieser Küstenlinie so richtig.
Huflattich auf einer Kreidefläche an der Hafeneinfahrt von Lohme Gefingerter Lerchensporn Noch ein kleiner Hinweis zur den Kreidefelsen: Auch Sie werden sich garantiert bei der einen oder anderen Gelegenheit am Strand die Schuhe mit Kreide beschmieren, auch wenn Sie es vermeiden wollen. Putzen Sie die Schuhe daher lieber erst danach.
Gerade der Frühling lässt an allen Ecken und Enden Blumen sprießen. Sie ließen sich während der gesamten Zeit überall auf der Insel finden. Sei es auf den vor kurzem abgebrochenen Kreideflächen oder zwischen den Blättern des letzten Jahres, an fast jeder Stelle blühte es. Rasen Sie daher bitte nicht die Wege entlang. Ein Blick nach unten und eine kleine Pause zwischendurch lohnen immer.
 
Seebrücke in Sellin Orangerie im Schlosspark von Putbus Ich hatte den Eindruck, dass die vorherrschende Farbe der Häuser auf Rügen weiß ist. Jedenfalls ist die überwiegende Anzahl der Häuser in den vielen Seebädern in dieser Farbe gehalten und auch fast die gesamte Altstadt von Putbus. Auch die zum Teil noch vorhandenen, mit Reed gedeckten Häuser sind weiß. Verwunderlich ist dies nicht, denn die Kreide der Insel diente in früheren Tagen als Tünche für die Hauswände. Das ist heute nicht anders geworden.
Kreidetagebau in Klementelvitz nahe Sagard Nahe Sagard befindet sich in Klementelvitz ein noch immer in Betrieb befindliche Kreidetagebau. Die auch als Weißes Gold von Rügen bezeichnete Kreide ist sowohl für den Tourismus als auch als Exportgut für Rügen wichtig. Die Kreide von Rügen bildet auf der Insel selbst und weit ab davon ein wichtiges Produkt für Wellness-Produkte.
Kreide im Wasser an der Seebrücke in Sassnitz Die massive Kreideschicht, die unter anderem die Basis von Rügen bildet, lagerte sich in der Kreidezeit (Oberkreide, vor 100 bis 66 Mio. Jahre) auf dem Meeresboden ab. Verschiebungen drückten Teile davon später nach oben und die Kreidefelsen entstanden. Ständig brechen mehr oder weniger große Stück der Felsen ab. Die Ostsee holt sich dann gerade bei stärkerem Seegang die Kreide wieder zurück und löst sie auf. Dann sind, je nach Strömung und Windrichtung, die küstennahen Teile der Ostsee undurchsichtig weiß gefärbt. Ob jedoch die zugesprochene Wellness-Wirkung der Kreide auch bei einem Bad in der Ostsee während dieser Zeit zu verzeichnen ist, wage ich zu bezweifeln.
 
Bärlauch Weidenkätzchen mit Hummel Vielerorts (besonders im Inselinnern) findet sich auch eine Pflanze, die viele als Gemüse- oder Gewürzpflanze kennen: Bärlauch. Wenn man ihn findet, so steht er oft in großen Beständen in schattigen, feuchten und nährstoffreichen Laubwäldern. Kleiner Tipp: Der Schlossgarten (ohne Schloss) von Putbus ist zum Beispiel übersät damit. Alle Teile der Pflanze sind essbar, doch genutzt werden überwiegend nur die Blätter. Probieren Sie es ruhig einmal aus. Sie eignen sich kleingeschnitten sehr gut als Gewürz für Saucen und Kräuterbutter. Sie können leicht erkennen, ob Sie wirklich Bärlauch entdeckt haben. Wenn Sie der charakteristische Geruch in der Nähe der Pflanzen nicht schon überzeugt hat, so knicken Sie einfach ein Blatt ein und reiben Sie es an den Fingern. Es sollte leicht nach Lauch riechen und auch so schmecken. Also: Ein paar Blätter abschneiden und probieren. Es lohnt sich!
Halbinsel Mönchgut Höckerschwäne Natürlich findet sich auch für die Sonnenanbeter und Strandnixen genügend Platz auf der Insel. Die Strände um Glowe sowie zwischen Binz und Prora sind schier endlos. Auch auf der Halbinsel Mönchgut im Süden Rügens gibt es genügend Sandstrände. Mir war jedoch die Ostsee mit 4 °C noch empfindlich zu kühl für ein Bad, sodass ich zur Probe nur mal kurz die Füße hineinsteckte. Den längeren Aufenthalt im kalten Wasser überließ ich dann doch lieber den Schwänen.
 
Wenn man sich auf einer Insel befindet, dann ist auch der eine oder andere Leuchtturm nicht weit. Und Rügen hat 10 aktive und inaktive davon zu bieten.
Leuchtturm Sassnitz Ostmole Fast direkt vor dem Fenster meiner Unterkunft befand sich zum Beispiel am Ende der längsten Außenmole Europas (1450 m) der Turm "Sassnitz Ostmole" (ARLHS FED-207). Gegenüber auf der kürzere Westmole befindet sich die unscheinbarere, 12-eckige Leuchtbake "Sassnitz Richtfeuer" (ARLHS FED-208).
Leuchttürme am Kap Arkona Am Kap Arkona, der nördlichsten Stelle der Insel, sind sogar drei Leuchttürme vorhanden. Der alte (ARLHS FED-065) aus dem Jahr 1827 dient heute nur noch als Aussichtsturm (Schinkelturm), während der direkt daneben stehende neue Turm (ARLHS FED-010) seit 1902 noch immer seinen Dienst versieht. Leuchtturm Ranzow Am Kap Arkona hat auch der ausgediente "Leuchtturm Ranzow" (ARLHS FED-193) einen neuen Standplatz gefunden. Er war von 1904 bis 1999 an der Küste nahe Ranzow (zwischen Lohme und dem Königsstuhl) in Betrieb. Der nahezu baugleiche "Leuchtturm Kollicker Ort" (ARLHS FED-129) wurde 1905 in Betrieb genommen. Er steht noch immer schwer zugänglich in 30 m Höhe auf einem Kreidefelsvorsprung 2 km südöstlich vom Königsstuhl. Man kann ihn bei einer Schifffahrt zu den Kreidefelsen oder vom Strand aus gut sehen. Vom Hochufer aus ist er nicht zugänglich (Steilhang und gesperrte Treppe) und durch die Bäume nur schwer einsehbar.
Weitere Leuchttürme oder Leuchtfeuer befinden sich außerdem noch in Maltzien (ARLHS FED-150), Prora (ARLHS FED-190) und zweimal in Mukran (ARLHS FED-272 und ARLHS FED-159). Eine gut geführte Liste mit vielen zusätzlichen Informationen zu den Leuchttürmen und Leuchtfeuern in Deutschland ist auf der Webseite ARLHS-Liste Deutschland zu finden.
 
Rügen Radio in Glowe Von 1949 bis 1998 war zuerst in Lohme und später zusätzlich in Glowe die Küstenfunkstelle Rügen Radio (DHS/Y5M) aktiv. In der DDR übernahm sie die Kommunikation per Kurzwelle mit der immer stärker wachsenden Handelsflotte zuerst in der Ostsee und später weltweit. Um den Empfang der eher leistungsschwachen Schiffssender nicht durch das eigene, starke Sendesignal zu beeinträchtigen, wurden Sender und Empfänger räumlich getrennt. Rügen Radio in Lohme Die Sendestelle verblieb in Lohme, während die Empfangsstelle 10 km entfernt nach Glowe verlegt wurde. Auf dem Gelände in Lohme stehen noch vier der einst acht Gittermasten. Von den einstmals installierten 8 V-Antennen in Glowe ist hingegen nichts mehr erhalten. Lediglich das Haupt- und einige Nebengebäude sind noch vorhanden. Das Gelände der Empfangsstelle in Glowe soll in den nächsten Jahren einem Hotelkomplex weichen.
 
Während meines Urlaubs gelangen mir auch ein paar "spektakuläre" Fotos, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.
Mutterschiff Haben Sie sich nicht auch schon gewundert, woher im Frühjahr die vielen Schiffe auf den Seen und Flüssen kommen? Nun kann ich zeigen, dass neue Schiffe keineswegs auf Werften gebaut werden, wie oft behauptet, sondern dass sie von den Altschiffen selbst großgezogen werden. An der Einfahrt in den Stadthafen von Sassnitz gelang es mir, dies bei der "Cap Arkona" bildlich festzuhalten. In der mir bisher nicht bekannten Tragezeit fährt das Mutterschiff sowohl Jungschiffe als auch Schiffslarven mit sich herum. Hat der Nachwuchs die Schwimmfähigkeit erreicht, wird er zu Wasser gelassen. Bisher fehlen mir jedoch noch gesicherte Informationen darüber, wie sich die Schiffe fortpflanzen. Erfolgt dies bei Kollisionen auf See, nachts im Hafen liegend oder auf anderen Wegen? Zur Klärung dieser Frage ist noch einige Forschungsarbeit notwendig.
Brieftaube In Sassnitz konnte ich auch erstmals sehen, wie die Nachrichtenübermittlung mit einer Brieftaube funktioniert. Für Mitteilungen nutzt man heutzutage zum Beispiel SMS oder E-Mail. Mit Tauben lassen sich jedoch zumindest Kurznachrichten auch beim Ausfall der elektronischen Kommunikationswege sicher und außerdem noch CO2-neutral versenden, wie dieses Foto beweist. Leider war die Taube mit dem Nachrichtenring am Bein etwas dicker, sodass sie nicht in den Briefkasten passte. Daher wartete sie vor der Haustür sitzend geduldig auf den Empfänger.
 
Attraktionen auf Rügen
 
Nun wird man nicht ständig in den Sommermonaten am Strand liegen oder durch die Wälder streifen wollen. Ein paar alternative Beschäftigungen machen wieder Lust, auf den nächsten Spaziergang oder die nächste Radfahrt.
 
Sandskulpturenfestival − Bilderserie Nach der Premiere im vergangenen Jahr werden diesmal vom 16. April bis 23. Oktober 2011 beim Sandskulpturenfestival täglich in Neddesitz nördlich von Sagard auf 5000 m² wieder Kunstwerke aus Sand präsentiert. In diesem Jahr dreht sich alles um die Wunder und Schönheiten der Erde. 8000 t Sand verwandelten und verwandeln sich zum Beispiel in die chinesische Mauer, die Pyramiden von Gizeh, das Kolosseum in Rom oder vieles andere mehr. Bitte renne nicht durch die beiden Zelte. Die Skulpturen sind sehr liebevoll aufgebaut worden. Und so lässt sich auch nach dem ersten Betrachten auch bei zweiten oder dritten Rundgang immer wieder ein neues Detail entdecken und bewundern. Und die Skulpturen bestehen wirklich aus nichts weiter als festgestampften Sand. Sie können das Festival ja mit einem Besuch des Kreidemuseums in Gummanz (ganz in der Nähe) und/oder mit einem Blick in den Kreidebruch (auch nicht weit weg) verbinden.
 
Von 1. April bis 1. November ist täglich der Alaris Schmetterlingspark in Sassnitz geöffnet. Schmetterlingspark − Bilderserie Das eher unscheinbare Gebäude am Südende der Stadt (nahe der Straße zum Stadthafen) wartet mit einer großen Anzahl exotischer Schmetterlinge auf. Woanders sind die Falter in Vitrinen zu besichtigen − hier kann jedoch der Besucher durch sie hindurch spazieren. Der Besuch lohnt besonders an kühlen Tagen, denn die Gebäude sind für die hauptsächlich südamerikanischen Hauptbewohner gut geheizt. Wer zwischendurch einmal Luft schnappen will, der kann sich auch in der angeschlossenen Cafeteria bei Kaffee und Kuchen für die nächste Entdeckungsrunde stärken.
 
Inselrodelbahn Bergen auf Rügen Ganzjährig und täglich kann man auf der Inselrodelbahn in Bergen auf Rügen ausprobieren, wie sich ein Bobfahrer in etwa fühlt, wenn er durch den Eiskanal saust. Nur gibt es hier kein Eis, sondern zwei Schienen. Dafür sitzt man angeschnallt in einem flachen Rodel und kann die Geschwindigkeit durch Abbremsen selbst steuern. Am Ende der Strecke ist ein Blitzer aufgebaut. Ein Foto kann man sich als Beweis für die Raserei am Ende drucken lassen und mit nach Hause nehmen. Ich kam auch im 2. Versuch "nur" auf knapp 36 km/h. Der Geschwindigkeitsrekord auf der Bahn liegt bei 45,78 km.
 
Kletterwald In unmittelbarer Nähe befindet sich in Bergen auf Rügen der Kletterwald Rügen. Ab dem 16. April 2011 ist er täglich bis Oktober geöffnet. An den auch hier wachsenden Buchen befinden sich in zum Teil recht großen Höhen Plattformen, zwischen denen man sich bewegt. Die Kletterer sind dabei stets mit einem Sicherheitsseil verbunden. Etwas Mut muss man aber besitzen, um sich über wackelnde Balken, an Lassos und mit Seilbahnen von Baum zu Baum zu bewegen. Kondition und Kraft sind darüber hinaus ebenfalls gefragt. Ansonsten ist nach dem ersten Hindernis schon Schluss und man hängt sprichwörtlich in den Seilen. Doch wer es nur mal probieren will, dem sei gesagt: Es gibt derzeit acht Touren mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Man kann also klein (leicht) anfangen und sich dann steigern.
 
Rasender Roland Etwas gemütlicher geht es im Rasender Roland zu. Diese dampflokbetriebene Schmalspureisenbahn fährt seit 1895 von Putbus über Binz, Sellin und Baabe nach Göhren. Während dreier Monaten geht es auch bis Lauterbach Mole. Die 24 km lange Strecke legt man in teilweise über 100 Jahren alten Waggons mit gemütlichen 30 km/h zurück. Fahrräder lassen sich im angehängten Gepäckwagen transportieren.
 
QRP-Station und Logbuch
 
Selbstverständlich war auch bei dieser Reise eine QRP-Station mit dabei. Da es diesmal eine Inlands-DXpedition war, entfiel die Sorge um eine Lizenz. Ich zeige Ihnen nachfolgend, wie sich so eine Station unkompliziert aufbauen lässt.
 
Multibandantenne Die ganze Stationsausrüstung passte, bis auf den Teleskopmast, bei mir in einen kleinen Koffer. Ich nutzte an der QRP-Station eine Multibandantenne für unterwegs, die sich relativ leicht an die vorgefundene Umgebung anpassen lässt. Aus den Grundmaterialien können unter anderem eine Vertikal, eine Up & Outer, ein Dipol, ein Sloper und eine Inverted Vee entstehen. Wichtiges Utensil ist dabei neben dem Teleskopmast der Antennentuner, der auch ein externes Exemplar sein kann.
Station Im Stationskoffer befanden sich folgende Gegenstände.

Transceiver: Elecraft K1 für 40, 30, 20 und 17 m mit 5 W Ausgangsleistung und eingebautem Antennentuner
Antenne: zwei 7,6 m lange Drähte (Lautsprecherleitung) als Strahler und Gegengewicht, 8 m langer Teleskopmast alternativ 10 m langer Teleskopmast von Spieth, 50 m Maurerschnur (1 mm dick), Gummibänder (Gepäckbefestigung am Fahrrad), 6,5 m lange Hühnerleiter (240-Ω-Flachbandkabel)
Zubehör: Lithium-Akkumulator 12 V/2,8 Ah mit Ladegerät, Handtaste Palm Portable Key, Kopfhörer, BNC-Bananenstecker-Adapter, Schreibpapier, Schreibstift


Antenne Das Aufbauen der Antenne war schnell erledigt, nachdem ich mir am ersten Tag einen passenden Aufbauort ausgeguckt und am zweiten Tag die Zustimmung des Hausverwalters eingeholt hatte. Als Halterung für die Antenne diente ein seitlich vor dem Fenster stehender Zaunpfahl. Eine große Halterung oder gar eine Abspannung sind nicht erforderlich, denn so ein Fiberglas-Teleskopmast lässt sich fast überall einfach befestigt und steht dann selbst.
Antenne Hier ist die Technik, die ich gerne und oft anwende. Das Gummiband (1) hielt den Mast (2) sicher durch straffes Umwickeln am Zaunpfahl fest. Dabei sind besonders das untere und das obere Ende wichtig. Daher sind zwei einzelne Gummibänder besser geeignet als das eine (durchgehende) von mir hier verwendete. Da die Hühnerleiter (3) etwas zu kurz war, knüpfte ich ein kurzes Schnurstück (4) bis zum Mast an. Die Hühnerleiter endete so schon einen halben Meter vor dem Mast, doch das störte nicht. So hing die Leitung in etwa 2,5 bis 3 m Höhe und störte niemanden, der darunter entlang gehen wollte. Die Aufbauhöhen der Antenne und des Gegengewichts hängen in erster Linie von den vorgefundenen Örtlichkeiten ab. Den Strahler (5) wickelte ich um den Mast und führte ihn bis zum Anfang der Hühnerleiter. Das Gegengewicht (6) liegt oben auf dem Zaun und führt an seinem Ende dann zum Erdboden hinunter. Die Zweidrahtleitung führte ich durch das Fenster ins Zimmer. Sie knickt dann zwar etwas, bleibt ansonsten aber unversehrt. Wichtig ist, die Hühnerleiter auch am Fenster mit einem kurzen Stück Schnur abzuspannen. Ansonsten würde sie beim Öffnen des Fensters jedes mal hinausrutschen und vielleicht sogar den Transceiver vom Tisch ziehen. Die gesamte Konstruktion ist dann eine Up & Outer oder eine Vertikalantenne mit einem Radial − das ist lediglich eine Ansichtssache. Die oben schon genannte Multibandantenne für unterwegs lässt auch den Aufbau andere Antennensysteme zu, wenn dies die Position der vorgefundenen Abspannpunkte, der Mastbefestigung und/oder des Transceivers erfordern sollten.
Adapter Am Antennentuner verwende ich einen Adapter, der auf der einen Seite Buchsen für Bananenstecker und auf der anderen Seite einen BNC-Stecker besitzt. Die Zweidrahtleitung habe ich dafür schon mit Bananenstecker versehen, wobei die Adern durch kurze Stücke Schrumpfschlauch an den Enden farblich unterschieden sind. Die über den Transceiver geerdete Ader kommt an das Radial, die andere an den Strahler. Einen Balun nutze ich nicht, da die meisten von mir aufgebauten Antennenkonstruktionen sowieso unsymmetrisch sind. Und sollte doch einmal eine symmetrische Variante dabei sein, zum Beispiel ein Dipol, so stört mich die leicht verbeulte Richtcharakteristik durch die einseitig geerdete Zweidrahtleitung nicht. Die Anpassung nimmt letztendlich der Antennentuner im Transceiver vor. An den Adapter können aber auch die beiden Drähte direkt angesteckt werden, wenn dies die Örtlichkeiten erlauben oder erfordern.
 
Transceiver Doch was war das? Beim Beobachten der Bänder schaltete sich plötzlich die Stromversorgung aus. Das trat wiederholbar kurz nach dem Einschalten auf. Und da viel mir wieder ein, was in der Bedienungsanleitung zur Stromversorgung stand: "Das Gerät schaltet sich nach einer Minute ab, wenn es nicht benutzt wird." Und wie soll die Nichtbenutzung erkannt werde, als über den Stromverbrauch. Zu Hause hatte ich sie bisher nur am Elecraft K2 betrieben, der einen höheren Strom beim Empfang zieht als der jetzt angeschaltete K1. Wenn ich innerhalb der Karenzzeit die Sendetaste betätigte, blieb die Stromversorgung eingeschaltet. Waren die Empfangsphasen hingegen länger, musste die Stromversorgung erst wieder eingeschaltet werden. Scheinbar liegt die Schaltschwelle nicht kurz über 0 mA wie vermutet, sondern höher. Das muss ich noch einmal in Ruhe kontrollieren.
Transceiver Doch was jetzt? Sollte ich in regelmäßigen Abständen die Morsetaste betätigen müssen oder mir etwas anderes einfallen lassen? Man müsste einen zusätzlichen Verbraucher für 12 V anschließen. Den hatte ich aber nicht parat, geschweige denn ein passendes zweites Kabel zum Anschluss an die Stromversorgung. Zuerst fielen mir mehrere in Reihe geschaltete Glühlampen für Taschenlampen ein. Auf dem Weg zum nächsten Laden kam ich jedoch an einer Autoreparaturwerkstatt vorbei. Und da ging mir ein Licht auf. Warum sollte sich nicht auch eine Soffitte verwenden lassen, wie sie zur Beleuchtung im Auto Verwendung findet? Diese Lampen sind ohnehin für 12 V ausgelegt. Der Mitarbeiter der Firma, dem ich mein Problem erklärte, bot mir Soffitten in zwei Leistungsklassen an: für 5 W und 10 W. Ich wählte die kleinere Variante.
Zum Glück fand sich in meinem Funkkoffer auch etwas dünner Draht vom Bündeln der Antennendrähte, sodass ich ihn fest um die Enden der Soffitte wickeln und anschließend im offenen Transceiver anschließen konnte. Damit sich die nun entstehende Wärme nicht im Gehäuse staute, steckte ich ein paar Zahnstocher so ins Gerät, dass der Deckel offen blieb. Es sah nicht sehr elegant aus, funktionierte aber hervorragend. Und wer hat schon einen innen (!) beleuchteten Transceiver? Zwar war der Stromverbrauch nun erheblich höher als für den Transceiver erforderlich, doch nun konnte ich auch länger hören. Der Akkumulator reichte immer noch für die abendliche Kurzweil.
 
QSL-Karte Nun wird den einen oder die andere noch interessieren, mit wie vielen QSOs im Logbuch es denn nach Hause ging. Insgesamt konnte ich 18 Stationen aus Europa (CT, E7, EA, EA6, F, HA, I, LY, LZ, ON, RAeu, SV, Z3) auf den vier zur Verfügung stehenden Bändern erreichen. Aber auch vier DX-Verbindungen (4L, 5N, A4, JY) auf 17 m und 20 m fanden im Logbuch ihren Platz. Am Ende konnte ich 17 DXCC-Gebiete in 6 CQ-Zonen und auf 3 Kontinenten verbuchen.
Wie immer muss ich sagen, dass dies sehr wenig für eine DXpedition wäre. Da ich aber im Urlaub war und das Funken "nur" eine schöne Nebenbeschäftigung sein sollte, interessierten mich nicht, wie viele QSOs ich pro Minute ins Logbuch bekam. Außerdem waren die Zeitpunkte, zu denen ich "in der Luft" war, im Hinblick auf die Ausbreitungsbedingungen für DX-Verbindungen nur selten gut. Wer in dieser Hinsicht mehr erreichen möchte, muss auf einen Teil seines Schlafes und/oder auf Unternehmungen am Tage verzichten. Dafür konnte ich erholt, ausgeschlafen und mit vielen neuen Eindrücken wieder nach Hause fahren. Die QSL-Karten sind schon unterwegs über das Büro.

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