Rund um Island

15. - 28. Juli 2010
 
Globus Flagge von Island Goðan daginn! (Guten Tag!)
Hæ!(Hallo!)
 
Wenn Sie mich kennen oder Sie sich auf meiner Webseite schon etwas umgesehen haben, wissen Sie sicher, dass ich schon vor 4 Jahren einmal eine zweiwöchige Reise quer durch Island unternommen habe. Doch kommen Sie jetzt bitte nicht auf den Gedanken, dass man dann schon alles Sehenswerte in dem relativ kleinen Land entdeckt haben könnte. Dem ist bei weitem nicht so. Und deshalb hat es mich wieder in dieses Land der Gletscher und Geysire gezogen. Diesmal sollte es jedoch nicht über das Hochland gehen, sondern mehr außen herum - auf dem Landweg versteht sich.
 
Reiseroute
 
Mich zog es dabei nur selten in die großen Städte, zumal Island nicht sehr viele davon hat. Im ganzen Land mit seinen 103000 km² leben nur ungefähr 317500 Einwohner (3 Einwohner/km²). Zum Vergleich: Deutschland ist 357000 km² groß und besitzt etwa 81882500 Einwohner (229 Einwohner/km²). Wer alle Bewohner der Hauptstadt Reykjavík kennt, kennt schon mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung Islands. Kennt man auch die in der unmittelbaren Umgebung dazu, sind es schon fast zwei Drittel. Der Rest von 117000 Einwohnern verteilt sich auf eine Fläche, die größer als Portugal oder Ungarn ist.
Das ganze organisatorische Drumherum, um erst einmal nach Island zu kommen, über­nahm Rotel Tours aus Deutschland. Die Reise im Land selbst wurde vom isländischen Reiseunternehmen Guðmundur Jónasson Travel organisiert. Sie stellten den Bus samt Fahrer und deutschsprechendem Reiseleiter.
 
Reiseroute

1. Tag: Reykjavík
2. Tag: Húnavellir nahe Blönduós
3. Tag: Akureyri
4.-6. Tag: Stórutjarnir nahe des Sees Mývatn
7. Tag: Eiðar nahe Egilstaðir
8. Tag: Nesjaskóli nahe Höfn
9./10. Tag: Hörgsland
11./12. Tag: Hella
13. Tag: Reykjavík

Zum Teil fungierten die einzelnen Orte als Ausgangspunkte für Tagestouren zu den in der Nähe befindlichen Sehenswürdigkeiten. Ich war mit einer relativ kleinen Gruppe von Touristen in einem geräumigen Bus unterwegs sein. Ein Allrad-Bus musste es diesmal nicht sein, da wir nur über sehr wenige Pisten fuhren und zum großen Teil die um die gesamte Insel führenden Ringstraße benutzten.
 
Impressionen
 
Am frühen Nachmittag des 1. Tages brach ich mit der Icelandair von Frankfurt aus nach Keflavík, dem internationalen Flughafen in der Nähe von Reykjavík, auf. Da im Sommer die Tage in Island sehr lang sind, unternahm ich zu früher Abendstunde noch eine Stadtbe­sichtigung.
Höfði Hallgrímskirkja Zwar hatten die Geschäfte in der Altstadt schon alle geschlossen, doch die Stadt bot auch noch so einiges. Am Strandweg sticht ein schlichtes Holzhaus hervor, dass sich zwischen den Gebäuden einer Bank und der Polizei behauptet. Es ist das Gästehaus der isländischen Regierung, das Höfði. In ihm trafen sich im Oktober 1986 Ronald Reagan und Michail Gorbatschow. Sie leite­ten mit ihrem Treffen den Beginn der Entspannung zwischen den so genannten Weltmächten ein. Überragt wird die ganze Stadt durch die Hallgrímskirkja, vor der ein Denkmal für Leifur Eiríksson steht. Er betrat schon um das Jahr 1000 herum Amerika, also rund 500 Jahre vor Christoph Kolumbus.
 
Snorralaug Hraunfossar Am 2. Tag ging es dann Richtung Norden vorbei am Hausberg von Reykjavík, der Es­ja, dem Walfjord (Hvalfjörður) durch das Gebiet um den Borgarfjörður, einem gro­ßen landwirtschaftlichen Gebiet im Westen Island, nach Reykholt. Dort wohnte im 12. Jahrhundert Snorri Sturlusons, der Schrei­ber der Saga. Sein damaliges Wohnhaus existiert zwar nicht mehr, doch die zuge­hörige, über einen unterirdischen Gang vom Haus zu erreichende Ba­destelle Snorralaug und der Friedhof. Ganz in der Nähe befinden sich die Lavawasserfälle (Hraunfossar), die auf mehreren hundert Metern Länge in unzähligen Kaskaden aus einem Lavafeld hervorsprudeln.
Grábrók Grábrókarfell Etwas weiter nördlich bot sich die Möglichkeit, den 173 m hohen Vul­kankrater Grábrók zu erklimmen, von dessen Gipfel man bei klarem Wetter eine wunderbare Aussicht hat. Auf was man da eigentlich gera­de hochgelaufen ist, wird einem erst bewusst, wenn man auf den etwas kleineren, nicht besteigbaren Krater Grábrókarfell nebenan blickt. Ziel am Abend war das Hotel Hunavellir nahe Reykir, kurz vor Blönduos.
 
Blönduos Stockfisch Durch das kleine, beidseitig an der Mün­dung des Flusses Blanda gelegenen Dorf Blönduos ging es am 3. Tag in Richtung Osten. Über einen völlig in Nebel gehüllten Bergpass fuhren wir wieder hinunter zur Küste. Dort befindet sich ein Betrieb, der Stockfisch herstellt. Die Gelegenheit nutz­ten wir für einen Fotostopp, denn sonst be­kommt man diesen Fisch (in diesem Fall Dorsch) nur in Tüten verpackt im Laden zu sehen. Und dann sieht er nur noch halb so interessant aus, obwohl er immer noch schmeckt. Man kann ihn auch "mal so nebenbei" essen - gesünder als Chips ist er allemal.
Glaumbær Glaumbær Anschließend ging es zu dem wahrschein­lich bekanntesten Torfgehöft Islands. Sol­che Häuser wie in Glaumbær findet man im ganzen Land verstreut, wenn auch oft nicht so gut erhalten. Kleiner Tipp: Stürzen Sie nach dem Besuch des mehrere Häuser um­fassenden Museums nicht gleich wieder ins Auto, sondern setzen Sie sich einmal in das zum Tal hin gelegene Café. Es entstand aus einem kleinen Wohnhaus und ist urgemütlich eingerichtet - der Ku­chen und die Fischstullen schmecken dort ausgezeichnet. Außerdem trägt die Bedienung dort stets die in dieser Gegend übliche Tracht.
Öxnadalur Schafe im Öxnadalur Vielerorts sind vereinzelt Schafe in den Bergen zu sehen. Da sie über große Teile des Jahres dort leben, sind sie sehr scheu. Bei einer kurzen Rast im Öxnadalur waren ein paar Exemplare etwas zutraulicher. An­sonsten sieht man sie nur aus der Nähe, wenn sie das Salz von der Straße lecken und erst kurz vor dem Eintreffen des Auto beiseitespringen.
Schnee-Enzian Eyrarlandsstofa im Botanischen Garten von Akureyri Wenn man genauer hinsieht, ist die­se scheinbar eher karge Gebirgshei­de (Öxnadalsheiði) voll von Pflanzen.
Ziel am Abend war Akureyri, die heimliche Hauptstadt des Nordens. Dadurch, dass die Stadt weit im Innern des langen Inselfjords (Eyja­fjörður) errichtet wurde, ist es dort recht mild und sogar ein Botanischer Garten (Lystigarður Akureyrar) vorhanden. Auf der Webseite des Botanischen Gartens Akureyri finden Sie auch eine sehr umfangreiche Bildersammlung der isländischen Pflan­zen - sehenswert!
Wenn Sie vom Stadtzentrum entlang des Fjords zum Nonnahús, dem ehemaligen Wohnhaus des Schriftstellers Jón Sveinsson, gehen, so machen Sie unbedingt einen Stopp bei der Eisdiele Brynja (Aðalstræti 3). Das ist die Straße, die 600 m weiter auch am Museum vorbeiführt. Das fantastische Eis, das es dort gibt, schaffen Sie bis zum Museum aufzuschlecken. Notfalls holen Sie sich welches auf dem Rückweg - oder besser auf beiden Wegen? Man kann auch nur zum Eisessen dort hingehen. Der Weg lohnt sich allemal!
Leider konnte ich meine Station auch an diesem Abend nicht aufbauen, denn mein Zimmer lag diesmal direkt neben dem Haupteingang des Hótel Edda in Akureyri und ein Festbinden des Mastes oder Spannen des Drahtes war nicht möglich. Und draußen war es mir zu feucht und kalt (Nieselregen, 6 °C).
 
Goðafoss zwei Eisenten (?) Der 4. Tag führte uns in das Gebiet rund um den Mývatn (Mückensee). Zuerst hielten wir am Goðafoss (Göt­terwasserfall), der es nur auf eine bescheidene Fallhöhe von 12 m bringt. Jedoch ergießen sich seine Wassermassen fotogen über eine breite Front in eine Schlucht, nahe der Ringstraße N1. Auch wenn Sie nur einen kurzen Stopp unternehmen, wie wir am Lachsfluss (Laxá), so sehen Sie sich ge­nauer um. Fast immer ist einer der tierischen Bewohner Islands zu entdecken.
Vití an der Krafla am kleinen Vití-Krater Auf der anderen Seite des Mývatn liegt das Vulkansystem der Krafla (818 m). Am Beginn des Ausbruchs im Jahr 1724, dem so genannten Mývatn-Feuer, entstand in der sich bildenden Spalte der Vití-Krater mit 300 m Durchmesser. Auf seinem Grund hat sich mittlerweile ein grü­ner See gebildet. An einigen Stellen des unmittelbar daneben liegenden, kleinen Kraters brodelt aber immer noch heißer Schlamm und tritt schwefelhaltiger Dampf aus der Erde.
stinkender Schwefeltümpel am Hang des Leirhnjúkur mit dem Berggipfel im Hintergrund Lavafeld der Krafla An den durch verschiedene Minera­lien gefärbten Hängen des Leirhn­júkur (592 m) befinden sich blub­bernde, dampfende Tümpel mit Schwefelwasser. Es ist auch möglich, durch das riesiges, stellenweise noch immer dampfendes Lavafeld zu lau­fen, das erst in den Jahren 1975 bis 1985 beim sogenannten Krafla-Feuer entstand.
angezapfte Bohrstellen des Krafla-Kraftwerks von links nach rechts: Sammelstelle, Kühlturm und Turbinenhaus des Krafla-Kraftwerks Doch die in der Erde schlummernde Energie lassen die Isländer nicht nur so einfach ver­puffen. An der Krafla befindet sich eines der 7 Geothermalkraftwerke Islands, das Krafla-Kraftwerk (Kröflustoð), mit einer Leistung von 60 MW. Die Bohrlöcher, die 1000 bis 2000 m in die Tiefe gehen, besitzen am unteren Ende nur wenige Zentimeter Durchmesser. Am oberen Ende sind sie etwa 1 m dick und versiegelt. Der Dampf steigt mit gewaltigem Druck nach oben. Um ihn nutzbar zu machen, muss er bis auf 30 bar verringert werden - der Überschuss hängt als riesige Dampfwolke über jedem Bohrloch und jeder Sammelstelle. Den etwa 200 bis 400 °C heißen Dampf leiten massive Rohre zum Turbinengebäude. Dem Dampf wird die Feuchtigkeit entzogen, sodass heißes Wasser und heiße Luft mit jeweils etwa 190 °C entstehen. Die heiße Luft treibt die Turbinen an. Das heiße, schwefelhaltige Wasser ist behandelt und auf 80 °C heruntergekühlt als heißes Wasser in den Häusern verfügbar. Im Besucherzentrum direkt im Turbinengebäude ist es möglich, sich über Bau und Betrieb der Anlage durch einen kurzen Film informieren zu lassen.
Alle Geothermalkraftwerke Islands erzeugen zusammen 24 % (625 MW) des Stroms und 90 % des heißen Wassers bzw. des Heizwassers für das gesamte Land. Rund 71 % (1872 MW) des Strombedarfs werden von 41 Wasserkraftwerken und 5 % (123 MW) von 3 Kraft­werken auf Basis von Gas, Öl, oder Biogas gedeckt. Satte 50 % des Stroms verbrauchen allein die beiden Aluminiumhütten des Landes und nur 14 % die restliche Industrie.
 
Pseudokrater nahe Stútustaðir Singschwäne Der 5. Tag verdeutlichte den Unterschied zwischen echten Vulkankratern und Pseu­dokratern. Letztere sind besonders im Sü­den des Mývatn um Stútustaðir zu finden. Wie der Name schon vermuten lässt, sind sie nicht durch den Auswurf von Lava ent­standen, sondern durch das Fließen eines breiten Lavastroms über morastiges Ge­biet. Das sich unter dem Lavastrom auf­heizende Wasser bahnte sich mit Explosionen den Weg nach oben, wodurch zwar die Vulkanform entstand, aber kein Lavaschlot im In­nern vorhanden ist. Und denken Sie immer daran, wenn Sie um den Mývatn unterwegs sind: Es ist ein Vogelparadies.
Sumpf-Blutauge Ein Stück weiter östlich sieht man dicht ne­ben der um den See führenden Straße noch recht gut die einst über das Wasser geflossene Lavamasse in Form von ero­dierten Schichten. Lava bringt im heißen Zustand den Tod. Doch ist sie im erkalteten Zustand aufgrund der aus dem Erdinnern mit nach oben transportierten Mineralien ein idealer Nährboden für Pflanzen.
Hverfjall Dimmuborgir Auf der Ostseite des Mývatn liegt der Aschekegel des Hverfjall. Wir begannen unsere Wanderung zu ihm an der Badehöh­le Grjótagjá. Das Wasser in ihr erhitzte sich während der Ausbrüche 1974 bis 1985 auf über 50 °C, kühlt sich jedoch jetzt langsam wieder ab. Trotzdem ist das Baden darin noch immer lebensgefährlich. Von der Höh­le führt der Weg durch ein Lavafeld zum Hverfjall. Laut Geologen soll der Krater vor etwa 2500 Jahren inner­halb von zwei Tagen entstanden sein, als das heiße Magma auf das Grundwasser stieß und so eine gewaltige Wasserdampfexplosion auslöste. Das Ausmaß der damals wirkenden Kräfte kann man beim Blick vom Kraterrand mit 1 km Durchmesser und 140 m Tief nur erahnen. Die Aussicht über den Mývatn mit den weit dahinter liegenden schneebedeckten Bergen ist aber auch nicht zu verachten.
Dimmuborgir Dimmuborgir Am Fuße des Hverfjall liegt ein Lavala­byrinth, die Dunklen Burgen (Dimmubor­gir). Die Lavaformationen bestehen aus Brücken, Türmen, Höhlen, Überhängen und Durchgängen. Wenn man durch dieses Are­al wandert, gehört nicht viel Phantasie da­zu, um allerlei steinerne Gestalten in den gezackten Felsen zu sehen. Sind es Trolle, die es beim Aufgang der Sonne nicht mehr in ihre Höhlen geschafft haben und die daher versteinerten?
Am Nachmittag legte ich mich dann, wie viele andere der Reise­gruppe, zur Entspannung in das warme schwefelhaltige Wasser des Jarðböðin við Mývatn (Mývatn Naturbäder). Doch zu dieser Attraktion später mehr. Den Abend verbrachte ich, wie am Tag vorher und auch am folgenden, an der im Hotel aufgebauten Funkstation.
Húsavík Húsavík Húsavík Der 6. Tag war einer Rundfahrt nördlich des Mývatn vorbehalten. Die Route führte uns zu­erst zur malerischen Hafenstadt Húsavík. Direkt am Hafen werden auch Walbeobachtungs­fahrten angeboten. Wenn Sie mehr Zeit haben, können Sie auch das Phallus-Museum besuchen. Es zeigt mehr als 100 Penisse von Säugetieren, hat aber erst ab 10 Uhr geöff­net. Und da waren wir schon ein gutes Stück weiter.
Hljóðaklettar Ende der Schlucht Ásbyrgi Nach einem kurzem Aufenthalt ging es weiter über die Halbinsel Tjörnes zu den Echofelsen (Hljóðaklettar). Nahe des Glet­scherflusses Jökulsá á Fjöllum sind auf ei­nem Rundweg bizarr erodierte Überreste von Vulkanen, eigenartige Basaltformatio­nen und eine große Höhle zu entdecken.
Die ein Stück weiter südlich liegende Schlucht Ásbyrgi ist 3,5 km lang, 1 km breit und 100 m tief. Sie entstand wahrscheinlich durch zwei sich im Laufe der Zeit vereinende Gletscherflüsse. Diese Entstehungsvariante bezeugt auch der von Norden her in die Schlucht ragende Felskeil Eyjan.
Dettifoss Dettifoss Das Wasser des Gletscherflusses Jökulsá á Fjöllum hatte ich schon an den Echofelsen in der Schlucht gesehen. Nun ging es zu einem der fünf innerhalb von etwa 15 km hintereinander liegenden Wasserfälle in seinem Lauf, dem Dettifoss. Er ist zwar nur 45 m hoch, aber die gewaltigen Mengen (1500 m³/s) graubraunen Wassers ergie­ßen sich über eine 100 m breite Kante in die Tiefe und erzeugen immer einen dichten Dunstschleier.
 
Námaskarð Hang des Námafjall Am 7. Tag verließen wir das Gebiet des Mývatn. Doch zuvor stoppten wir am Fuße des Bergs Námafjall. Dort befindet sich das wohl beeindruckenste Solfatarenfeld Is­lands namens Námaskarð. Schon am Park­platz nimmt das Naturschauspiel alle Sinne in Beschlag. Auf der total vegetationslosen Ebene und an der Flanke des Berges ist alles in kräftig leuchtende Gelb-, Orange- und Brauntöne getaucht.
Krafla vom Námaskarð aus gesehen Überall sind weiße Dampfwolken zu sehen, die zum Teil mit lau­tem Zischen und Fauchen aus der Oberfläche schießen. Außer­dem blubbern und brodeln heiße Schlammtöpfe an allen Ecken. Als Krönung hängt über dem ganzen Gebiet durch den mit aus­tretenden Schwefelwasserstoff ein Geruch von faulen Eiern. Doch Vorsicht: Was da so stinkt ist ein äußerst giftiges Gas! Al­so bitte nicht zu lange einatmen. Zum Glück gibt es noch keine Webseiten mit Geruchsausgabe, denn sonst würden Sie jetzt weiterklicken.
Bauernhof im Möðrudalur mit Herðubreið im Hintergrund Bauernhof im Möðrudalur Die Landschaft verändert sich auf dem Weg Richtung Osten schnell. Ir­gendwann ist alles fast kahl und über das flache Land weht nur der Wind. In dieser Gegend, im Möðru­dalur, liegt auf 469 m Islands höchst gelegener Bauernhof. Im Sommer ist er beliebter Anlaufpunkt für Touri­sten, die dort eine Rast einlegen (leckere Fischstullen). Die Aussicht reicht bis hin zur Königin der Berge, der 1682 m hohen Herðubreið (die Breitschultrige), zum Vulkan Askja und zum Gebirgsmassiv der Kverkfjöll. Im Winter leben dort nur 3 Menschen.
Lagarfjót neugieriges Islandpferd Das Hochland verlassend erreichten wir schließlich Egilsstaðir. Wenn Sie es ein­richten können, so sehen Sie sich einmal im Ostisländischen Heimatmuseum (Minja­safn Austurlands) an, wie eines der Torf­häuser aufgebaut ist. Dort wird es nämlich ohne Torf und Gras ausgestellt. Nebenbei gewähren die dort ausgestellten Exponate einen sehr guten Eindruck von dem Leben, dass die Isländer bis vor nicht mal so langer Zeit führten. Kleiner Tipp: Wenn Sie zum Ausruhen nicht direkt im architektonisch eher uninteressanten Ort bleiben wollen, so laufen Sie an der Tankstelle vorbei in Richtung See Lagarfjót. Dort kann man neben dem Gästehaus auf der Terrasse eines Bauernhofs (mit Pferden) Kaffee und exzellenten Kuchen genießen. Ich kann nur wärmstens warmen Brownie mir Schlagsahne empfehlen. Ein paar der Kalorien gingen dann beim Spaziergang am See wieder verloren. In ihm soll sich der Lagarfjótsormurinn (ein Seeungeheuer wie im Loch Ness) tummeln und einen Goldschatz bewachen. Die Isländer habe ihm sogar einen Spitznamen verpasst: Laggi.
Sendemast in Eiðar Generator, Senderhaus (?) und Bunker für den Sendemast in Eiðar Wir übernachteten diesmal im Hótel Edda in Eiðar, einem sehr kleinen Ort in der Nähe. Schon von weitem fiel mir der riesige Sende­mast auf. Wie ich später erfuhr, dient er dem Isländischen Rundfunk als Sendemast für die Langwelle 207 kHz mit 100 kW. Der gegen Erde iso­lierte Stahlgittermast ist mit Pardu­nen auf 9 Ebenen nach 3 Seiten hin abgespannt. Die Versorgungseinrichtungen befinden sich nahe eines Wohnhauses direkt an der Straße. Der Mast in Eiðar ist mit seinen 220 m das zweithöchste Bauwerk Islands, nach dem Sendemast Gufuskálar (412 m).
 
Blick vom Öxi-Pass in das zum Berufjörður führende Tal Am 8. Tag ging es über die Hochebene Breiðdalsheiði. Unser Weg führte uns jedoch nicht weiter auf der Ringstraße (Hring­vegur), sondern über den Öxi-Pass mit einer Scheitelhöhe von 532 m. Diese Route verkürzt die Fahrstrecke zwischen Egils­staðir und Höfn um 60 km gegenüber der Ringstraße, doch zeit­lich gesehen ist sie länger, da man aufgrund der Schotterpiste und der Steigung von 17% langsamer fahren muss. Dafür ist die Landschaft umwerfend.
Hafen von Djúpivogur mit Langabúð Küstenstraße südlich von Djúpivogur Letztendlich landet man in Djúpi­vogur, einem Dorf mit den typi­schen bunten Häusern, darunter dem alten roten Handelshaus Langa­búð. Gestärkt mit einer guten Suppe (samt Nachschlag) aus dem Langa­búð fuhren wir danach entlang der zerklüfteten Küste in Richtung Sü­den. Doch rasen Sie bitte nicht, um möglichst schnell ans Ziel zu kommen. Die Aussichten von der Küstenstraße aus sind herr­lich. Wer Glück hat, kann auch den einen oder anderen Wal sehen. Ich entdeckte leider keinen.
Stafafell Bergsteinn Harðarson Einen Stopp legten wir auch in Stafafell ein, wo eine Holzkirche aus dem Jahr 1866 zu besichtigen ist. Von Außen ist sie eher im schlichten Grau gehalten, während ihr Inneres von einem intensiven Blau geprägt ist. Nein, unser Reiseleiter Bergsteinn Har­ðarson ließt uns nicht die Leviten, sondern erläutert uns die Geschichte dieses Ge­bäudes. Ziel am Abend war eine für die Sommermonate zum Hótel Edda Nesjum umgebaute Schule in der Nähe von Höfn (offiziell Höfn í Hornafirði, zu deutsch "Hafen im Horn­fjord"). Dort fanden sich Zeit und Platz, auch wieder einmal die Station aufzubauen.
 
Jökulsárlón Küstenseeschwalbe Der nächste Tag, mittlerweile der 9. Tag der Reise, führte uns näher zum größten Gletscher Islands, dem Vat­najökull (Wassergletscher). An einer seiner Gletscherzungen, dem Breiða­merkurjökull, hat sich die Gletscher­lagune (Jökulsárlón) gebildet. Sie ist mit 254 m der tiefste See Islands. Auf ihr ist es möglich, mit kleinen Amphibienfahrzeugen ganz dicht an und zwischen die Eisberge zu fahren (Dauer 40 Minu­ten). In der Jökulsárlón soll es auch Seehunde geben. Doch sie waren weder in der Lagune noch an der Mündung des nahegelegenen Abflusses (Jökulsá á Breiðamerkursandi) zu ent­decken.
Große Raubmöve im Heuwagen nach Ingólfshöfði Nur ein paar Große Raubmöven (Skua) wa­ren zu entdecken. Diesen etwa 55 cm gro­ßen Vögeln sollte man aber eher aus dem Weg gehen, besonders wenn sich in der Nähe ihr auf dem Boden errichtetes Nest befindet. Ein Stück weiter liegt die Halbin­sel Ingólfshöfði. Vom nahe gelegenen Bau­ernhof aus ist es möglich, mit einem leeren Heuwagen die ungefähr 10 km quer über die langsam versandende Meeresbucht zu dem steil aufragenden Vo­gelfelsen zurückzulegen.
Papageitaucher Papageitaucher Uns lockten vor allem die etwa 30 cm gro­ßen Papageitaucher (Lundi) dort hin. Die Vögel mit dem markanten bunten Schnabel nisten in Bruthöhlen, die sie in den Hang graben. Wenn es nicht zu heiß ist, sitzen sie vor den Höhlen und lassen sich auch durch Touristen nicht sonderlich stören. Auf 3 bis 4 m kommt man ohne Probleme an sie heran, wenn man sich langsam bewegt. Neben den Papageitauchern gibt es aber noch viele weitere Vogelarten zu entdecken, auch wenn diese meisten nicht so gut zu finden waren. Vorsicht: Auf der Grasfläche brühten auch Großen Raubmöven. Wenn sie Sie im Sturzflug angreifen sollten, so ducken Sie sich nicht, sondern halten Sie einen Stock (zur Not auch die Hand) möglichst weit nach oben und gehen Sie weiter.
Núpsstaður Wieder zurück auf der Ringstraße, die auch den Namen Natio­nalstraße 1 (Þjóðvegur 1) trägt, stoppten wir in Núpsstaður. Dort befinden sich auf einer Farm mehrere Grassodenhäuser. Sie wurden bis 1930 bewohnt und dienen heute nur noch als Schuppen oder stehen leer. Sehenswert ist die kleine Kirche ne­benan. Doch passen Sie auf und stoßen Sie sich weder beim Betreten noch in Innern den Kopf.
In fast unmittelbarer Nähe lag unser abendliches Ziel (Hörgs­land), dass uns in den kommenden beiden Nächten als Unter­kunft (und mir als Shack) diente. Wenn Sie nun unter diesem Namen einen mehr oder weniger großen Ort vermuten, so sind Sie genauso wie ich einem Irrtum aufgesessen. Die Orientierung aus der Ferne fällt mit einer auf Städte gerichteten Denkweise etwas schwer. Die Erleuchtung findet man erst in Island. Auf den riesigen blauen Wegweisern sind sowohl Dörfer (egal welcher Größe) und Städte, als auch Farmen und Bauernhöfe mit einem Namen eingetragen, egal wer dort gerade wohnt.
 
Skaftafellsheiði links und Skaftafellsjökull rechts Gletscherwanderer Am 10. Tag fuhren wir ein Stück zurück bis zum Skaftafell-National­park. Der Tag begann mit tiefhän­genden Wolken, die sich jedoch bei unserem Näherkommen lichteten. Beim Ankommen schien sogar die Sonne - noch. Die riesigen Glet­scherzungen, die vom Vatnajökull gespeist werden, präsentierten sich sprichwörtlich von ihrer besten Seite. Wer will, kann auch mit Spikes, Eispickel und Helm ausgerüstet, geführte Touren auf so einer zerklüfteten Eisebene unternehmen.
Svínafellsjökull Uns genügte der Blick von einem Bergrücken auf den Svína­fellsjökull. Zu der Zeit, als ich das Foto links aufgenommen habe, waren mindestens drei Wandergruppen auf dem Glet­scher unterwegs. Eine davon habe ich mit einem Pfeil gekenn­zeichnet, um Ihnen die Dimensionen dieser Eislandschaft zu verdeutlichen. Na, haben Sie immer noch Lust, als Durch­schnittstourist oder Gelegenheitsalpinist auf einem Gletscher herumzuspazieren? Wenn Sie diese Frage immer noch mit ja beantworten, so seien Ihnen noch Folgendes auf den Weg ge­geben:
Scharfe Fetthenne Arktisches Weidenröschen Ich habe mir die Leute, die nach einer sol­chen geführten Tour gerade vom Gletscher zurückkamen, mal genauer angesehen: Sie waren körperlich völlig erschöpft, obwohl das nur kurze Touren sind. Mit Aktivurlaub oder gar Erholung hat so etwas nichts mehr zu tun. Um dies genießen zu können, sollte man aktiver Alpinist oder zumindest trainierter Sportler sein. Die unmittelbar neben der Eiswüste wachsenden Blumen werden den "Eisläufern" be­stimmt entgangen sein.
Svartifoss Magnúsarfoss Hundafoss Am Zeltplatz nahe dem Ser­vice-Center beginnen mar­kierte Wanderwege auf die Skaftafellsheiði. Das ist ein flacher Gebirgsrücken zwi­schen zwei Gletscherzungen. Gleich am Beginn gab es Wasserfälle im 3er-Pack: Zu­erst den Hundafoss, dann den Magnúsarfoss und am Ende den Svartifoss, den Schwarzen Wasserfall. Der Letztgenannte ist wahrscheinlich der bekannteste. Er ist nur 10 m hoch, doch seine Umgebung lässt ihn aus der Vielzahl anderer Wasserfälle dieser Ge­gend hervorstechen. Tiefschwarze, wie Orgelpfeifen angeordnete Basaltsäulen bilden die Kante, über die das Wasser hinabstürzt.
Rotdrossel und Engelwurz Leider wurde das Wetter wieder schlechter und leichter Regen setzte ein. So verkürzten wir die eigentlich für 7 Stunden geplante Wan­derung stark. Neues Ziel war ein über dem Skaftafellsjökull gelegener Aussichtspunkt namens Sjónarsker. Unterwegs waren immer wieder verschiedene Vogelarten aus unmittelbarer Nähe zu entdecken. Auch ein Schneehuhn war darunter, das sich jedoch schnell wieder in sein Versteck unter einem dichten Strauch verdrückte.
Skaftafellsjökull im Nebel und Nieselregen Bei unserer Ankunft am Sjónarsker war der unter uns liegende Gletscher gerade noch im Nebel und Nieselregen auszumachen. Augenblicke später war er ganz ver­schwunden. Der für das Mittagessen mitgebrachte Proviant wur­de daher in aller Eile verzehrt - und schon ging es auf den Rückweg. Man kann sich denken, wie ich mir unterwegs bei 5 °C, tief hängenden Wolken, Regen und Wind den "heißen Topf" an unser Unterkunft herbeigesehnt habe. Doch wieder im Ser­vice-Center angekommen, brach auch wieder die Sonne durch. Scheinbar gibt es nicht um­sonst in Island den Ausspruch: "Wenn Ihnen das Wetter in Island nicht gefällt, warten Sie 10 Minuten."
Das Service-Center mit der darin befindlichen Imbissstube ist der ideale Punkt, um sich mit Karten und anderen Informationen einzudecken. Außerdem wird dort auch rund um die Uhr ein kurzer Film über den Gletscherlauf (Hlaup) von 1996 gezeigt. Behalten Sie die im Film gezeigten Bilder in Erinnerung, wenn Sie anschließend über Islands längste Brücke (880 m) fähren. Sie wurde 1996 zu großen Teilen zerstört, doch innerhalb von 2 Wochen provisorisch wieder aufgebaut. Damals wälzten sich Wassermassen von 50000 m³/s vom Gletscher Richtung Meer. Nur zum Vergleich: Der Rheinfall bei Schaffhausen in der Schweiz schafft es dagegen nur auf bescheidene 600 m³/s.
 
Systrafoss Lavafeld Eldhraun Der 11. Tag führte uns zuerst nach Kirk­jubæjarklaustur, wo es über viele Jahrhun­derte verteilt immer wieder Klöster gege­ben hat. Mir gefiel besonders der Systra­foss, der nicht über eine Klippe in die Tiefe stürzt, sondern vorsichtig die Wand herun­terrutscht. Weiter ging es über das riesige Lavafeld Eldhraun, das bei einem riesigen Ausbruch im 18. Jahrhundert entstand. Empfehlung: Steigen Sieeinfach einmal aus und sehen Sie sich diese weite Fläche einmal aus der Nähe an. Es ist erstaunlich, wie sich Moo­se und kleinen Bäume dieses Gebiet langsam wieder zurückerobern (Blaubeeren zum Na­schen gab es gratis dazu).
Vík mit den schwarzen Felsspitzen Reynisdrangar Der nächst größere Ort ist Vík (offiziell Vík í Mýrdal, was "Bucht am sumpfigen Tal" bedeutet). Die Bewohner leben im drohen­den Schatten des Gletschers Mýrdalsjökull, unter dessen Eis­decke der von den Isländern gefürchtete Vulkan Katla schlum­mert. Sollte er ausbrechen und dadurch ein Gletscherlauf be­vorstehen (und der Termin ist längst überfällig), so müssen sich alle Einwohner des Ortes innerhalb von 5 Minuten auf dem höchsten Punkt der Umgebung (der Hügel, auf dem die Kirche steht) einfinden. Dies ist die Zeit, die das durch den Ausbruch geschmolzene Eis nach dem Durchbruch der von dem Gletscher hergeschobene Geröllhalde bis zum Ort benötigt.
Regenbrachvogel Vík hat außer der Wollfabrik Víkurprjón nicht viel zu bieten, sieht man einmal von der schönen Küste ab. Wenn man nicht gerade am Wochenende dort eintrifft, kann man den Arbeitern bei der Herstellung von Wollpullovern, Wollmützen, Wollhand­schuhe, Wollschals, Wollsocken usw. zusehen - und anschlie­ßend in dem die ganze Woche über geöffneten Geschäft im glei­chen Haus erwerben.
Sgógarfoss Knapp 40 km weiter befindet sich der Sgógarfoss. Der 25 m breite und 62 m hohe Wasserfall lässt sich nach dem Bewältigen einer schier unendlich langen Treppe auch von oben bewundern. Von unten erschien er mir jedoch imposanter. In Skógar kann man auch Wanderungen beginnen, die an den nahe Fimmvörðurhals erst im März diesen Jahres entstandenen Vulkanspalten vorbei bis nach Þorsmörk führen (Dauer etwa 2 Tage).
Seljavellir; der Eyjafjallajökull verbirgt sich in den Wolken. Nur etwa 10 km entfernt liegt das Tal Seljavellir. Über dieses Tal hinweg zog im April diesen Jahres der Hauptteil der während des Ausbruchs ausgeworfenen Asche des unter dem Eyjafjallajökull liegenden Vulkans Eyjafjalla. Die Wolke zog zuerst in Richtung Süden und dann über weite Teile Europas hinweg. Nahezu alle umgebenden Berge sehen so aus, als ob dort ein riesiges Feuer getobt hat: schwarz und tot. Das noch vor nicht allzu langer Zeit als Geheimtipp empfohlene, aus einer heißen Quelle gespeiste kleine Schwimmbad Seljavalla­laug ist zwar freigeschaufelt worden, aber menschenleer. Und das so gepriesene "imposan­te Bergpanorama" ist einem Bild der Trauer gewichen. Doch unter der dicken Ascheschicht liegen Wiesen und Weiden - immer noch.
Am Fluss im Seljavellir ist die Ascheschicht noch gut zu erkennen. Ein Teil der im Tal liegenden Asche wurde schon durch die Regenfälle und vom Fluss weggespült. Doch die Farmerfamilie, die das im Tal ge­legene Gehöft bewirtschaftete, hat aufgegeben und ist weggezogen. Nur ein paar Geologen nutzen die leerstehenden Gebäude zur Unter­kunft zwischen ihren Erkundungen im Vulkangebiet. Obwohl die Aus­bruchstelle etwa 4 km entfernt lag und mittlerweile ein Viertel Jahr ins Land gegangen war, lagen noch immer ungefähr 40 cm Asche auf dem Boden des Tals, wie am Flussufer zu sehen war. Während die Asche über Europa den Luftverkehr nur für eine relativ kurze Zeit lähmte, wird es noch Jahre dauern, bis im Seljavellir und den umliegenden Tälern wieder etwas wächst. Doch man darf guter Hoffnung sein: An manchen Stellen brechen sich schon wieder die ersten Pflanzen ihren Weg durch die Ascheschicht ans Licht.
Gljúfurárfoss Seljalandsfoss 10 km weiter scheint die Welt wieder völlig unbe­rührt vom Ausbruch zu sein. Und noch ein Stück weiter Richtung Westen liegen zwei sehr unter­schiedlichen Wasserfälle dicht beieinander. Den schon von weitem sichtbaren Seljalandsfoss (32 m hoch) kann man hintergehen, ohne allzu nass zu werden. Der Gljúfurárfoss verbirgt sich hinge­gen etwas nördlich davon geheimnisvoll hinter einer moosbewachsenen Felsspalte. Er ist tro­ckenen Fußes nicht zu erreichen. Doch nur Mut: Das Wasser ist zwar kalt, aber nicht sehr tief.
Neues Domizil für die nächsten beiden Nächte war das Fosshótel Mosfell in Hella. Zwei Tage boten genügend Zeit, auch die Funkstation wieder aus dem Koffer zu holen. Die nur wenige Meter vor meinem Zimmer wachsende, große Hecke, diente mir als Halterung für den Antennenmast und der daran befestigten Vertikalantenne. Das Radial landete in der Hecke und die Flachbandleitung wurde direkt durch Fenster geführt.
 
Gullfoss Gullfoss Der 12. Tag war einem Gebiet ge­widmet, in das sich wahrscheinlich jeder Tourist begibt, der einmal Is­land besucht: der Golden Ring (Gull­ni hringurinn). Das erste größere Ziel lag am nördlichsten Punkt der Route. Wir starteten ein paar Kilometer süd­westlich am Hótel Gullfoss zu einer Wanderung an der Schlucht der Hvítá entlang zum Gullfoss (Goldener Wasserfall). Die Schlucht Gullfossgljúfur ist 2,5 km lang und 70 m tief. Man sollte sich vorsehen und lieber einen Weg etwas weiter weg vom Abhang wählen, um nicht von dem eigentlich immer wehenden Wind umgerissen und hin­abgeschleudert zu werden. Der Gullfoss ergießt seine 1200 m³/s in zwei fast rechtwinklig zueinander angeordneten Stufen 11 und 20 m in die Klamm. Faule können auch mit dem Auto bis zum Restaurant oberhalb des Wasserfalls fahren und dann die paar Stufen hinun­ter gehen. Die Tour an der Schlucht ist jedoch empfehlenswert.
Strokkur Und spätestens im Haukadalur, Islands bekanntestem Geothermal­gebiet, bekommt jeder, der es will, einen Geysir zu sehen. Ursprüng­lich wurde nur der Große Geysir (Stóri-Geysir) als Geysir bezeichnet, doch mittlerweile hat sich dieser Name in der ganzen Welt für Spring­quellen durchgesetzt. Nicht jedoch in Island. Da heißen sie goshver und tragen jeweils einen eigenen Namen. Der Große Geysir ruht schon seit vielen Jahren. Ihn kann nur die nächste vulkanische Aktivi­tät in dieser Gegend wieder wecken. Doch seien Sie nicht traurig. Der Strokkur (Butterfass) nebenan schafft es zwar nur auf 10 m, doch die sicher alle 5 bis 10 Minuten. Seine Eruptionen kündigen sich mit einer Wasserglocke an. Wenn Sie sie sehen, dann drücken Sie auf den Auslöser Ihres Fotoapparats. Wenn Sie sie verpasst haben, warten Sie einfach kurz. Bitte wählen Sie Ihren Standpunkt neben dem Strokkur mit Bedacht, denn die herausschie­ßende Wasser- und Dampfsäule ist fast 100 °C heiß und kann Verbrühungen hervorrufen.
Skálholt mit den Grundmauern der alten Kirchengebäude im Vordergrund Von 1056 bis zur Reformation im Jahr 1541 war Skálholt das geistliche und zuletzt auch das weltliche Zentrum Islands. Die angeschlossene Schule war über Jahrhunderte hinweg die ein­zige, die eine höhere Bildung ermöglichte. Kurz vor der Refor­mation entstand heimlich in der Klosterschule jene Bibelüber­setzung, die später als erstes Buch in isländischer Sprache ge­druckt wurde. Auf dem Rückweg nach Hella bot sich für ein paar Interessierte und mich noch die Möglichkeit, einen Ritt auf ei­nem Islandpferd zu unternehmen - doch auch dazu später mehr.
 
Almannagjá Kirche in Þingvellir (Þingvellirkirkja) Vom Goldenen Ring hatten wir am Vortag ein für die Isländer historisch wichtiges Stück ausgelassen. Dieses holten wir am 13. Tag auf dem Weg nach Reykjavík nach. Im Þingvellir (Ebene der Volksversammlung) wur­de bereits um 930 die traditionelle Versammlung Alþing abgehalten. Sie verabschiedete Gesetze und voll­streckte auch Urteile.
Graugänse Im Jahr 1000 wurde hier unter anderem die Annahme des Christen­tums beschlossen. Es handelt sich um eines der ältesten Parlamente der Welt, das bis 1798 bestand, als die Dänen es auflösten. An diesem historischen Ort wurde auch am 17. Juni 1944 die Republik Island ausgerufen. Wer genau hinsieht, kann noch heute am Rande des Par­lamentsplatzes und an mehreren Stellen der Allmännerschlucht (Al­mannagjá) verwitterte und überwachsene Steinmauern sehen. Sie dienten damals mit Zeltplanen überdacht als Lagerstätten.
Viele Wasservögel nutzen dieses geschützte wasserreiche Tal mit dem nahe gelegenen großen See Þingvallavatn auch als Rast- oder Nist­platz.
Zwergwal und Walobachtungsschiff Um die Mittagszeit trafen wir wieder in Reykjavík ein. Dort nut­ze ich die Gelegenheit zu einer Walbeobachtungsfahrt auf der vor der Stadt gelegenen Bucht Faxaflói. Schon nach kurzer Fahrt tauchten die ersten Wale auf. Beim Näherkommen waren dann mehrere Exemplare von Zwergwalen auszumachen, die in der Regel nicht voll auftauchen. Auch ein paar kleinere Schweinswale ließen sich entdecken - doch für die war ich zu langsam mit dem Fotoapparat.
Reykjavík mit Hallgrímskirkja Das Abtauchen eines Buckelwals mit der dann aus dem Wasser ragenden charakteristischen Schwanz­flosse war jedoch nicht auszumachen. Doch die Wahr­scheinlichkeit, vor Island überhaupt einen der vielen Walarten zu sichten, ist sehr hoch. Nicht umsonst geben die Veranstalter sogar eine Garantie, dass man Wale sieht - ansonsten kann man sich das Geld wieder erstatten lassen. Von der Bucht aus hat man auch eine sehr gute Sicht auf das Panorama von Reykjavík.
Dómkirkjan (Dom) und Alþingshúsið (Parlamentsgebäude) Menntaskólinn (Gymnasium) Auf dem Weg zurück zum Gäste­haus schlenderten wir noch etwas durch die Altstadt und stöberten in einigen Geschäften. Sehen Sie sich unbedingt einmal eines der dort an­gebotenen Bildbände an. Die ma­chen wirklich Lust, noch einmal nach Island zu fahren. Von den dort ge­zeigten Stellen habe ich auch nach der zweiten Reise und den fast 2700 km, die ich diesmal unterwegs war, erst einen Teil ge­sehen.
 
3D-Relief von Island im Rathaus von Reykjavík Der 14. Tag begann im Vergleich zu den vorangegangenen Ta­gen sehr früh mit der Fahrt zum Flughafen in Keflavík. Da mein Platz am Gang war, konnte ich leider keinen letzten Blick mehr auf die bizarre Berg- und Gletscherwelt werfen. Daher musste als Erinnerung das im Rathaus von Reykjavík (Ráðhús Reykjavíkur) ausgestellte, gut 30 m² große 3D-Relief von Island reichen. (Ein dickes Buch mit genauen Karten ist dort auch vor­handen.) Dafür holte ich während des Flugs etwas vom entgan­gegen Nachtschlaf nach.
 
Attraktionen in Island
 
Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Island denken? In erster Linie werden dies wohl die schon genannten Geysire und Gletscher sein. Dann werden Ihnen noch die Vulkane einfallen, den Europäern aufgrund des Flugverbots im April besonders der unter dem Eyjaflallajökull. Doch es gibt noch weit mehr.
 
Was man nicht versäumen sollte, ist ein Bad in einem heißen Topf. Keine Angst: Das Wasser ist nur zwischen 30 und 40 °C warm, je nachdem, ob man sich nahe oder weiter weg von der Einlassstelle befindet. Zum Kochen eines Touristen reicht es nicht aus. Dafür enthält es sehr viel Schwefel.
Wer nur im Süden unterwegs ist, dem steht dafür zum Beispiel die Bláa Lónið (Blaue Lagune) südlich von Reykjavik zur Verfügung. Dort wird man auch mit kosmetischen Mit­teln versorgt, die einen um Jahre jünger erscheinen lassen sollen.
Jarðböðin við Mývatn Jarðböðin við Mývatn Eine meiner Meinung nach gleich­wertige Alternativ stellt im Norden das Jarðböðin við Mývatn (Mývatn Naturbäder) zwischen Reykjahlið und Námaskarð dar. Wer nach einer Wan­derung oder einem kühlen Tag im großzügig angelegten Freiluftpool mit dem milchig-blauen Wasser liegt, der will die nächsten Stunden nicht mehr aus dem Wasser heraus.
Aber seien Sie nicht traurig, wenn Sie nicht in eines der beiden genannten Lavabecken tauchen können. Heiße Bäder gibt es über das ganze Land verstreut, wenn auch nicht so groß und luxuriös. Fast jede Unterkunft hat so etwas im Freien (!) in Form eines kleinen runden Beckens mit Sitzgelegenheiten für mehrere Personen. Die Entspannung können Sie sich auch dort holen. Kleiner Tipp: Stellen Sie ein kaltes Getränk an bzw. auf den Becken­rand, dann macht die Sache noch einmal soviel Spaß. Und haben Sie keine Angst vor Regen. Die Isländer sitzen sogar im Winter da drin - ohne Mütze.
 
Ausritt Eine Attraktion, die es fast überall in Island gibt, sind Ausritte zu Pferd. Da ich es schon bei meiner ersten Reise nach Island probiert hatte, ließ ich mir auch diesmal nicht die Chance ent­gehen, wieder auf einem Island-Pferd einen kleinen Ritt zu un­ternehmen. Auf der Rückfahrt zum Hotel in Hella setzte daher unser Reiseleiter uns sechs Interessierte auf einem nahe gele­genen Reithof namens Hestheimar ab. Nach einer kurzen Runde in der Halle ging es hinaus über Hügel und mehrere Flüs­se. Gut eingepackt und mit einem Kopfschutz versehen ist das eine lustige Sache. Leider verging die eine Stunde, die wir gebucht hatten, viel zu schnell. Wer Lust auf mehr bekommen hat, der kann auch Tage und Wochen auf dem Pferderücken verbringen und dabei quer durchs Land reiten. Im Prinzip können Sie überall dort einen Ausritt unternehmen, wo Sie auch die Pferde auf den Weiden sehen. Und das ist fast über­all im Land der Fall, besonders aber im Osten und Süden.
 
QRP-Station und Logbuch
 
Selbstverständlich war auch bei dieser Reise eine QRP-Station mit dabei. Trotz voller Aus­rüstung passt so etwas ja immer noch bequem mit ins Gepäck. Das Limit von 20 kg Frei­gepäck bei den Flügen wurde dabei trotzdem nicht überschritten. Außerdem ist Island Mitglied im CEPT, sodass die umständliche Beantragung einer Lizenz entfällt und ich wieder als TF/DK3RED/P aktiv werden konnte.
 
Die ganze Stationsausrüstung passte, bis auf den Teleskopmast, bei mir in einen kleinen Koffer.

Transceiver: Elecraft K1 für 40, 30, 20 und 17 m mit 5 W Ausgangsleistung und einge­bautem Antennentuner
Antenne: zwei 7,6 m lange Drähte (Lautsprecherleitung), 8 m langer Teleskopmast, 50 m Maurerschnur (1 mm dick), Gummibänder (Gepäckbefestigung am Fahrrad), 6,5 m lange Hühnerleiter (240-Ω-Flachbandkabel)
Zubehör: 10-Ah-Lithium-Akkumulator mit Ladegerät, Handtaste Palm Portable Key, Kopf­hörer, BNC-Bananenstecker-Adapter

Stationsausrüstung Doch wie soll der Transport erfolgen? Viele Amateurfunker rät­seln immer herum, wie und wo sie die Station unterbringen. Hier kurz meine Erfahrungen: Stecken Sie Ihr Funkgerät in den Koffer oder ins Handgepäck, das ist egal. Wenn es im Hand­gepäck ist, müssen Sie es jedoch bei jeder Sicherheitskontrolle auspacken. Liegt es im Koffer, wird es nach dem Einchecken einmal kontrolliert - und das war es. Auf keinen Fall darf es sich jedoch aus irgendeinem Grund selbstständig einschalten. Piep­sende Laute aus einem Gepäckstück finden die Sicherheitsleute nicht so lustig. Nehmen Sie daher vorher gegebenenfalls die Akkumulatoren aus dem Ge­rät heraus und verstauen Sie sie separat. Wichtig ist beim Verstauen in dem Gepäckstück, das nicht mit in die Kabine kommt, dass dieses Gepäckstück nicht (!) verschlossen wird. Bei der Sicherheitskontrolle muss der Koffer gegebenenfalls geöffnet werden können, ohne Sie vorher rufen zu müssen.
Diese leidige Erfahrung habe ich im vergangenen Jahr in Südafrika gemacht. Dort hatte ich das Funkgerät in der Reisetasche - und die war mit einem kleinen Schloss gesichert. In Kapstadt hatte ich dann eine Reisetasche mit herausgerissenem Reißverschluss und einem Zettel darin, auf dem ungefähr so etwas stand: "Es ist aufgrund der erhöhten Sicherheits­bestimmungen nicht möglich, ein verdächtiges Gepäckstück und den entsprechenden Rei­senden zusammenzuführen. Daher wurde das Gepäckstück im Beisein eines zweiten Si­cherheitsmitarbeiters geöffnet. Es wurden keine Gegenstände entfernt." Schön ordentlich mit Stempel versehen und von zwei Leuten unterschrieben! Wenn Sie dies umgehen wol­len, lassen Sie das Gepäckstück offen (nicht zuschließen). Damit ein Koffer nicht unfrei­willig einmal aufklappt, können Sie ja ein Kofferband darum legen. Meinen Mast lasse ich immer ganz normal als zweites Gepäckstück einchecken. Da er jedoch relativ lang ist und sich auf den Transportbändern verkanten könnte, muss ich ihn danach fast immer noch zum Sperrgepäckschalter bringen.
 
Multibandantenne Fragen entstehen immer wieder, wenn es um die richtige An­tenne für den Urlaubsort geht. In den meisten Fällen kennt man ja die örtlichen Gegebenheiten nicht. Daher geht schon bei den Abspannpunkte das Rätseln los und endet bei dem zu ver­wendenden Transceiver. Ich nutzte eine Multibandantenne für unterwegs, die sich relativ leicht an die vorgefundene Um­gebung anpassen lässt. Aus den Grundmaterialien können unter anderem eine Vertikal, eine Up & Outer, ein Dipol, ein Sloper und eine Inverted Vee entstehen.
Wichtiges Utensil ist dabei neben dem Teleskopmast der Antennentuner. Ansonsten müsste man jedesmal, wenn man die Antenne aufgebaut hat, einen Abgleich durch Veränderung der Strahler- und/oder Speiseleitungslänge vornehmen. Und dazu habe ich in der Regel keine Lust - da funke ich lieber.
 
Nun wird den einen oder die andere noch interessieren, mit wieviel QSOs im Logbuch es denn nach Hause ging. An insgesamt 7 Tagen konnte ich meine Station aufbauen und er­reichte in rund 8 Stunden insgesamt 33 QSOs aus Europa auf 30, 20 und 17 m. Auf 40 m gelang kein QSO. Es fanden sich am Ende der Reise jeweils ein oder mehrere Stationen aus 9A, CT, DL, E7, EA, I, OH, OK, OM, ON, OZ, PA, RAeu, S5, SM, SP und YO im Logbuch. Pro Tag kamen jeweils zwischen 1 und 12 QSOs ins Logbuch, wobei ich nicht länger als 2 Stunden pro Tag aktiv war.
QSL-Karte Klar ist das zu wenig für eine DXpedition. Aber ich war ja im Urlaub. Da­her interessierten mich nicht, wieviele QSOs ich pro Minute ins Logbuch bekam. Für mich war der Spaß am Hobby wichtiger! Und den hatten ich und hoffentlich auch meine QSO-Partner. Ich rief dabei stets selbst in der Nähe einer der QRP-Frequenzen CQ und wollte ich im QSO stets den realen Rapport und mindestens auch seinen Namen wissen. Waren die Bedingungen besser, wurden auch noch Informationen über den Stand­ort, die Funkstation samt verwendeter Antenne und manchmal auch der Wetterbericht ausgetauscht. So kam es, dass die eine oder andere Ver­bindung schon mal etwas länger dauerte.
 
Erstaunt war ich, als an einigen Tagen auf einmal mehrere laute Stationen gleichzeitig an­riefen und augenscheinlich nur an einem QSO im Stil "599 TU" interessiert waren. Doch so einfach kamen sie mir nicht davon. Mindestens den Name wollte ich stets auch von ihnen wissen. Da ich aber eher auf ruhige Funkverbindungen eingestellt war, beendete ich die Aktivitäten an diesen Tagen recht schnell wieder oder wechselte auf ein anderes Band. Wieder zu Hause angekommen, erkundete ich den Grund für den Andrang. Und der war schnell gefunden: Leider hatten mich einige Funkamateure im DX-Cluster gemeldet. Mei­ner Meinung nach hält so etwas die Funkamateure nur davon ab, mal wieder über das Band zu drehen und selbst (!) zu hören, wer aktiv ist und wohin überall Funkverbindungen möglich sind. Gerade die Ausbreitungsbedingungen zu erforschen hat doch mehr mit Amateurfunk zu tun, als die per Rechner dargebotenen Stationen nach einem Kurz-QSO ins Logbuch zu hämmern. Zwar dauerte es ohne DX-Cluster ein paar Minuten länger, bis jemand mein leises Signal aufnahm, doch Funkverbindungen kamen immer zu stande. Mein Rat: Lassen Sie den DX-Cluster ausgeschaltet und drehen Sie selbst einmal wieder über die Bänder. Dann werden die Aktivitäten auf unseren Bänder abseits von DXpeditio­nen auch wieder aufleben!
 
Ich bedanke mich bei allen, die meine leisen Signale aufnehmen konnten! Die QSL-Karten für alle Verbindungen wurden schon versandt. Da sich das Drucken von speziellen Karten mit Mindestmengen von 500 oder 1000 Stück ökonomisch nicht lohnte, habe ich eine andere Lösung mit Etiketten gewählt.
 
Sælir! (Auf Wiedersehen!)
Bless! (Tschüss!)

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