Bastelwochenende in Jessern

24. bis 26. April 2009
 
Über das ganze Jahr und über das ganze Land verteilt finden da und dort Treffen von Funkamateuren statt, bei denen auch Lötkolben, Schraubendreher und Seitenschneider geschwungen werden. So veranstaltet der Ortsverband Prenzlauer Berg 1 (D15) im DARC e.V. zweimal im Jahr in Jessern am Schwielochsee ein Bastelwochenende. Ein Bastelwochenende, ist das denn sinnvoll? Basteln kann man doch auch zu Hause, werden Sie vielleicht denken. Stimmt, kann man machen, muss man aber nicht. Es macht gleich viel mehr Spaß, wenn man dies im Kreise anderer Funkamateure machen kann. Und außerdem ist bei so einer Veranstaltung immer jemand ansprechbar oder mit entsprechender Messtechnik ausgerüstet, wenn es mal mit einem Projekt nicht klappt oder eine helfende Hand nötig ist.
An diesen Bastelwochenenden, die immer vom Freitagnachmittag bis zum Sonntagnachmittag gehen, sind aber nicht nur die Mitglieder des Ortsverbandes willkommen. Auch andere interessierte Funkamateure werden nicht abgewiesen, wobei eine Anmeldung im Hinblick auf die Unterbringung und die Organisierung der Verpflegung von Vorteil ist. So nutzte ich als Gast die Mitfahrgelegenheit bei Peter, DL2FI, und Niko, DL7NIK, um an meinem zweiten Wochenende dort teilzunehmen.
Im Folgenden möchte ich Ihnen ein paar Eindrücke von dieser Veranstaltung geben. Es gelang mir jedoch nicht, alle Aktivitäten und alle Leute in Bild oder Wort festzuhalten.
 
Helfende Hände waren gleich am Freitag gefragt, als es an den Aufbau einer 3-Element-Yagi für 20 bis 6 m (YP3) von Super Antennas ging. Zwar würde man es auch alleine hinbekommen, doch wenn einer (Peter, DL2FI) die Anleitung für den Zusammenbau vor der Nase hat und andere (Pierre und Niko, DL7NIK) alle Teile in der richtigen Reihenfolge und Position zusammenschrauben, geht es wesentlich schneller und fehlerfreier.
Da Andreas, DL7ULK, beim Aufbau aufgrund der schon reichlich vorhandenen helfenden Hände nicht mehr zugreifen konnte, machte er sich für die Zeit, bis das Koaxialkabel geholt und angeschraubt war, als Halter(ung) für den Beam nützlich. Er "funktionierte" auch gut als Rotor − leider wollte er diesen Job nicht auf die Dauer übernehmen.
Doch letztendlich stand der Mast in der Senkrechten in einem Ständer für Wäschespinnen. Ein paar Seile als Abspannungen verliehen ihm den nötigen Halt. Auf dem nahen Tisch fand kurz darauf die erste Station ihren Platz.
 
Fast den ganzen Sonnabend über mühte sich Manfred mit seinem Peiler für die Mobilfuchsjagd ab. Irgendwie schielte der Peiler immer, bis er endlich nach dem völligen Zerlegen herausfand, dass der von ihm für das Gamma-Match verwendete Messingdraht eine Stahlseele besaß. Und der Stahl brachte den darüber angeordneten magnetischen Richtungssensor völlig aus der Fassung.
Auf dem nun größtenteils mit Rasen bedeckten Schulhof der Herberge "Alte Schule" fand sich auch die eine oder andere Ecke, um ungestört auch größere Antennen aufbauen und testen zu können. Reinhard, DL5ZP, mit seiner XYL, einem auf dem Foto nicht zu sehenden Dipol am Spieth-Mast und seinem QRP-Stationskoffer bildeten schon fast eine Funker-Idylle.
Dagegen versuchte Pierre in dem zum Bastelraum umfunktionierten alten Speiseraum seinen Selbstbau-Transceiver zum Laufen zu bringen. Als er endlich das defekte SMD-Bauteil in der Endstufe fand, raufte er sich die Haare, denn dieses Bauelement hatte er nun wirklich nicht für die Ursache gehalten. Doch er ließ sich dadurch nicht entmutigen und nahm sich gleich die nächste Baugruppe vor.
Peter, DK2WL, nahm die Gelegenheit war, ein Test-QSO mit dem von QRPeter mitgebrachten Elecraft K3 durchzuführen. Als Antenne hatte er die Auswahl zwischen der von Andreas, DL7ULK, am Sonnabend aufgebauten Multibandantenne namens H-Pol und dem bereits am Freitag von mir in einer großen Pappel installierten, etwa 60 m langen Draht. Na, wird das vielleicht sein neuer Transceiver?
Für den Empfang konnte nicht nur er auf die von einem Team der DL-QRP-AG neu entwickelte Aktivantenne zurückgreifen. Die genutzte Version war für 80 m konstruiert, funktionierte aber auch auf 160 m sehr gut. Auch beim direkten Vergleich zwischen dem Langdraht und der Aktivantenne waren mit der eher unscheinbaren Konstruktion und der Anbringung in einem Baum zwischen den Gebäuden kaum Unterschiede in der Lautstärke zu verzeichnen. Einige Stationen, die mit dem Langdraht aufgrund der Richtwirkung nicht aufzunehmen waren, konnten mit der Aktivantenne ohne Probleme empfangen werden. Eine gelungene Entwicklung, die nicht nur für die so genannten Antennengeschädigten interessant sein dürfte.
 
Andreas, DL7ULK, (Foto links) schien auch am Sonntag beim Test seiner tags zuvor aufgebauten Antenne noch nicht so richtig zufrieden zu sein, obwohl die Antenne auf allen (!) Kurzwellenbändern funktionierte. Klar wäre ein ausgewachsener Beam für alle Bänder wünschenswert, doch der passt garantiert nicht in seinen Vorgarten (denn den Vorgarten kenne ich). Angesichts der Summe aus kleiner Stellfläche, geringem Materialaufwand und nicht unter den Teppich zu kehrenden Eigenschaften ist der Multiband-H-Pol von HB9MTN kaum zu schlagen. Peter, DK2WL, (Foto rechts) nutzte eine der Abspannungen von Andreas' Antenne, um seine UKW-Antenne zu befestigen und kurz anzuprobieren.
Das ganze Wochenende über kämpfte Frank, DL9VF, mit einem Atmel-Controller zum Auslesen von Nachrichten aus einem Mobiltelefon. Irgendwo klemmte es und er kam nicht weiter. Ralf, DL1BQF, der selbst einen BCR aufbaute, half ihm mit seinem Wissen und Können ein gutes Stück weiter.
Am Sonntag stellte sich dann heraus, dass seine Schaltung zwar funktioniert, doch mit der Schnittstelle zum Handy etwas nicht stimmt. Leider ließ sich die notwendige Anpassung der Pegel mit den zur Verfügung stehenden Bauteilen nicht realisieren. Doch Frank war bei der Abfahrt zuversichtlich, sein Projekt nun zu einem guten Ende bringen zu können.
 
Wie Sie sehen, lassen sich bei so einem Treffen viele Probleme lösen, mit denen man sich zu Hause im stillen Kämmerlein lange herumschlagen würde. Außerdem habe bestimmt nicht nur ich bei den vielen Gesprächen einige Anregungen für neue Projekte bekommen.
Das nächste Treffen ist für November vorgesehen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es zwar wieder in Jessern stattfinden, doch dann nicht mehr in der Herberge "Alte Schule", sondern im "Ferienparadies". Wir konnten uns die Unterkünfte und die sonst noch nutzbaren Räume und Flächen schon mal ansehen: Alles ist in sehr gutem Zustand und dazu sowohl innen als auch außen viel geräumiger. Vielleicht lassen sich die Eigentümer ja noch überreden, es zumindest für das nächste Treffen in "Funkerparadies" umzutaufen. Nebenbei wird nach dem Umzug der Weg zur "Piratenschänke" mit dem echt guten Essen dort recht kurz sein.
 
Ich möchte mich auf diesem Weg nochmals bei den Organisatoren des Treffens bedanken! Es war wieder sehr angenehm, in einer ruhigen Atmosphäre alle Facetten unseres Hobbys genießen und sich mit Gleichgesinnten unterhalten zu können.

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