Andorra - Unterwegs in den Pyrenäen

25. Juli - 3. August 2007
 
Hola, bon dia! (Hallo, guten Tag!)
 
Flagge C3 Globus C3 No parlo bé català. (Ich spreche nicht gut Katalanisch.) Nach Island zog es mich diesmal auch in ein nur recht kleines Land: in das Fürstentum An­dorra. Es ist nur 468 km² groß und liegt zwischen Frankreich und Spa­nien in den Pyrenäen. 73000 Einwoh­ner leben dort zwischen 65 Berggip­feln mit über 2000 m. Und es sollte gerade im Sommer für Wanderer interessant sein - also genau richtig für mich. Das Faulenzen am Pool überlasse ich gerne anderen. Deshalb buchte ich bei Blue and White eine Gruppenreise dorthin. Das Programm versprach, viel von dem Land sehen und von den Leuten dort erleben zu können.
 
Stationen der Reise
 
In der Nacht des 1. Tages fuhr unsere Reisegruppe von Berlin mit einem bequemen Reisebus los uns sammelte unterwegs noch einige Reisende ein. Da die Strecke nicht in einem Stück zu bewältigen ist, war ein Zwischenstopp im Hotel Les Congres in Dijon in Frankreich eingeplant. Und da wir uns mitten in Burgund befanden, servierte man uns eine wirklich sehr schmachhafte Spezialität dieser Gegend: Charolet-Rind in Burgundersouce. Am Abend des zweiten Tags kamen wir schließlich im Hotel Màgic in La Massana/Andorra an.
 
Am 3. Tag, dem 1. Tag in Andorra, war ein Bergkessel im Osten des Landes mit 20 Bergseen (Els Pes­sons) unser Ziel. Er befindet sich nahe Grau Roig (ungefähr 2150 m), dass im Winter besonders bei Skiläu­fern sehr beliebt ist. Doch dann ist nichts von den vielen großen und kleinen Seen zu erblicken, die von einer fast geschlossenen Bergkette umgeben sind. Einer der Berge dieser Kette ist der höchste Andorras, der Pic dels Pessons mit 2857 m. Doch so hoch ging es nicht. Etwas mehr als 2500 m reichten. Die Seen sind in die der Sonne, die der Mitte und die des Schat­tens unterteilt.
 
Eigentlich war dieser 4. Tag zur freien Verwendung vorgesehen. Doch unser Bergführer Marco bot uns eine Wanderung ins Tal des Coma Pedrosa, in den Westen des Landes, an. Startpunkt war eine Schutz­mauer gegen Lawinen etwa 1 km hinter Arinsal auf 1550 m Höhe. Von dort ging es im Tal des Flusses Coma Pedrosa (Riù de Coma Pedrosa) aufwärts. Ziel war die bewirtschaftete Hütte auf 2260 m. Auf dem Weg hinauf gab es alles nur erdenkliche zu sehen: Wasserfälle, atemberaubende Aus­sichten und vieles mehr. Etwas abseits des Weges war sogar eine sich unverhüllt auf einem Felsen "rekelnde", einheimische Schönheit zu sehen. Sie können es mir ruhig glauben! Leider konnte ich sie nicht nach ihrem Namen fragen, aber wenigstens das Foto rechts machen. Auf dem Weg, den wir hinauf kamen, wollte niemand zurück. Daher führte uns Marco noch weitere 300 m bergauf und über den Pass von Sanfons (Porta de Sanfons, 2588 m) langsam wie­der ins Tal. Dort holte uns der Bus wieder ab.
 
Der 5. Tag, der 3. Tag in Andorra, führte uns von Ordino-Arcalis zu den Tristaina-Seen (Estanys de Tristai­na), dem Tal der 3 Seen im Nord­westen. Da diese Strecke gegenüber der des Vortages sehr leicht zu be­wältigen ist, sollte man sich gerade an Wochenenden darauf gefasst ma­chen, vermehrt Leute anzutreffen. Die Seen mit den Wiesen drum herum laden gerade zu Ausflügen mit Kind und Kegel ein. Etwas mehr Ruhe findet man trotzdem am vierten See. Nein, Sie haben richtig gelesen. Es gibt einen vierten See, obwohl der Name des Tals nur drei angibt. Doch laut Marco zählt dieser See nicht mit, da er in sehr heißen Sommern mit wenig Regen auch schon mal aus­trocknen kann - doch bei unserer Ankunft war er gut gefüllt, wie das Foto links zeigt.
 
Der folgende 6. Tag führte uns aus Andorra her­aus und weiter nach Katalanien hinein. Per Bus ging es zuerst in den etwa 80 km südöstlich lie­genden spanischen Ort Ribes de Freser und von dort mit der Zahnradbahn in das autofreie Vall de Núria (Nuria-Tal), auch als Tal der Träume be­zeichnet. Núria heißt außerdem Jungfrau und soll der Vorname recht vieler katalanischer Mädchen und Frauen sein. Die Fahrt mit der Zahnradbahn ist spektakulär. Zuerst geht es halbwegs eben bis zu einer Zwischenstation, von der ab das Auge des Reisenden richtig verwöhnt wird. Leider werden in den nächsten zwei Jahren an Stel­len, die vom Steinschlag gefährdet sind, Tunnel gebaut. Dadurch werden einige der schön­sten Aussichten den Bahnreisenden verborgen bleiben. Doch wer will, kann die Strecke auch zu Fuß auf dem Pilgerweg absolvieren.
 
7. Tag: Dienstag - Markttag in der nur 10 km von der Südgrenze Andorras entfernt liegenden spanischen Stadt La Seu d'Urgell. Sie ist Sitz des Bischofs von Urgell und somit der Wohnort eines der beiden Co-Fürsten Andorras, die jedoch kei­ne politischen Entscheidungen treffen. Der zweite Co-Fürst ist der Präsident von Frankreich. Nach der Besichtigung des Parc de Serge (Austra­gungsort der Olympischen Spiele 1992), der Ka­thedrale Santa Maria, der kleinen romanischen Kirche Sant Pere i Sant Miquel konnte man über den reichhaltigen Wochenmarkt bummeln, der auch samstags statt findet.
 
Bevor wir am Nachmittag im Grenzgebiet zwi­schen Andorra und Spanien wandern fuhren, wurde uns in der Borda à Hermanas des in Spa­nien liegenden, jedoch nur über Andorra per Straße erreichbaren Bergdorfes Os de Civis (Foto links) noch ein typisch andorranische Mahlzeit serviert: Lamm vom Grill. Zum Glück waren nach diesem reichhaltigen und vor allem schmackhaf­ten Mal keine steilen Wege im Gebiet von La Ra­bassa im Süden Andorras zu bewältigen. Diese Gegend ist im Winter besonders von Skilangläu­fern beliebt. Wie an den ausgefahrenen Wegen zu erkennen war, sind diese Wege auch noch heute für Schmuggler interessant. Das Bergmassiv im Hintergrund des rechten Fotos ist das Cadi-Moixero. Es liegt etwa 16 bis 20 km entfernt in Spanien und ist ein riesiger Nationalpark.
 
Für diejenigen unserer Gruppe, die vom Wandern immer noch nicht genug bekom­men hatte, organisierte Marco am 8. Tag eine zusätzliche Wanderung in den im Nor­den liegenden Naturpark Sorteny (Parc na­tural de la Vall de Sorteny). Es war ein wahrer Leckerbissen für die Augen. So vie­le verschiedene Pflanzen habe ich schon lange nicht mehr zusammen gesehen! En­ziane in verschiedenen Arten in Hülle und Fülle, blauen und gelben Eisenhut, Glockenblumen, Steinbrech, diverse Orchideen und sehr viel mehr waren zu entdecken. Nicht nur für Botaniker dürften daher die drei markierten Wege interessant sein, zu denen man detaillierte Broschüren und Karten im Informationscenter erhalten kann. (Fotos: links eine mit Blumen übersähte Waldwiese, rechts ein gelber En­zian)
Einige Reisende machten sich nach der Wanderung noch nach Andorra la Vella auf den Weg. Doch die Hauptstadt fand ich nicht schön - und zum billigen Einkaufen war ich nicht nach Andorra gekommen. So machte ich noch einen Bummel durch La Massana.
 
Am frühen Morgen des 9. Tages begann die Rückfahrt - wiederum mit einem Zwischen­stopp in Dijon in Frankreich. Diesmal überraschte uns das Hotel mit der zweiten, bekann­ten Spezialität Burgunds: Nach einer Schneckenvorspeise gab es als Hauptgang Hahn in Pilzsouce. Echt lecker! Die Nachspeise war aber auch nicht zu verachten. Leider habe ich deren Namen vergessen.
In der Nacht des 10. Tags kamen wir dann wohlbehalten wieder in Berlin an. Die rund 1900 km zwischen Deutschland und Andorra sind eine recht lange Strecke, auch wenn man sie nicht selbst fahren muss. Beim nächsten Mal werde ich mir bestimmt eine andere Lösung suchen. Wahrscheinlich wäre ein Flug oder eine Bahnfahrt in die Nähe von Andorra die bessere Wahl gewesen. Aber einen Versuch war es wert.
 
Amateurfunk
 
Nun werden Sie sich bestimmt fragen, ob ich denn als Funkamateur nicht an den Amateur­funk gedacht habe. Aber selbstverständlich! Da Andorra kein Mitglied der CEPT ist, war ich seit Dezember 2006 damit beschäftigt, eine Sendelizenz zu erhalten. Schließlich wollte ich meine kleine QRP-Sation nicht alleine zu Hause lassen. Aber basierend auf den Informa­tionen von OH2MCN sah es von vorn herein schlecht mit einer Lizenz für Andorra aus. Bis einen Tag vor dem Start erhielt ich kein Pünktchen als Antwort auf diverse Briefe (SAEs mit IRCs) oder E-Mails weder vom Büro der URA noch vom Präsidenten Joan Saurí, C31US, selbst.
 
Daher beschloss ich, es nochmals persönlich in Andorra zu pro­bieren. Meine Station packte ich deshalb in die im Foto zu se­hende Blechkiste mit in die Reisetasche ein. So viel Platz benö­tigt ja eine QRP-Station nicht. Gleich nach der Ankunft startete ich einen ersten Versuch über die örtliche Reiseorganisation. Am nächsten Tag erhielt ich die Antwort, dass sie auch nichts aus­richten könnten. Auch in den folgenden Tagen fand ich keine Gelegenheit, mich selbst auf den Weg zum URA-Büro zu ma­chen. So verwarf ich irgendwann die Idee, aus Andorra QRV werden zu können. Doch ganz ist dieses Vorhaben noch nicht vom Tisch. Wie ich nun er­kannt habe, ist es für all jene, die nicht in Andorra wohnen, nur über einen an der DX­pedition beteiligten Andorraner möglich, eine Lizenz zu erlangen.
 
Als Standort für eine Funkstation dürfte sich die Gegend südöstlich von Sant Julià de Lòria und besonders um La Rabassa eignen, da diese relativ flach ist. Die beiden Haupttäler selbst sind eher ungeeignet, da sie kaum DX-Betrieb in alle Richtungen ermöglichen dürf­ten.
 
Nützliches
 
Für den Fall, dass Sie selbst nach Andorra fahren wollen, möchte ich Ihnen zum Schluss ein paar Ratschläge auf den Weg geben. Sie können sie beherzigen oder einfach verges­sen. Sie gestalteten aber meinen Aufenthalt in Andorra wesentlicher angenehmer und si­cherer.

Sprich Katalanisch! Sie kommen zwar auch mit Spanisch, Französisch und/oder Englisch zurecht, doch ein paar Sätze in Katalanisch öffnen das Herz fast jeden echten Andorra­ners/Katalanen.
Gehe nicht allein! Wenn Sie selbst vorhaben, in Andorra zu wandern, so wandern Sie nie alleine. Die Wege sind fast alle recht steil und steinig. Ein einziger falscher Schritt kann dazu führen, dass Sie auf einmal hilflos allein in den Bergen sind.
Nutze einen Bergführer oder eine gute Wanderkarte! Obwohl viele Tou­risten das Land besuchen, kann es vorkommen, dass man gerade in den höheren Lagen oft stundenlang niemandem begegnet. Zwar sind die We­ge relativ gut markiert, doch bei längeren Wanderungen ist eine gute Wanderkarte oder ein Bergführer von unschätzbarem Vorteil. Die im Foto zu sehende, sehr gute Karte im Maßstab 1:25000 mit den eingezei­chneten Wanderwegen ist in Andorra selbst für ein paar Euro erhältlich.
Benutze Sonnencreme! Die Sonne scheint in Andorra fast immer. Im Juli beispielsweise soll es an nur 8 Tagen regnen. Wahrscheinlich waren diese Tage schon alle vorbei, als wir in den Bergen unterwegs waren. Jedenfalls bekamen wir keinen einzigen Tropfen ab. Die Sonne ist so stark, dass sie jede unbedeckte Körperstelle sonst schnell verbrennt.

Where do we go next? Vielleicht wieder nach Andorra. Lohnen würde es sich allemal - auch ohne Funkstation.
 
Adéu siau! (Auf Wiedersehen!)

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