Zwischen Gletschern und Geysiren -
Quer durch Island

13. - 26. Juli 2006
 
Flagge TF Globus TF Goðan daginn! (Guten Tag!)
 
Afsakið, ég tala ekki íslensku. (Ent­schuldige, ich spreche kein Islän­disch.) Deshalb schreibe ich diese Zeilen lieber in Deutsch weiter. Funkamateure fragen ja immer: Wo­hin gehen wir als nächstes? Da ich schon seit einiger Zeit ein besonderes Reiseziel im Auge hat­te, erfüllte ich mir im Sommer einen Traum: Island - das Land der Gletscher und Geysire. Doch es hatte noch mehr zu bie­ten!
 
Organisation
 
Unser geländegängige Bus mit dem Küchenwagen bei einer Flussdurchquerung Wie immer ging es quer durchs Land. Diesmal mit dem islän­dischen Reiseunternehmen Guðmundur Jónasson Travel, das seit 77 Jahren Touren in Island unternimmt. So­gar die Raumfahrtsbehörde NASA und Sir Edmund Hillary wählten eine Führung in Island durch sie - keine schlechten Gütezeugnisse wie ich finde.
Foto: Unser geländegängige Bus mit dem Küchenwagen bei einer Flussdurchquerung
 
Heute sitzt der Firmengründer zwar nicht mehr selbst hinter dem Steuer, doch der Ser­vice und das Angebot, das Christina Böhner als Reiseleiterin, Grímur als Fahrer und Hanna als Köchin uns zu Teil werden ließen, sind nicht schlechter geworden. Sehen Sie sich einmal auf ihrer Webseite um. Bestimmt ist auch für Sie das Richtige dabei! Das ganze organisatorische Drumherum, um erst einmal nach Island zu kommen, übernahm die deutsche Firma Rotel Tours.
 
Reiseroute 13. Juli: Reykjavik
14. Juli: Geysir/Haukadalur
15. Juli: nahe Akureyri
16./17. Juli: Lundur nahe Ásbyrgi
18. Juli: Askja
19./20. Juli: Skjólbrekka am See Mývatn
21. - 24. Juli: Hella
25. Juli: Reykjavik
 
Zum Teil dienten die einzelnen Orte als Ausgangspunkte für Tagestouren zu in der Nä­he befindlichen Sehenswürdigkeiten. Ich war mit einer relativ kleinen Gruppe von 27 Touristen in einem geländegängigen Bus und per Fuß unterwegs.
 
QRP-Station
 
Natürlich war eine QRP-Station mit dabei! So etwas passt ja im Gegensatz zu einer lei­stungsstarke Stationen bequem noch mit ins Gepäck, selbst ohne das Limit von 20 kg Freigepäck bei den Fluggesellschaften zu überschreiten. Außerdem ist Island Mitglied im CEPT, sodass die umständliche Beantragung einer Sonderlizenz entfiel und ich als TF/DK3RED/P aktiv werden konnte.
 
CW-Transceiver Spatz für 30 m mit 5 W Ausgangsleistung
Z-Match Antennen-Anpassgerät ZM-2 von Emtech
zwei 7 m Drähte, 7-m-Mast, Schnüre
1,2-Ah-Akkumulator mit Ladegerät, Handtaste Minkey, Kopfhörer
 
Da ich nicht wusste, was mich an den einzelnen Orten erwarten würde, hatte ich in weiser Voraussicht die 7 m lange Teleskop-Angelrute mit. Am ersten Abend versuchte ich es mit einer "Up and Outer" als Antenne, kam jedoch nicht zum Ziel. Am nächsten Abend steckte ich die beiden Drähte zu einem schräg nach oben gespannten Langdraht zusammen und passte ihn als Fuchsantenne an. Dabei kam mir der Mast wie gerufen. Bäume gibt es zwar in Island, doch auch die einige Jahrzehnte alten Exemplare sind nur einige Meter hoch. Da lässt sich mit einem Mast ein wesentlich höher Abspannpunkt schaffen.
 
Impressionen
 
Strokkur Gígjökull Geysire finden sich besonders im Südosten - Gletscher kann man im gesamten Hochland und im Westen sehen und auch besteigen.
Der Strokkur auf dem Foto links spuckt pünktlich alle 6 bis 10 Minuten. Das Foto rechts zeigt den Gígjökull, eine der Glet­scherzungen des Eyjafjallajökull, mit dem Gletschersee Lónið im Vordergrund.
über einem alten Lava-Tunnel 1975 bis 1985 entstandene Lava-Feld an der Krafla Island ist geologisch gesehen ein junges Land. Fast überall kann man daher die Auswirkungen der vulka­nischen Aktivitäten sehen.
Foto links: über einem alten Lava-Tunnel; Das Foto rechts zeigt das erst 1975 bis 1985 entstandene Lava-Feld an der Krafla.
Seljalandsfoss im Süden am Eyjafjallajökull Dettifoss im Norden am Fluss Jökulsá á Fjöllum Wieviele Wasserfälle es in Island gibt, wis­sen wahrscheinlich noch nicht einmal die Is­länder selbst. Einige sind hauchzart, an­deren sollte man sich nur mit Vorsicht nähern. Doch schön und zum Teil spektaku­lär sind sie allemal.
Foto links: Seljalandsfoss im Süden am Eyja­fjallajökull; Foto rechts: Dettifoss im Norden am Fluss Jökulsá á Fjöllum
Solfatarenfeld Námafjall an der Krafla Krater Víti an der Askja Da Island so reicht mit Wasser versorgt ist, kommt man zwangsläufig auf die Idee, in dem einen oder anderen See oder Fluss zu baden. In den heißen Tümpel links sollte man sich nicht setzen, wobei man nach ei­nem steilen Abstieg im rechts vorne zu se­henden Kratersee mit seinem angenehm warmen, aber nach Schwefel riechenden Wasser sogar schwimmen kann.
Foto links: Solfatarenfeld Námafjall an der Krafla; Foto rechts: Krater Víti an der Askja
Schlucht südlich der Katla Blick vom Bláhnúkur im Landmannalaugar Abseits der Straßen und Pisten zeigt Island seine wahre Schönheit. Sei es nun eine tiefe Schlucht oder einer der vielen Gipfel und Gebirgszüge - Wanderfreunde kommen hier voll auf ihre Kosten.
Foto links: Schlucht südlich der Katla; Foto rechts: Blick vom Bláhnúkur im Landmanna­laugar
Abend an der Askja Am Eingang der Drachenschlucht an der Askja gibt es neben dem Platz zum Zelten eine alte, aber gute Hütte. Seit einem Jahr steht außerdem eine neue, größere Hütte zur Verfügung, in der wir übernachten konnten.
Foto: Abend an der Askja
Flora und Fauna
 
Papageitaucher nahe Dyrhólaey Schneehuhn Doch wer nun denkt, dass es in so einer rauen Gegend weder Pflan­zen noch Tiere gibt, hat sich ge­täuscht.
Foto links: Papageitaucher nahe Dyrhólaey; Foto rechts: Schnee­huhn
Arktisches Weidenröschen Enzian Gerade dort, wo man es nicht erwartet, sind far­benprächtige Blumen zu entdecken.
Foto links: Arktisches Weidenröschen; Foto rechts: Enzian
 
Nützliche, unnütze und gefährliche Dinge
 
Auf den insgesamt 2300 km, die wir in Island unterwegs waren, habe ich einiges be­merkt, was unbedingt im Reisegepäck sein sollte. Aber auch vieles, was völlig entbehr­lich oder sogar lebensgefährlich ist, habe ich gesehen.
 
Regenfeste Kleidung, die möglichst vom Kopf bis zu den Füßen reichen sollte, ist schon fast ein Muss. Es regnet zwar in der Regel nicht lange, doch wenn es regnet ist man gerade in abgelegenen Gegenden im Freien sonst ohne Schutz und weicht völlig durch. Da hilft auch kein Regenschirm. So ein Teil ist unnütz, da der Regen sowieso immer waagerecht und aus ständig wechselnden Richtungen fällt. Außerdem könnte er den Träger bei einer Böh erfassen und über den Rand einer der vielen Schluchten wirbeln.
 
Die Damen können ihre High Heels getrost zu Hause lassen. Auch die feinen Lack­schuhe der Herren gehören nicht nach Island. Wer das erste Mal über eine steinige Ebene oder einen nicht ganz so trockenen Weg gelaufen ist, wird wissen, wovon ich rede. Wetterfeste Wanderschuhe sollten die erste Wahl sein. Zwar muss man sie in Hütten und Herbergen im Innern an der Eingangstür stehen lassen, doch das stört niemanden.
 
Doch in Island ist der Himmel nicht immer bedeckt. Oft gibt es auch strahlenden Son­nenschein. Dann ist Schutz in Form eines nicht so leicht wegfliegenden Huts gefragt, zumal die Sonne im Sommer einige Kraft entwickelt und der Sonnenbrand sonst vor­programmiert ist.
 
Attrationen
 
Island hat für jeden Reisenden etwas zu bieten. Egal, ob man nun die einsamen Tra­cking-Touren mag oder eher das gesellige Leben in den Städten liebt. Ein paar Sachen empfehle ich Ihnen jedoch besonders.
 
Zum ersten ist das ein Bad in einem "heißen Topf". Ist man nur im Süden unterwegs, bietet sich dafür zum Beispiel die Bláa Lónið (Blaue Lagune) südlich von Reykjavik an. Jarðböðin við Mývatn Eine meiner Meinung nach gleichwertige Alternativ stellt im Norden das Jarðböðin við Mývatn (Mývatn Naturbäder) zwi­schen Reykjahlið und Námaskarð dar. Wer nach einem kühlen Tag im großzügig angelegten Freiluftpool liegt und den gran­diosen Ausblick über den tiefer liegenden See Mývatn ge­nießt, will die nächsten Stunden nicht mehr aus dem Wasser heraus. Aber sei nicht traurig: Heiße Bäder gibt es über das ganze Land vertreut, wenn auch nicht überall in Lava-Becken. Foto: Jarðböðin við Mývatn
 
2006 Eine weitere Attraktion, die überall in Island angeboten wird, sind Ausritte zu Pferd. Nein, ich bin kein Reiter. Ich habe noch ein altes Foto, auf dem ich als kleiner Junge auf einem sanftmütig Pony sitze (nicht reite). Aber daran erinnern kann ich mich nicht mehr. 1968 Doch nun wollte ich es mal probieren, zumal die Island-Pfer­de kleiner als unsere heimischen Vertreter sind. Nach einer kurzen Einweisung in die Steuerung so eines Gefährts durch eine Mitreisende (Danke An­drea Mollet!), ging es für eine Stunde los. Zwar nie­selte es etwas, aber das störte nicht. Island-Pfer­de sind trotz unebenen Untergrunds sehr tritt­sicher. Außerdem beherrschen sie als einzige Rasse 2 weitere Gangarten (Tölt und Passgang), sodass man nicht durchgeschüttelt wird. Eine sehr angenehme Reiseart. Wer Lust auf mehr bekommen hat, der kann auch Tage und Wochen auf dem Pferderücken ver­bringen und dabei quer durchs Land reiten.
 
Logbuch
 
Nun wird den einen oder die andere noch interessieren, mit wieviel QSOs im Logbuch es denn nach Hause ging. An insgesamt 8 Tagen konnte ich meine Station aufbauen und erreichte in rund 16 Stunden insgesamt 21 QSOs aus Europa auf 30 m. Es fanden sich am Ende der Reise Stationen aus EI, DL, EU, F, G, HA, LA, OK, OM, RAeu, SM und UR im Logbuch. An einem Tag kam gar kein QSO ins Logbuch, ansonsten zwischen 1 und 6 QSOs.
 
Zu wenig für eine DXpedition? Stimmt, da muss ich Ihnen recht geben. Aber ich war ja im Urlaub. Daher interessierten mich keine QSO-pro-Stunde-Werte. Was zählte, war einzig der Spaß am Hobby! Und den hatten ich und hoffentlich auch meine QSO-Partner. Dabei rief ich stets selbst CQ. Außerdem bin ich kein Liebhaber von QSOs nach dem Stil "599 TU" und wollte daher stets den realen Rapport vom QSO-Partner erfahren. Und mich interessierte immer der Name. Waren die Bedingungen besser, wurden auch noch Informationen über den Standort und die Station ausgetauscht. So kam es, dass eine Verbindung schon mal etwas länger dauerte. QSL-Karte
 
Ich bedanke mich bei allen, die meine leisen Signale aufnehmen konnten! Die QSL-Karten für alle Verbindungen sind schon auf dem Weg über das Büro unterwegs. Da sich das Drucken von speziellen Karten mit Mindestmengen von 500 oder 1000 Stück ökonomisch nicht lohnte, habe ich mir schon in Island schöne Postkarten gekauft und nach meiner Rückkehr nach Deutschland mit einem Etikett versehen und versendet.
 
Sælir! (Auf Wiedersehen!)

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