Nepal - Unter dem Dach der Welt

23. Dezember 2005 - 6. Januar 2006
 
Flagge 9N Ende September 2005 war es wieder so weit und die nächste Urlaubs­zeit am Jahresende in Sicht. Doch wohin? Irgendwo in die Mitte zwischen Deutschland und dem anderen, warmen Ende der Welt wäre wünschens­wert. Da kam das Angebot des mir schon bekannten Reiseveranstalters Rotel Tours gerade recht, die Zeit von Weihnachten bis nach Neujahr zu einem akzeptablen Preis in Nepal verbringen zu können und dabei nicht Hotelbars und Nachtclubs sondern eine Menge von Land und Leu­ten kennenzulernen. Also los!
 
Etwas Geografie
 
Globus 9N Nepal liegt zwischen dem von China besetzten Tibet und In­dien am Rand des Himalaya. Auf seinem Territorium findet man fast alle Klimazonen, von tropischen Gebieten im Süden bis hin zur alpinen Zone im Norden mit den höchsten Bergen der Welt. Es ist rund 147000 km² groß und die Heimat von rund 23,4 Millionen Menschen. Unter ihnen befinden sich nur nur 4 (als Wort: vier) Funkamateure! Dank der DXpeditionen zählt es aber trotzdem nicht zu den sehr raren Gebieten. Ich selbst konnte jedoch bisher noch kein QSO mit einer Station in diesem Land im Logbuch vermerken.
 
Amateurfunklizenz
 
Wie Sie sich als Funkamateur sicher denken können, habe ich versucht, von zu Hause aus eine Lizenz zu beantragen. Das Ergebnis war überraschend: Es ist so, als ob man in einen schalltoten Raum hineinruft. Es kam bis heute keine Reaktion auf meine An­fragen zurück. Während der Wartezeit habe ich selbstverständlich auch ein paar echte DXer hier in Deutschland gefragt, die schon einmal in Nepal aktiv waren. Sie beschrie­ben die notwendige Prozedur als recht aufwändig: Einfuhr des Transceivers nach Nepal und Abgabe beim Zoll in Kathmandu, Beantragen der Lizenz beim Ministry of Informa­tion and Communications (MoIC), Einzahlen der Gebühr in bar bei einer Bank, Ausstel­lung des Freigabescheins und Abholen aus dem Zoll. Das dauert insgesamt 2 Tage. Und ohne die Hilfe von Einheimischen bzw. im Land angesiedelter ausländischer Firmen oder Organisationen gestaltet sich die ganze Sache vielleicht noch etwas länger. Sie möch­ten es selbst einmal probieren? Dann los! Telefon- sowie Faxnummer, E-Mail-Adressen und die Postanschrift finden Sie auf der Webseite des MoIC. Viel Erfolg!
 
Zwei Sachen sollten Sie aber vor dem Start dieser ganzen Formalitäten unbedingt be­denken. Ich selbst bin erst während der Gespräche mit einigen DXern darauf aufmerk­sam gemacht worden. Erstens ist die Lizenz nicht ganz billig. Wenn Sie auf allen Bän­dern mit 100 W aktiv werden wollen, so sind schnell 500 US-$ fällig. Und Sie müssen für mindestens zwei Bänder bezahlen. Zweitens muss in die Lizenz ein fester Standort ein­getragen werden - reisen und mal so nebenbei ein paar QSOs führen ist dadurch nicht möglich. So zerplatzte schnell mein Traum, auch während der Reise aktiv werden zu können. Dieses Vergnügen wäre nur auf Kathmandu begrenzt gewesen, da ich zumindest dort für einen längeren Zeitraum eine feste Adresse hätte angeben können.
Fazit: Eine Amateurfunklizenz für Nepal zu beantragen, lohnt sich finanziell und lo­gistisch nur für DXpeditionen!
 
Wann und wo?
 
Da ich ja etwas von Land und Leuten sehen wollte, hielt ich mich nicht nur an einem Ort auf.
24. Dezember: Kathmandu
25. - 26. Dezember: Dhulikhel
27. - 29. Dezember: Pokhara
30. Dezember: Tansen
31. Dezember - 1. Januar: Chitawan Nationalpark
2. - 6. Januar: Kathmandu
Zum Teil dienten die einzelnen Orte als Ausgangspunkte für Tagestouren zu in der Nä­he befindlichen Sehenswürdigkeiten. Ich war mit einer kleinen Gruppe von Touristen in einem kleinen Bus und per Fuß unterwegs.
 
Menschen und Berge
 
Was mir als erstes in Nepal auffiel, war, dass die Menschen eng zu­sammen leben. Damit meine ich nicht nicht nur die örtlichen Gegeben­heiten, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen. Wenn irgendwo etwas fehlt, fragt man beim Nachbarn an. Streit ist mir während der ganzen Reise nicht begegnet. Auch nicht zwischen Leu­ten, die man in unserer sogenannten ersten Welt als direkte Konku­renten bezeichnen würde. Und selbst die sich um Süßigkeiten balgen­den Kinder fanden sich stets wieder schnell zusammen und teilten ih­re Beute untereinander auf.
Nepalesen sind auf eine freundlich nette Art ziemlich neugierig. Und so kommt man ganz schnell mit Menschen ins Gespräch und kann so einen Eindruck von ihrem Leben gewinnen. Sie können kein Nepali? Ich auch nicht. Doch dafür können die Nepalesen perfekt Englisch, da sie es in der Schule lernen.
 
Ist man nicht gerade im äußersten Süden des Landes, so fällt beim ersten Tageslicht der Blick auf die Berge, die Nepal berühmt machen und die ihn so schnell nicht wieder loslas­sen. Nein, ich war nicht dort oben. Mir reichte schon der An­blick dieser Riesen von weniger hohen Gebieten aus. Schließ­lich war ich vor allem wegen den Menschen gekommen - und die findet man oberhalb 3000 m fast nur noch in Form von Touristen.
 
Da waren mir die verwinkelt aufgebauten Städte und Dörfer viel lie­ber. Etwas gewöhnungsbedürftig war für mich in den ersten Tagen das direkte Nebeneinander von sakralen Bauten, Wohnhäusern und Verkaufsläden aller Art. Hinzu kamen in den ländlichen Gebieten noch die Haustiere. Doch wenn man bedenkt, dass vor allem die überall im Land zu findenen Tempel und Stupas unmittelbar zum Leben der Ne­pali gehören und nicht wie bei uns die Kirchen eher den Sonn- und Feiertagen vorbehalten sind, kann man erahnen, warum sich die Ein­wohner daran nicht stören: Alle Orte gehören schließlich zum Leben, sodass sie nicht weit voneinander getrennt werden.
 
Wer sich nicht gerade ständige zwischen Basiscamp und Gipfelkreuz aufhält, wird be­stimmt noch mehr Erfahrungen machen. Viele eigene kann ich nicht in Worte fassen und viele Bilder befinden sich nur in meinem Kopf. Daher rate ich Ihnen, wenn sich die Ge­legenheit dazu bietet, selbst einmal einen Blick in dieses zwar finanziell arme aber an menschlicher Wärme reiche Land zu werfen.
 
Wer nicht den von mir gewählten Reiseveranstalter nutzen und trotzdem eine organi­sierte Reise in Nepal unternehmen will, dem sei Kathmandu Experience empfohlen. Nähere Informationen findet man in Deutsch und Englisch auf ihrer Webseite. Die gesamte Organisation unserer Reise innerhalb von Nepal lag in ihren Händen. Und ich fühlte mich bei ihnen sehr gut aufgehoben und informiert.
 
Flugverbindung nach und von Nepal
 
Ach ja, eines muss ich Ihnen noch mitteilen. Es gibt einige Fluggesell­schaften, die Kathmandu anfliegen. Leider erwischten wir scheinbar eine der schlechten: Qatar Airways. Sie versucht ihren Heimatflug­hafen Doha in Qatar zum Drehpunkt für Flüge im arabischen Raum auszubauen. Leider gelingt es ihr nicht, die dafür nötige Logistik zu gewährleisten, sodass es eher chaotisch dort zugeht. Beim Hinflug waren nur 3 der 24 auf Bildschirmen angezeigten Flüge ohne Verspä­tung vermerkt, beim Rückflug nur 4. Unsere Flüge befanden sich stets bei den verspäteten. Hinzu kam, dass wir beim Rückflug einmal in Doha wegen Überbu­chung abgewiesen wurden und dann einen halben Tag später wegen irgendwelcher angeblich fehlender Bestätigungen unseren neuen Weiterflug von Doha verpassten.
 
Naja, so kommt man wenigstens dazu, in den eineinhalb Tagen, die wir dort insgesamt verbrachten, das viel zu kleine Flughafengebäude ausgiebig zu erkunden (sitzen war aufgrund der begrenzten Stuhlanzahl und der vielen Passagiere nur auf dem Boden möglich) und etwas von der Stadt zu entdecken, nachdem man uns zweimal nach stun­denlangem Warten in Hotels in der Nähe untergebracht hatte. Als Sahnehäubchen lan­dete dann auch noch das Gepäck der gesamten Reisegruppe beim Rückflug nicht mit uns in München, sondern wurde uns erst zwei Tage später aus Paris kommend nach Hause zugesandt.
Daher mein Rat: Vermeiden Sie Flüge mit Qatar Airways! Es gibt bessere Fluggesell­schaften in dieser Region und es gibt sogar Direktflüge von Europa nach Kathmandu, z.B. mit der Austrian ab/bis Wien.
 
Namaste!
 
PS. Am 3. März 2006 "überraschte" Qatar Airways jeden Fluggast unserer Gruppe als kleine Entschädigung für den Zwangsaufenthalt in Doha mit einer Flasche Wein und dem Angebot, einige Euros auf ein anzugebendes Konto zu überweisen. So ein Ver­halten hätte ich nach dem Durcheinander dort nicht erwartet! Vielleicht verbessern sie ja doch noch ihren Service.

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